Lukas Heiny

manage:mobility Erben, Erneuerer und Kriegssorgen

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Die Thesen des Innovations-Schockers.

  • Die Erben des Knorr-Bremse-Patriarchen.

  • Die Russland-Risiken der Autobauer.

  • Die Ampel-Offensive für Roboautos.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Der Management-Schocker

"Disruption kann so nicht gelingen": Berater Engelbert Wimmer

"Disruption kann so nicht gelingen": Berater Engelbert Wimmer

Foto: Chloe Desnoyers

Als meine beiden Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag neulich für eine Recherche mit Führungskräften aus dem Volkswagen-Konzern sprachen, berichteten die von einer denkwürdigen Runde. Bei einer internen Videokonferenz war ein Managementberater zugeschaltet, der die VW-Leute mit seinen radikalen Ansichten zur Transformation des Autobauers nachhaltig erschütterte. Seitdem stand für uns fest: Mit dem Mann sollten wir sprechen. Et voilà: Das Interview mit Engelbert Wimmer lesen Sie hier. 

Leseempfehlung: Das Erbe des Patriarchen

Letzter Gruß: Patriarch Heinz Hermann Thiele hinterließ sein Erbe seiner Witwe Nadia (r.) und seiner Tochter Julia. Theodor Weimer (r.) wird wohl die Stiftung führen, die es - wenn sie denn steht - einmal verwalten wird. Immerhin gibt es mit Reinhard Ploss einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden für den Konzern.

Letzter Gruß: Patriarch Heinz Hermann Thiele hinterließ sein Erbe seiner Witwe Nadia (r.) und seiner Tochter Julia. Theodor Weimer (r.) wird wohl die Stiftung führen, die es - wenn sie denn steht - einmal verwalten wird. Immerhin gibt es mit Reinhard Ploss einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden für den Konzern.

Der Knorr-Bremse-Patriarch Heinz Hermann Thiele hat ein großes Lebenswerk und eines der größten Vermögen hinterlassen, die je in Deutschland vererbt wurden. Ein Testament wurde zwar kurz nach seinem Tod vor einem Jahr eröffnet, der Nachlass soll in eine Familienstiftung eingebracht werden. Aber seither warten alle. Meine Kollegen Angela Maier und Michael Freitag haben recherchiert, wie es weitergehen soll. Sie beschreiben einen Industriekonzern, dem Mitte und Tempo fehlen – weil eine Handvoll Menschen ganz eigene Interessen verfolgt. 

Köpfe: Dame Polly Courtice ++ Carlos Tavares ++ Michael Lohscheller ++ Anne Hidalgo

  • Dame Polly Courtice (69) und Marco Gobbetti (63) sollen in den Aufsichtsrat von Mercedes-Benz einrücken. Sie ist eine der angesehensten Nachhaltigkeitsexpertinnen der Welt. Er ein erfahrener Luxusmanager mit CEO-Positionen bei Moschino, Givenchy, Céline, Burberry und neuerdings Farragamo. Zwei wirklich bemerkenswerte Personalien.

  • Carlos Tavares (63), bekannt als toughester Kostenkiller der Autowelt, hat im ersten Jahr nach der Fusion von PSA und Fiat-Chrysler zu Stellantis gleich mal sämtliche Erwartungen übertroffen. 13,4 Milliarden Euro Reingewinn waren rund dreimal so viel wie vor der Fusion – für Tavares der proof of concept.

  • Michael Lohscheller (53), als Ex-Opel-Chef auch Ex-Tavares-Untergebener, macht einen weiteren gewagten Karriereschritt. Nach einem Kurzgastspiel als CEO des vietnamesischen Autobauers VinFast heuert er als President bei der skandalgeplagten Elektro-Truck-Firma Nikola in den USA an.

  • Anne Hidalgo (62), Bürgermeisterin von Paris und aktuelle Königin neuer Mobilitätsideen, will das Zentrum der Metropole autofrei  machen. Ein bisschen jedenfalls und erst ab 2024 – aber doch très innovant.

Unternehmen: Porsche ++ Avtovas ++ Lotus ++ Volta

Zurück zur Familie: Clanführer Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche

Zurück zur Familie: Clanführer Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche

Foto: Niels Starnick / BILD am Sonntag
  • Der Volkswagen-Konzern prüft den Teilverkauf seines Kronjuwels. Die Porsche AG soll, wenn alles glattgeht, an die Börse. Der Mega-IPO würde dem Konzern Milliarden in die Kassen spülen – und durch eine geschickte Konstruktion den Eignerfamilien Porsche und Piëch die Macht über ihre Lieblingsmarke zurückgeben. Mein Kollege Michael Freitag beschreibt die spektakulären Details des Manövers  (und auch die anfängliche Irritation der überrumpelten Anteilseigner aus Katar).

  • Das Autogeschäft in Russland lief zuletzt schon so schlecht, dass Porsches Russland-Chef Thomas Stärtzel "keine Anzeichen auf schnelle Besserung" sah. Nun droht Krieg und mit ihm Sanktionen, die auch die Werke der Autokonzerne treffen könnten. Marktführer Renault bereitet sich mit seinem Joint Venture Avtovas bereits auf den Ernstfall vor. 

  • Automarkensammler Li Shufu (58) – so eine Art chinesischer Mini-Piëchscheint so ziemlich alles aus seinem Geely-Reich an die Börse bringen zu wollen, wofür Investoren Geld bezahlen (siehe Volvo oder Polestar). Insofern konsequent, dass er auch das Kapitalmarktdebüt der verblichenen Sportwagenmarke Lotus durchspielen lässt. Li Shufu will sie wieder aufbauen, Lotus feierte sich gerade für 1710 im vergangenen Jahr verkaufte Autos. Vielleicht hilft das Investorengeld.

  • Das schwedische Start-up Volta, das Chassis für elektrische Lieferfahrzeuge baut (optimiert etwa mit einem mittig positionierten Fahrersitz) erhält frisches Kapital: 230 Millionen Euro.  Das ist gut, reicht aber vermutlich nur bedingt, wenn Ende des Jahres die Serienproduktion des ersten 16-Tonnen-Modells beginnt.

Deep Drive: Studie der Woche

Viele Elektroautos brauchen viele Batteriezellen. Die Ingenieursverbände VDI und VDE haben in ihrem Marktüberblick die Lage im vierten Quartal 2022 analysiert. Ergebnis: Die in Europa geplante Zellproduktion wird die Nachfrage decken, aber es ist mit einem erheblichen Rohstoffmangel zu rechnen. Und einen grafisch aufbereiteten Überblick über die europäischen Projekte gibt es auch. 

Neue Mobilität: Autonomes Fahren ++ Data Act ++ Lyft ++ E-Scooter

  • Verkehrsminister Volker Wissing (51) will Roboterautos auf die Straßen bringen. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch eine Verordnung für die Zulassung von Autos mit autonomer Fahrfunktion der Stufe L4. O-Ton Wissing: "Dass autonome Fahrzeuge bei uns künftig im normalen Straßenverkehr teilnehmen können, ist weltweit einmalig und war ein enormer Kraftakt." Gute Fahrt!

  • Nicht ganz so glücklich ist man in der Mobilitätsindustrie über den Entwurf der EU-Kommissare Margrethe Vestager (53) und Thierry Breton (67) zum neuen Data Act . Die Idee, dass die Daten aus den Autos künftig vor allem den Käufern gehören sollen, findet man – nun ja – nicht ganz optimal. Die Industrie fürchtet um ihre neuen Geschäftsmodelle.

  • In San Francisco kann man sich Leihräder der Firma Lyft ausleihen, gegen Gebühren natürlich. Nach zuletzt satten Preiserhöhungen denkt man bei der Stadt nun darüber nach, den Exklusivvertrag zu kündigen und es selbst anzubieten. Geschätzte Kosten: bis zu 18 Millionen Dollar jährlich. 

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Geisterfahrer der Woche

Steuermann: NBA-Star LeBron James warb schon vor zwei Jahren für den Hummer

Steuermann: NBA-Star LeBron James warb schon vor zwei Jahren für den Hummer

Foto: Mark J. Terrill / AP

US-Superstar LeBron James (37) macht Werbung für den neuen Elektro-Hummer. Im Zentrum des Spots steht – neben der Hammermusik von Missy Elliott – vor allem ein Feature: Der Krabbengang des Hummers.  Das SUV wird seit Dezember 2021 ausgeliefert – aber falls Sie sich noch eins fischen wollen, sind sie zu spät: ausverkauft. Crap!

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny