Oliver Hollenstein

Der Mittwoch im Überblick Die Folgen eines Embargos und ein Vorstand in Teilzeit

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Gefahr einer russischen Staatspleite, der Bedeutung von russischer Energie für Deutschland und dem Leben eines Teilzeitvorstands.

Der Krieg in der Ukraine verursacht jeden Tag größeres menschliches Leid. Und er wird massive Folgen für die Weltwirtschaft haben. Wie schlimm der Einbruch werden könnte, zeigen nun erste Indikatoren. Im Februar wurden weltweit 5,6 Prozent weniger Waren gehandelt als im Januar – obwohl der Krieg erst in der letzten Februarwoche begann. Das hat das Kieler Weltwirtschaftsinstitut ermittelt. Besonders stark brach erwartungsgemäß der Handel mit Russland ein. Droht dem Land bald die Pleite? Die Ratingagentur Fitch rechnet jedenfalls fest damit, dass Russland seine Staatsschulden schon in Kürze nicht mehr zurückzahlt. Sie hat Russlands Kreditwürdigkeit von der Stufe B auf C gesenkt, also in den Ramschbereich, der hochriskante Anlagen kennzeichnet. Was eine Pleite Russlands bedeuten würde, haben wir hier für Sie erklärt. 

Auf den Finanzmärkten nur noch Ramsch: Blick auf Moskau

Auf den Finanzmärkten nur noch Ramsch: Blick auf Moskau

Foto: AP / dpa

So wichtig ist russisches Öl und Gas für die deutsche Wirtschaft

In der Diskussion um einen möglichen Verzicht westlicher Länder auf russische Energierohstoffe hat US-Präsident Joe Biden gestern Tatsachen geschaffen: Er verkündete einen Importstopp der USA für russisches Öl und Gas. Ähnliches könnte von weiteren Ländern folgen, auch in Deutschland wird das Thema heiß diskutiert. Noch sperrt sich die Bundesregierung allerdings. Mit gutem Grund: Der Einschnitt wäre massiv, etwa die Hälfte der deutschen Gasimporte stammen aus Russland, bei Öl ist es ein Drittel. Unser Kollege Christoph Rottwilm hat sich angeschaut, welche Folgen ein Lieferstopp für die deutsche Wirtschaft hätte. Die Studienlage ist dabei bisher recht eindeutig: Ein Embargo ist möglich.

Wie soll man jetzt noch arbeiten?

Tote, Verletzte, Panzer, Raketen, zerstörte Städte, verzweifelte Menschen auf der Flucht – die Bilder des Krieges in der Ukraine sind omnipräsent in den sozialen Medien, im Fernsehen, auf Nachrichtenseiten. Trotzdem soll der Alltag bei uns weitergehen. Vielen Menschen fällt das zunehmend schwer. Wie schafft man es, in dieser Situation nicht zu verzweifeln und jeden Tag zur Arbeit zu gehen? Das hat unsere Kollegin Verena Töpper die Psychologin Reinhild Fürstenberg gefragt, die derzeit unter anderem Firmen berät, deren halbe IT-Abteilung zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Fürstenbergs Botschaft: "Es ist vollkommen okay, dass uns der Krieg in der Ukraine einnimmt, und es wäre auch falsch, dieses Gefühl der Angst und Ohnmacht verdrängen zu wollen." Aber: "Es ist nicht das Einzige, was in unseren Leben stattfindet." Sie rät, Gedanken in einem Tagebuch festzuhalten, mit anderen zu reden – und den Krieg nicht in Echtzeit zu verfolgen. Das ganze Interview lesen Sie hier. 

Für Menschen, denen es gerade schwerfällt, sich auf ihren Job zu konzentrieren, hat unser Kollege Florian Gontek darüber hinaus einen Arbeitsrechtler gefragt: Kann man sich für Hilfseinsätze vom Arbeitgeber freistellen lassen? Die Antwort: Ja. An welche Bedingungen das geknüpft ist, lesen Sie hier. 

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Meine Empfehlung für den Abend:

Mit Rat und Rad: Marcus Diekmann in seinem Büro in Coesfeld

Mit Rat und Rad: Marcus Diekmann in seinem Büro in Coesfeld

Foto:

Sebastian Wolf für manager magazin

  • "Ich bin für keinen Arbeitgeber exklusiv zu haben", sagt Marcus Diekmann. Deswegen hat der 42-Jährige zwei Jobs: Zwei bis drei Tage die Woche führt er als Co-Chef die Eigenmarkentochter des Modefilialisten Peek & Cloppenburg, einen Tag arbeitet er im Beirat des Fahrradhändlers Rose Bikes. Warum Diekmann Teilzeitvorstand ist? "Einfach, weil ich für eine klassische Fünftagewoche ungeeignet bin", sagt er. Taugt das Modell auch für andere Manager? Das hat unsere Kollegin Margret Hucko Diekmann im Interview gefragt. 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Ihr Oliver Hollenstein