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Christoph Rottwilm

Der Montag im Überblick Ronald Ronaldowitsch McDonaldow

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Übernahmelust in der russischen Geschäftswelt, einem Minus in der Außenhandelsbilanz und einem Strumpfhosenhersteller in der Krise.

Mit drastischen Sanktionen versucht der Westen, Russlands Wirtschaft zu treffen und Wladimir Putins Rückhalt im eigenen Land für den Angriffskrieg in der Ukraine zu unterminieren. Einerseits. Andererseits entsteht unter russischen Unternehmern und Geschäftsleuten seit Beginn des Krieges gerade eine regelrechte Aufbruchstimmung. Die Situation erinnert an die Zeit Anfang der 1990er-Jahre, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion viele Unternehmen aus Staatsbesitz in Privateigentum überführt wurden. Seinerzeit legten zahlreiche russische Oligarchen die Basis für ihren heutigen Wohlstand.

Aktuell sind es allerdings keine Staatsunternehmen, die zu lukrativen Geschäften einladen. Vielmehr gilt es, die Aktivitäten westlicher Konzerne, die sich aus Russland zurückgezogen haben, zu übernehmen und weiterzuführen. Dabei handelt es sich vielfach um erfolgreiches Business mit soliden Umsätzen und sprudelnden Gewinnen. Russische Unternehmer müssen oft nur zugreifen, wobei ihnen Staatschef Putin kürzlich persönlich seinen Segen dafür gab.

Unsere Kollegen Anna Driftschröer und Helmut Reich haben sich das Geschehen angesehen und einige prominente Beispiele gefunden für Russland-Ableger bekannter westlicher Konzerne, die bereits in neuen Besitz und Betrieb übergegangen sind, vom Autobauer Renault über die Baumarktkette Obi bis zum Ölkonzern Shell.

Das derzeit wohl prominenteste Beispiel für das lukrative Lückenfüllen ist die Übernahme von 850 McDonald’s-Filialen in Russland. Der Russland-Ableger machte zuletzt immerhin einen Anteil von 10 Prozent am Gesamtumsatz von McDonald's aus. Da lohnt es sich genauer hinzusehen: Wer ist der Mann, der Ronald McDonald gewissermaßen in Ronald Ronaldowitsch McDonaldow verwandeln will. Kollege Lutz Reiche porträtiert Russlands neuen Fast-Food-König, einen früheren Bergmann, der schon in den 90er-Jahren in der Kohleindustrie ein Vermögen machte, und der jetzt wohl erneut abkassieren wird.

Früher Kohle, jetzt Kohldampf: Alexander Govor übernahm mehr als 800 McDonald's-Filialen in Russland

Früher Kohle, jetzt Kohldampf: Alexander Govor übernahm mehr als 800 McDonald's-Filialen in Russland

Foto: Alexey Filippov / IMAGO/SNA

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • In einem Land, das sich selbst jahrelang als Exportweltmeister gefeiert hat, ist dies schon eine bemerkenswerte Nachricht: Im Mai dieses Jahres hat Deutschland erstmals seit 2008 in einem Monat mehr importiert als exportiert. Die deutsche Außenhandelsbilanz war also – erstmals seit Jahren – negativ, wenn auch lediglich mit einem Minus von einer Milliarde Euro. Der Grund: Während die Importe nach Deutschland zulegten, sind die Exporte überraschend gesunken.

  • Deutschlands Autobauer leiden weiter unter dem Mangel an Halbleiterchips und anderen Lieferproblemen. Das lässt sich an der Absatzbilanz für das zweite Quartal in den USA ablesen. Bei Volkswagen, BMW und Audi gingen die Verkäufe allesamt zurück. Lediglich Porsche konnte zulegen.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Michael Sen versucht schon länger, einmal ganz an die Spitze eines Großkonzerns zu rücken. Bei Eon und Siemens stand er kurz davor, nun nimmt er bei Fresenius den dritten Anlauf. Für den Sprung zur Nummer eins muss Sen zunächst als Chef der Medizintechnik- und Pharmasparte Kabi überzeugen – und im komplizierten Machtgefüge des Konzerns bestehen, wie Kollege Dietmar Palan berichtet .

  • Die Energiekrise ist inzwischen wohl bei so ziemlich jedem angekommen: Gas- und Strompreise steigen, in Hamburg wird sogar schon über die Begrenzung von Warmwasser nachgedacht. Wie wird sich das künftig weiter entwickeln, was kommt da noch auf uns zu? Unser Übersichtsstück auf manager-magazin.de gibt Antworten.

  • Ähnliches Thema, nur etwas weiter gefasst: Die steigenden Energiepreise tragen maßgeblich dazu bei, dass die Inflationsraten insgesamt enorm in die Höhe geschossen sind. Vulgo: Beinahe alles wird rasant teurer. Bundeskanzler Olaf Scholz nimmt sich des Themas jetzt – sehr publikumswirksam – persönlich an. In einer Gipfelrunde mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Wissenschaftlern will er diskutieren, wie die Entwicklung gebremst und Bürgerinnen und Bürger entlastet werden können. Auch dazu gibt es einen Überblick auf manager-magazin.de.

Meine Empfehlung für den Abend:

Wolford-Werbung: Der Jahresabschluss liest sich anders, als die optimistischen Worte des Chefs klingen

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Foto:

Xavi Lopez / ZUMA Wire / IMAGO

  • Wirtschaftsjournalismus macht immer dann besonders viel Spaß, wenn es gelingt, Behauptungen, Ankündigungen oder Versprechungen von Unternehmenslenkerinnen oder -lenkern als falsch oder irreführend zu entlarven. Der Strumpfhosenhersteller Wolford ist daher ein dankbares Objekt der Betrachtung: Die chinesischen Eigner wollen das Unternehmen in einem Konglomerat zusammengekaufter Modemarken an die Börse bringen, und Wolford-Chef Andrew Thorndike predigt unablässig vom erfolgreichen Turnaround der kriselnden Firma. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: Zweimal musste Wolford zuletzt seinen Jahresabschluss verschieben. Inzwischen liegt das Zahlenwerk vor. Und siehe da: Ein positiver Ausblick findet sich darin nicht mehr. Stattdessen, so zitiert Kollegin Hannah Steinharter in ihrem Tatsachenbericht , muss der Vorstand sogar darauf hinweisen, "dass die Fortführung der Gruppe gefährdet sein könnte".

  • Update: Die Werbefirma Ströer SE ist damit gescheitert, zentrale Passagen aus einem Artikel des manager magazin über Ströers "fiese Tricks" verbieten zu lassen. Die Ströer SE & Co KGaA hat vor dem Landgericht Köln im Hauptsacheverfahren in allen 14 strittigen Punkten gegen das manager magazin verloren. (Hintergrund ). Der Artikel über Ströers "fiese Tricks" ist weiter online verfügbar. Hintergründe zum Geschäft der Medienanwälte und dem Vorgehen von Ströer gegen das manager magazin lesen Sie hier.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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