Christoph Seyerlein

manage:mobility Protz-Alarm bei Mercedes

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Warum Ola Källenius Luxus-Pläne für Mercedes heikel sind.

  • Wieso Daniela Cavallo zur Schlüsselfigur bei Porsches Börsengang wird.

  • Und wie "Major Tom" Enders Lilium doch noch abheben lassen will.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Mercedes und die heikle 100.000-Euro-Frage

Der Luxus-Lenker: Kein Automanager positioniert seine Marke derzeit so radikal höher wie Mercedes-Chef Ola Källenius

Der Luxus-Lenker: Kein Automanager positioniert seine Marke derzeit so radikal höher wie Mercedes-Chef Ola Källenius

Foto: PR

Mercedes-Chef Ola Källenius (53) will zum leitenden Luxus-Lenker der Branche aufsteigen. Ein Neuwagen der Marke soll bald durchschnittlich 85.000 statt aktuell 70.000 Euro kosten, für jeden fünften sollen sechsstellige Summen fällig werden. Investoren gefällt die Aussicht auf höhere Renditen. Doch interne Zweifler warnen vor zu viel Protz, der Kurs dürfe nicht arrogant wirken. Über die heikle 100.000-Euro-Frage bei Mercedes berichten meine Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag .

Köpfe: Daniela Cavallo ++ Wolfgang Reitzle ++ Paul Gao

Keine Krawall-Cavallo: Volkswagens Betriebsratschefin würde auf Rechte an VW-Aktien verzichten

Keine Krawall-Cavallo: Volkswagens Betriebsratschefin würde auf Rechte an VW-Aktien verzichten

Foto: Swen Pförtner / dpa
  • Daniela Cavallo (47), Betriebsratschefin bei Volkswagen, spielt bei Porsches Börsen-Poker eine entscheidende Rolle. Nur mit ihrer Zustimmung kann der geplante IPO so über die Bühne gehen, wie sich das vor allem die Familien Porsche und Piëch vorstellen. Deren Freundin ist Cavallo qua Amt eher nicht. Und doch bahnt sich eine typische Volkswagen-Lösung an, wie mein Kollege Michael Freitag erfahren hat .

  • Wolfgang Reitzle (73), Aufsichtsratschef von Continental, gehört nicht zu den 61 von der Staatsanwaltschaft im Zuge des Dieselskandals beschuldigten Mitarbeitern (meist Ehemalige) des Zulieferers und der heutigen Schwester Vitesco. Dennoch gibt er kein gutes Bild ab. Der Mann vertraute früheren Topmanagern wohl ein bisschen zu sehr, wurde so rund um Dieselgate "dumm gehalten". Die Beschuldigten sehen das natürlich anders. Meine Kollegen Sven Clausen und Michael Freitag beschreiben Reitzles Enttäuschungen .

  • Paul Gao, bislang McKinseys automobiler Top-Berater in China, wird neuer Chefstratege bei Mercedes. Konzernchef Ola Källenius positioniert ihn damit vor Eigengewächs Carolin Strauß (36), die ihre Rolle erst Anfang des Jahres übernommen hatte. Mercedes hat gleich zwei chinesische Großaktionäre; allem Anschein nach soll Gao Källenius auch beim Umgang mit denen helfen.

Unternehmen: Daimler Truck ++ Ford ++ Easyjet ++ Tesla

Batteriebefürworter: Technologievorstand Andreas Gorbach (47) will Daimer Trucks elektrifizieren

Batteriebefürworter: Technologievorstand Andreas Gorbach (47) will Daimer Trucks elektrifizieren

Foto:

PR

Noch mehr Mobilität: Lilium ++ Wingcopter ++ Bird ++ autonome ÖPNV-Shuttles

"Major Tom" muss ran: Tom Enders kommt als Lilium-Chairman aus der Deckung

"Major Tom" muss ran: Tom Enders kommt als Lilium-Chairman aus der Deckung

Foto: Antoine Doyen / Contour / Getty Images
  • Bislang hielt sich Tom Enders (63) in seiner Rolle als Chairman beim Flugtaxi-Start-up Lilium vornehm zurück. Doch damit ist nun Schluss. Gründer Daniel Wiegand (37) muss seinen Posten als CEO räumen, Enders' Ex-Airbus-Vertrauter Klaus Roewe (57) übernimmt. Erfahrung statt Pioniergeist, um den Traum vom Senkrechtstarter doch noch real werden zu lassen. Eine brutale Mission für "Major Tom" , wie meine Kollegen Christina Kyriasoglu, Michael Machatschke und Jonas Rest schreiben.

  • Auch Wingcopter arbeitet an Fluggeräten, und das Start-up aus Weiterstadt bekommt auch Geld für seine Frachtdrohnen. Gerade gab es in einer Finanzierungsrunde 42 Millionen Dollar , beispielsweise von Rewe. Erste Großbestellungen lägen vor, berichtet Wingcopter. 12.000 Drohnen sollen in den kommenden Jahren nach Afrika geliefert werden, etwa für den Transport von Medikamenten. Man wolle "Leben retten und verbessern", philosophiert CEO Tom Plümmer. Er dürfte es leichter haben als "Major Tom".

  • An anderer Stelle stehen die Zeichen nicht mehr auf Hypergrowth. Die jüngsten Entlassungswellen in der Tech-Szene machen auch vor Mobility-Start-ups nicht Halt. E-Scooter-Verleiher Bird trennt sich von fast jedem vierten seiner etwa 600 Mitarbeiter .

  • In Darmstadt und im Kreis Offenbach sollen ab 2023 15 autonome Shuttles den ÖPNV ergänzen . Das versprechen die Deutsche Bahn, der Rhein-Main-Verkehrsverbund und Clevershuttle. Die Fahrzeuge kommen von Nio und sind mit Level-4-Technologie von Mobileye ausgestattet; auch der Autovermieter Sixt kooperiert mit den Partnern. On demand buchen, in ein unbekanntes Modell ohne Fahrer steigen und im Verkehr mitschwimmen? Warum nicht, neue Ideen kann die vorhin beschriebene Reisewüste Deutschland gebrauchen.

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Deep Drive der Woche: E-Auto-Gefahren für OEMs

Die Zeit, in der nur Tesla ernsthafte Chancen eingeräumt wurden, die Autoindustrie zu disruptieren, ist lange vorbei. Die Zahl der E-Auto-Newcomer lässt sich kaum noch überblicken. Die Gefahr sei für die etablierten Hersteller aber deutlich größer als die glauben, warnt die Unternehmensberatung Roland Berger . Ihr zufolge wollen nur 12 Prozent beim Kauf eines Elektroautos sicher bei einer Traditionsmarke bleiben.

Zahl der Woche: 48,8

Laden (vergleichsweise) leicht gemacht: In den Niederlanden gibt es mit Abstand die meisten Ladesäulen in der EU

Laden (vergleichsweise) leicht gemacht: In den Niederlanden gibt es mit Abstand die meisten Ladesäulen in der EU

Foto: ACEA

Die Niederlande und Deutschland bedecken gemeinsam weniger als zehn Prozent der Fläche der EU. Dennoch ist EU-weit laut dem europäischen Branchenverband ACEA  fast jede zweite Ladesäule für Elektroautos in den beiden Ländern installiert. 90.284 Säulen stehen in den Niederlanden (29,4 %), 59.410 (19,4 %) in Deutschland. Macht zusammen 48,8 Prozent. Vor allem Osteuropa ist dagegen häufig noch Lade-Prärie.

Geisterfahrer der Woche

Östlich von Peking kommen im Juli die Spitzen der Kommunistischen Partei Chinas zusammen. Dabei unerwünscht: Tesla-Fahrer. Im Küstenbezirk Beidaihe gilt ab 1. Juli ein mindestens zweimonatiges Tesla-Verbot. Präsident Xi Jinping (69) und Co. stören sich, so sagen sie, an den verbauten Kameras. Schließlich könnten die Teslas damit zu US-Spionagewerkzeugen umfunktioniert werden.

Ich wünsche auch Ihnen eine ungestörte Woche!

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein