Lukas Heiny

manage:mobility Eher Tempomat als Robo-Taxi

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Warum Tesla beim autonomen Fahren an den Rivalen nicht vorbeikommt

  • Wie Deutschlands ungewöhnlichstes Start-up im Krieg agiert

  • Warum China Wechselbatterien für Elektroautos propagiert

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Teslas Autopilot-Desaster

Horrorcrash: Unfall eines Teslas mit zuvor aktiviertem Autopilot in Kalifornien im Jahr 2018

Horrorcrash: Unfall eines Teslas mit zuvor aktiviertem Autopilot in Kalifornien im Jahr 2018

Foto: AP

Seit Jahren verspricht Elon Musk (50) Kunden und Investoren selbstfahrende Teslas. Schon 2016 gelobte er, nur noch Autos für die höchste Stufe des autonomen Fahrens bauen zu wollen, Level 5. Seine Vision ist wesentlicher Teil der Börsenstory und eine Begründung für die Billionenbewertung des Unternehmens. Doch bis heute konnte Musk sein Versprechen nicht einlösen. Obwohl er die Full-Self-Driving-Features für viel Geld verkauft und die Technik von zigtausenden Tesla-Kunden im echten Straßenverkehr einsetzen lässt, wird sie auf absehbare Zeit nicht über Level 2 hinauskommen. Sie ist damit eher Tempomat als Robo-Taxi. Die US-Behörden ermitteln inzwischen wegen verheerender Unfälle, die Politik macht Druck und vor einem deutschen Gericht musste die Firma gerade eingestehen, dass die Technik im Model 3 des Klägers nicht funktionierte. Mein Kollege Jonas Rest beschreibt Teslas Autopilot-Desaster .

Köpfe: Berthold Huber ++ Achim Anscheidt ++ Le Thi Thu Thuy

  • Berthold Huber (59), intern als Topfavorit für die Nachfolge von Deutsche Bahn-Vorstand Ronald Pofalla (62) vorgesehen, gilt außerhalb des Bahntowers als unqualifiziert. Wir bleiben dran, die nächste Folge der DB-Soap bestimmt.

  • Achim Anscheidt und Emilio Scervo, Chef-Designer und Technikvorstand der neuen Supersportwagenmarke Bugatti Rimac, werden künftig vom neuen Standort Berlin  aus den Elektro-Aufbau vorantreiben.

  • Le Thi Thu Thuy (47), Chefin des vietnamesischen Newcomers Vinfast und damit auch Nachfolgerin des zu Nikola geflüchteten Michael Lohscheller (58), will auch in den USA eine E-Auto-Fabrik bauen. Für insgesamt vier Milliarden Dollar.

Unternehmen: Nio, CATL ++ MAN ++ Automarkt ++ Bird ++ Uniti ++ LG Energy Solution

Kind of Change: Der junge, chinesische Elektroautobauer Nio betreibt fast 900 Batteriewechselstationen, unter anderem in einem Parkhaus in Shanghai

Kind of Change: Der junge, chinesische Elektroautobauer Nio betreibt fast 900 Batteriewechselstationen, unter anderem in einem Parkhaus in Shanghai

Foto: Qilai Shen/Bloomberg via Getty Images
  • Nachdem er vor vielen Jahren nicht SAP-Chef geworden war, sorgte Shai Agassi (53) mit einer Idee für Furore: Wechselbatterien für Elektroautos. Sein Mega-Start-up Better Place ist längst pleite, die Idee schien für immer begraben. Doch jetzt erlebt sie ein Comeback. Politisch gestützt von Chinas Regierung, treiben Unternehmen wie der Autobauer Nio oder der Batteriezellgigant CATL den Aufbau von Swap-Stationen voran. Nicht nur in China.

  • Ein Konsortium um die Traton-Tochter MAN will bis Mitte des Jahrzehnts autonom fahrende Lkw auf Deutschlands Autobahnen bringen. Mit dabei ist eine illustre Runde aus Zulieferern und Wissenschaft: Knorr-Bremse, Leoni, Bosch, Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Universitäten München und Braunschweig.

  • Einfache Frage: Wer ist der größte Autobauer der Welt? Nun: Toyota (nach Stückzahl und operativem Gewinn), Volkswagen (nach Umsatz), Tesla (nach Marge und Börsenwert). Meine Kollegin Alexandra Knape hat mit Fabian Brandt (46), dem Leiter des globalen Automobilgeschäfts der Beratungsfirma Oliver Wyman über den Markt und die Verschiebungen 2022 gesprochen.

