Lukas Heiny

manage:mobility Mini, Money und das Billionenspiel

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Das Software-Desaster der deutschen Autokonzerne.

  • Wie Continental eine gigantische Wertsteigerung erleben soll.

  • Der China-Plan für den Mini.

  • Und die italienische Affäre des Lufthansa-Chefs.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Das Billionenspiel mit der Autosoftware

Pixel des Grauens: Die CEOs Oliver Zipse, Herbert Diess und Ola Källenius suchen Hilfe

Pixel des Grauens: Die CEOs Oliver Zipse, Herbert Diess und Ola Källenius suchen Hilfe

Foto:

Fotos: Julian Baumann für manager magazin, Daniel Delang für manager magazin, Simon Dawson / Bloomberg

Eigentlich wissen die Chefs der deutschen Autohersteller, wo sie hinwollen – spätestens seit Tesla-Chef Elon Musk (50) sie vor sich hertreibt: BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz wollen zu Softwarefirmen mutieren. Gelingt es, den Autos ein zentrales Betriebssystem einzupflanzen, sie mit Updates fast ewig frisch zu halten und irgendwann sogar autonom zu steuern, winken Traumrenditen. Gelingt es nicht – droht der Absturz. Das Problem: In der Umsetzung hapert es, der Umstieg sei schwerer als der auf den Elektroantrieb, warnt Volkswagen-Chef Herbert Diess (63). Keiner traut keinem, groß angekündigte Allianzen sind genauso gescheitert wie geheim verhandelte, alle tüfteln allein und zu langsam. Meine Kollegen Michael Freitag und Margret Hucko haben mit vielen Insidern gesprochen. Ihr Schadensbericht: Der Quälcode der deutschen Autobauer. 

Zusatz-Scoop: Wer es nicht allein schafft, braucht Hilfe. So kommt es, dass Volkswagen einen Milliardendeal mit dem chinesischen Konzern Huawei verhandelt. Auch hier geht es, logisch, um Software, autonomes Fahren und viel Expertise, die man selbst nicht hat. Huawei, hilf! 

Köpfe: Wolfgang Reitzle ++ Steffi Lemke ++ Hiltrud Werner

Vier gewinnt: Altmeister Wolfgang Reitzle jongliert mit vielen Ideen

Vier gewinnt: Altmeister Wolfgang Reitzle jongliert mit vielen Ideen

Foto: Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo
  • Wolfgang Reitzle (72) sucht in seiner Rolle als Aufsichtsratschef von Continental einen Ausweg aus dem Börsenelend – und zwar durchaus radikal. Der Plan für die Aufspaltung des Konzerns steht.  Nicht nur die Sparte fürs autonome Fahren könnte (teil-)abgestoßen werden – auch die Sparten Automotive und ContiTech könnten verkauft oder an die Börse gebracht werden. Es bliebe: das hochprofitable Reifengeschäft, das nach den Kalkulationen allein so viel wert sein könnte wie der gesamte Konzern heute. Aufaddiert wäre Conti, so die Kalkulation, plötzlich 50 Milliarden wert.

  • Steffi Lemke (54), grüne Bundesumweltministerin, ist enttäuscht über die Einigung der Bundesregierung auf die CO2-Grenzwerte für die Autoindustrie, weil vielleicht mehr drin gewesen wäre.  Nach einem Machtwort des Kanzlers strebt Deutschland keine schärferen Regeln an als von der EU-Kommission vorgegeben. Minus 55 Prozent gegenüber 2021 bis 2030 also. Den Autobossen war schon das deutlich zu viel.

  • Hiltrud Werner (55), bis Anfang des Jahres Vorständin bei Volkswagen, wird Mitglied im Präsidium des SPD-Wirtschaftsforums. Genauso wie die Ex-Bahn-Vorständin Sabina Jeschke (53). Ein kurzer Draht ins Kanzleramt kann ja nie schaden.

Unternehmen: BMW ++ Mercedes-Benz ++ Tesla

Mini-Abenteuer: Die ehemalige Werberin Stefanie Wurst heuerte schon 2014 bei BMW an

Mini-Abenteuer: Die ehemalige Werberin Stefanie Wurst heuerte schon 2014 bei BMW an

Foto: Oliver Farys
  • Die Margen der BMW-Tochter Mini drücken auf die Gesamtperformance, an den mauen Verkaufszahlen wird wohl auch die neue Chefin Stefanie Wurst (53) so schnell nichts ändern können. Konzernchef Oliver Zipse (58) treibt ohnehin eine radikalere Lösung voran: einen Teilausstieg aus dem Mini – und eine tiefgreifende Allianz mit dem chinesischen Konzern Great Wall. Der China-Plan für Mini. 

  • Bei Mercedes-Benz werden die Halbleiter so knapp, dass man jetzt in Deutschland keine weiteren Bestellungen mehr für den Massen-Benz annimmt. Oder anders: Die E-Klasse ist ausverkauft. Und bei Volkswagen ist das Stammwerk in Wolfsburg so hart vom Chipmangel betroffen, dass Herbert Diess und Betriebsratschefin Daniela Cavallo (47) auf einer Betriebsversammlung schon das nächste Streitthema hatten.

  • Tesla hat sich in einem weiteren Rohstoffdeal mit einem Minenbetreiber direkten Zugriff auf hunderttausende Tonnen Lithium gesichert. 

Exklusiver Hintergrund: Deutsche Bahn

Zentrale Figur: Minister Volker Wissing zwischen Bahn-Chef Richard Lutz und Siemens-Boss Roland Busch

Zentrale Figur: Minister Volker Wissing zwischen Bahn-Chef Richard Lutz und Siemens-Boss Roland Busch

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Der marode Staatskonzern hat bislang noch jeden Verkehrsminister kleingekriegt. Bei Volker Wissing (51) könnte es anders laufen, schreibt mein Kollege Michael Machatschke. Der FDP-Minister arbeitet an einer Radikalreform  – mit prominenten Opfern und ohne plumpe Brechstange. Die Töchter für das Bahnnetz sollen zu einer "neuen gemeinwohlorientierten" Einheit verschmolzen werden – und keine Gewinne mehr an die Bahn abführen. Der Cash-Cow beraubt, würde deutlich, wie prekär es um den Konzern und dessen Scheinriesen bestellt ist. Die da wären: Vorstandschef Richard Lutz (57) und vor allem Infrastrukturkollege Ronald Pofalla (62).

Zahl der Woche: 1326

So viel Kilogramm wiegt laut offiziellen Behördendokumenten  beim geplanten Elektro-Hummer des US-Autobauers General Motors allein die Batterie! Locker mehr als bei anderen Herstellern ein ganzes Auto. Die immerhin soll den 4-Tonnen-Koloss in rund drei Sekunden von null auf hundert beschleunigen. Irgendwie martialisch.

Noch mehr Mobilität: Lufthansa ++ GoMechanic ++ Cogo

Höhere Ziele: Lufthansa-CEO Carsten Spohr will auf Dauer kein Juniorpartner sein

Höhere Ziele: Lufthansa-CEO Carsten Spohr will auf Dauer kein Juniorpartner sein

Foto: BRIAN SNYDER / REUTERS
  • Eine italienische Affäre beschäftigt Lufthansa-Chef Carsten Spohr (55). Gemeinsam mit dem Reeder Gianluigi Aponte (81) buhlt er bekanntlich um die Übernahme der neuen Staats-Airline Ita. Doch, wie so oft bei Affären, einer will mehr. In diesem Fall Spohr. Mein Kollege Michael Machatschke beschreibt seinen Geheimplan .

  • Der höchst aggressive Wagniskapitalinvestor Tiger Global will offenbar sehr viel Geld in ein indisches Start-up namens GoMechanic pumpen, das eine App-gestützte Werkstattkette in Indien betreibt – und mit dem Tiger-Geld zum Einhorn würde .

  • Und noch mehr interessante Start-ups, von denen wir noch nie gehört haben: Cogo aus Kopenhagen übernimmt eScoot, um – Achtung! – der führende Shared-Mobility-Aggregator in Europa  zu werden.

Deep Drive: Studie der Woche

Ein Feldversuch globalen Ausmaßes findet derzeit in Lemgo statt. Forscher des Fraunhofer Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB haben an einer Kreuzung eine Ampel mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet, inklusive Radar und Lidar-Sensoren. Ihr Ziel: Mit intelligenten Rot-Grün-Phasen den Verkehrsfluss für Autos, Radfahrer und Fußgänger beschleunigen. Und siehe da: 10 bis 15 Prozent mehr Effizienz melden die Forscher . Bedenkt man, dass die EU mit einem wirtschaftlichen Schaden von jährlich 100 Milliarden Euro durch Staus kalkuliert, steht in Lemgo jetzt eine Milliardenampel.

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Geisterfahrer der Woche

Remake: Im Kino kam die TV-Legende Herbie schon 2005 zurück, aber als Verbrenner

Remake: Im Kino kam die TV-Legende Herbie schon 2005 zurück, aber als Verbrenner

Foto: HO/ REUTERS

Im zweiten Anlauf hat sich VW-Chef Herbert Diess am Mittwochabend den Fragen der Reddit-Community gestellt. Das ist zweifellos anders, als wenn Investoren und Analysten einen löchern. Das Ziel allerdings dürfte ähnlich sein: Aktieneuphorie erzeugen. Einer bat darum, eine Elektro-Version des Käfers rauszubringen. "If anyone should do it, it’s a guy named Herbie!" Und der antwortete so: Neben dem Bulli, für den er sich besonders eingesetzt habe, seien – "yes" – noch viele andere Autos auf der elektrischen MEB-Plattform denkbar. Go, Herbie, go!

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny