Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit Schmerzmittelbedarf bei McKinsey

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem 600-Millionen-Vergleich von McKinsey, zwei milliardenschweren Gebrauchtwagenhändlern und einem Billionen-Investor ohne Sakko.

Wer sich mit der Consultingfirma McKinsey über deren Beratung von Schmerzmittelherstellern wie Purdue Pharma sowie die damit verbundene Verwicklung in die große US-Opioid-Krise unterhält, hört vor allem einen Tenor: Alles lief streng nach Recht und Gesetz, McKinseys Arbeit für die Pharmafirmen sei vollständig auf den Bereich der legalen Verschreibung der Medikamente ausgerichtet gewesen. Sprich: Mit den mehreren hunderttausend Menschenleben, die die Krise über Jahre hinweg forderte, weil Pharmaindustrie und Ärzte die Vereinigten Staaten ungehemmt mit süchtig machenden Schmerzmitteln überschwemmten, will McKinsey nichts zu tun haben.

Mit diesem Donnerstag steht nun fest, selbst ein solch ehrenwerter Vorsatz schützt nicht vor fatalen Konsequenzen. Am Nachmittag bestätigte McKinsey, was bereits kolportiert worden war: Die Beratungsfirma hat mit zahlreichen US-Staatsanwälten einen Vergleich geschlossen, der sie schmerzhafte fast 600 Millionen Dollar kosten wird, und über den Sie hier alle Details erfahren können.

Die Zahlung der Riesensumme (die den Consultants vermutlich Rechtskosten in noch deutlich größerem Umfang erspart) ist jedoch nicht die einzige Folge des fatalen Purdue-Jobs von McKinsey. Um nicht noch einmal in eine ähnliche Lage zu kommen, habe die Firma ihr Risiko- und Kontrollmanagement verbessert, teilt sie mit. Und McKinsey will sich künftig an einen ehernen Grundsatz halten: Nie wieder Mandate, die irgendwas mit Schmerzmitteln zu tun haben.

Purdue-Schmerzmittel Oxycontin: McKinsey will für die Opfer der US-Opioid-Krise nicht mitverantwortlich sein

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Foto: George Frey/ REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

Auto1-Gründer und Finanzchef bei der IPO-Freude: Der Gebrauchtwagenhändler legte einen erfolgreichen Börsengang hin

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Meine Empfehlung für den Abend:

"Ich bin immer besorgt": Staatsfondslenker Nicolai Tangen kommt in seinem Job offenbar kaum zur Ruhe

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Foto: NTB Scanpix / picture alliance/NTB
  • Der norwegische Ölfonds ist mit einem Volumen von mehr als 1000 Milliarden Euro der größte Staatsfonds der Welt, und der frühere Hedgefonds-Lenker Nicolai Tangen ist seit Kurzem sein Manager. Ein Mann also, dem wohl viele gern eine Menge Fragen stellen würden. Mein Kollege Mark Böschen bekam Anfang dieser Woche die Gelegenheit dazu, per Video-Schalte nach Oslo, von wo ihm Tangen mit offenem Hemd und ohne Sakko aus einem Konferenzraum zugeschaltet war. Was also hält der Herrscher über das norwegische Billionenvermögen und damit Aktionär bei den meisten namhaften Unternehmen weltweit vom jüngsten Disput Kleinanleger versus Hedgefonds? Wie gelang es ihm, rechtzeitig aus der Wirecard-Aktie auszusteigen, bevor das Münchener Fintech im vergangenen Sommer seine Bilanzbombe platzen ließ? Und was dürfen wir von der neuen Klimastrategie erwarten, die noch in diesem Jahr für den Staatsfonds beschlossen werden soll? Tangens Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen können Sie hier im vollständigen Interview nachlesen .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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