  • Der Preisschock an den Tankstellen führt offenbar gerade bei Pendlern zu einem Umsteigen. Die Hersteller von E-Scootern jedenfalls erleben einen Boom. So meldet die US-Firma Fluidfreeride im März einen Umsatzsprung um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, Wettbewerber Bird verzeichnet ein 60-Prozent-Plus .

  • Das schwedische Elektroauto-Start-up Uniti, das vor Jahren mit dem geplanten Vertrieb über Mediamarkt-Filialen für Schlagzeilen sorgte, ist pleite. 

  • Und kleiner Service für die Hardcore-Fans unter Ihnen, die schon immer mal einen Blick in die ansonsten gut abgeschirmte größte Batteriezellfabrik Europas werfen wollten. Betreiber LG Energy Solution hat ein Werbevideo über das Werk  im polnischen Wroclaw publiziert, das sehr nach Werbevideo aussieht, aber auch eine Liste der Kunden beinhaltet: Audi, BMW, Daimler, Jaguar, Porsche, Renault, Stellantis, Volkswagen und Volvo.

Zahl der Woche: 142

Nach einer aktuellen Studie  des Allianz Zentrum für Technik sind in Deutschland 2020 so viele Menschen mit einem E-Bike tödlich verunglückt, mehrheitlich Senioren; 909 verletzten sich schwer. Zum Vergleich das Fahrrad (284 Tote; 13.187 Schwerverletzte) und das "neue Unfallrisiko" E-Scooter (5 Tote; 386 Schwerverletzte). Eine der Hauptursachen: "Geschwindigkeitsfehler".

Unsere Leseempfehlung:

Persönliche Russland-Connection: Co-Gründer Alexej Erdle (r.) und Vitalij Kungel vermittelten in Zeiten des Krieges

Persönliche Russland-Connection: Co-Gründer Alexej Erdle (r.) und Vitalij Kungel vermittelten in Zeiten des Krieges

Foto: Patrick Desbrosses für manager magazin

Der Onlinehändler Autodoc ist wohl Deutschlands ungewöhnlichstes Start-up. Zwar dürfte die angebliche 10-Milliarden-Euro-Bewertung aus dem vergangenen Jahr inzwischen deutlich geschrumpft sein – aber die Firma gehört immer noch komplett den drei Gründern Alexej Erdle (41), Max Wegner (35) und Vitalij Kungel (36), die einst mit ihren Familien aus Sibirien nach Berlin gekommen waren. Ein großer Teil ihrer Belegschaft arbeitet in der Ukraine – und so bereitete sich das Unternehmen so intensiv auf einen möglichen Krieg vor, wie wohl kaum ein anderes in Deutschland. Mein Kollege Christoph Neßhöver hat sich die Arbeit des Krisenstabs angeschaut und beschreibt eine Situation, in der es plötzlich um Leben und Tod geht.  Zum Glück sind bis heute alle mehr als tausend Autodoc-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine am Leben.

Deep Drive: Studie der Woche

Elektrische Transporter und Vans sind schon heute in der EU in Anschaffung und Betrieb günstiger als die Diesel-Variante. Das ergab eine neue Studie  der Organisation Transport & Environment. Der Kostenvorteil (Total Cost of Ownership, TCO) beträgt pro Kilometer durchschnittlich 28 Prozent. Einziges Problem: Es fehlen ausreichend Fahrzeuge, damit alle etwas davon haben könnten.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Geisterflieger der Woche

Luftnummer: Ein unbemannter Prototyp von Ehang aus China

Luftnummer: Ein unbemannter Prototyp von Ehang aus China

Foto: JOE KLAMAR/ AFP

Das umstrittene chinesische Flugtaxi-Unternehmen Ehang hält weiter an seinen Plänen fest, noch in diesem Jahr erste kommerzielle Flüge anzubieten – und damit mindestens zwei Jahre früher als die durchaus offensive Konkurrenz aus dem Westen. Da er erwarte, dass die Behörden in Europa und den USA dieser Idee eher "konservativ" gegenüberstehen würden, konzentriere man sich auf China, sagte Chefstratege Edward Xu bei Vorstellung der Jahreszahlen . Ende 2021 beliefen sich die Cashreserven bei umgerechnet knapp 50 Millionen Dollar Nettoverlust gerade noch auf 49 Millionen Dollar. Da ist es doch gut, wenn einem in der zweiten Jahreshälfte die Fluggäste ordentlich Geld zufliegen lassen. Wir sind gespannt und empfehlen einen Fallschirm.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny