Lukas Heiny

manage:mobility Lahmende Autofabriken bei Tesla, Rivian und VW

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Wie Verzögerungen in der neuen Tesla-Fabrik Elon Musk in Bedrängnis bringen.

  • Wie die Autobauer das zweite Corona-Jahr beendet haben.

  • Was Bolt mit weiteren 600 Millionen Euro von Investoren will.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

"Massenproduktion ist schwieriger": Tesla-Chef Elon Musk bei seinem Auftritt in Grünheide Mitte Oktober.

"Massenproduktion ist schwieriger": Tesla-Chef Elon Musk bei seinem Auftritt in Grünheide Mitte Oktober.

Foto:

Patrick Pleul / picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Top-Thema: Teslas Grünheide-Risiko

In den Wäldern Brandenburgs errichtet Tesla die weltweit vierte Gigafactory. Alle 45 Sekunden will der US-Autobauer dort künftig ein neues Model Y produzieren. Es ist ein typisches Elon-Musk-Projekt: umgesetzt mit höchstem Tempo – und höchstem Risiko. Die endgültige Genehmigung steht noch aus, und auch im Innern läuft längst nicht alles wie geplant. Erhebliche Mängel erfordern weitere Tests an den komplett neuartigen Anlagen. Wenn es nicht zügig losgeht, fehlen Musk schnell 50.000 Autos für seine ambitionierten Jahresziele. Das Grünheide-Risiko. 

Köpfe: Pieter Nota ++ Valerie Capers Workman ++ Martin Sander ++ Benedetto Vigna

  • Pieter Nota kann, leise natürlich, jubeln. Der Vertriebsvorstand von BMW blickt unterm Strich auf ein super Jahr zurück. Die Kernmarke BMW und auch Rolls Royce verkauften mehr Autos als je zuvor – nur im Schlussquartal wurde es mangels Halbleitern auch für die Bayern zunehmend problematisch.

  • Valerie Capers Workman war eine der hochrangigsten Managerinnen bei Tesla und prominent vernehmbare Stimme in der Rassismusdebatte. War. Denn die Personalchefin, die direkt an Elon Musk berichtet hatte, hat das Unternehmen verlassen.

  • Martin Sander, lange bei Audi und VW, wird ab Sommer neuer Chef von Ford in Deutschland. Er habe sich nicht allzu gut mit Vertriebschefin Hildegard Wortmann verstanden, erzählen sie in Ingolstadt.

  • Benedetto Vigna, neuer Ferrari-Boss, holt Vertraute von seinem früheren Arbeitgeber. Mit Forschungschef Ernesto Lasalandra und Einkaufschef Angelo Pesci kommen gleich zwei weitere Branchenfremde  vom Chiphersteller STMicroelectronics. Die IT wird eben zunehmend zum Erfolgskriterium im Auto, auch bei Ferrari.

Zahl der Woche: 920

Einer von 1015: Beim furiosen Börsengang von Rivian im November sorgte ein R1T für Aufsehen

Einer von 1015: Beim furiosen Börsengang von Rivian im November sorgte ein R1T für Aufsehen

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

So viele Autos lieferte Rivian 2021 aus – wobei immerhin 1015 produziert wurden (eine vierstellige Zahl sieht PR-mäßig etwas weniger mickrig aus). Und gerade hat sich auch noch Produktionschef Rod Copes davongemacht, unbemerkt von den Investoren. Zum Vergleich: BMW lieferte exakt 2.520.605 Fahrzeuge mehr aus – ist aber an der Börse ungefähr genauso viel wert wie Rivian.

Unternehmen: LG Energy ++ Porsche ++ Volkswagen ++ Bolt ++ Evergrande

Rekordbörsengang: Der Batteriezellhersteller LG Energy will noch im Januar in Seoul an die Börse

Rekordbörsengang: Der Batteriezellhersteller LG Energy will noch im Januar in Seoul an die Börse

Foto: JUNG YEON-JE / AFP
  • Der koreanische Batteriezellhersteller LG Energy, der unter anderem Volkswagen und Tesla mit Batteriezellen beliefert, will noch in diesem Monat an die Börse. Läuft alles nach Plan, wird der Konzern dann mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet. Und den Anspruch hat der CEO gerade formuliert: CATL aus China an der Weltspitze ablösen. Wir haben uns den Konzern und dessen Rolle im Markt einmal genauer angeschaut.

  • Ansonsten trudeln die Abrechnungen des Pandemie-und-Chip-Jahres ein. Während Porsche und BMW bei den Verkaufszahlen mit Allzeit-Rekorden reüssierten (bei Porsche vollzog sich mit erstmals mehr verkauften elektrischen Taycan als 911ern gar eine Zeitenwende), sieht die Vertriebslage bei Volkswagen insgesamt und Daimler eher angespannt aus. Hier lesen Sie unseren Überblick.

  • Im Einzelnen haben wir noch einmal angeschaut, was eigentlich die beliebtesten Elektroautomodelle 2021 in Deutschland waren.

  • Und den größten Automarkt der Welt: China. Volkswagen hatte dort laut des amtierenden China-Chefs Stephan Wöllenstein "eines der schwierigsten Jahre unserer Geschichte". Dabei wuchs der Markt insgesamt um 6,5 Prozent, der für Elektroautos sogar um 168 Prozent.

  • Die Mobilitätsplattform Bolt – Sie wissen: die Billigangreifer aus Estland  – erhält eine neue Kapitalspritze. Schon wieder mehr als 600 Millionen Euro. Die Truppe um Gründer Markus Villig wird damit mit 7,4 Milliarden Euro bewertet. Und will neben Menschen nun auch Lebensmittel abliefern.

  • Lucid Motors, erklärter Tesla-Jäger aus den USA, will bis 2025 oder 2026 eine Elektroautofabrik in Saudi-Arabien bauen. Verhandlungen mit den Scheichs laufen, so Chairman Andrew Liveris in einem Bloomberg-Interview. 

  • Evergrande, bekannt als taumelnder Immobilienriese, lässt von einer Tochter auch Elektroautos bauen. Und während gerade noch wütende Wohnungskäufer die Zentrale belagerten, rollte an diesem Mittwoch das erste Modell aus der Fabrik. Ein türkisfarbener Hengchi 5 .

Noch mehr Mobilität: Flugzeuge, Roller und Fahrräder

Auf Investorensuche: ITA-Chef Alfredo Altavilla

Auf Investorensuche: ITA-Chef Alfredo Altavilla

Foto: ITA PRESS OFFICE / via REUTERS
  • Italiens neu geformte, staatliche Airline ITA sucht einen Investor, der "Geld auf den Tisch" legt. Man suche Eigenkapitalgeber, erklärte Konzernchef Alfredo Altavilla am Mittwoch. In Frage kommt dafür neben British Airways und der US-Airline Delta auch die Lufthansa – wo man durchaus offen für solche Ideen ist.

  • Mangels der Aussicht auf Gewinn zieht sich das zum Autokonzern Ford gehörende Elektroroller-Unternehmen Spin aus Deutschland zurück. Auch in Spanien, Portugal und diversen US-Städten soll Schluss sein. Ein Viertel der Belegschaft muss gehen. In seiner Sparmitteilung  formuliert CEO Ben Bear in typischer Start-up-Sprache "... to accelerate our path to profitability."

  • Mailand, eine der 40 verstopftesten Metropolen der Welt, hat in dieser Woche einen umfangreichen Umbauplan namens "Cambio " vorgestellt. Ziel ist ein 750 Kilometer langes Fahrradwege-Netz – 225 Millionen Euro sollen investiert werden, 300.000 Euro pro Kilometer. Vorbild ist der Umbau von Paris, natürlich.

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Deep Drive: Studie der Woche

Die Volkswirtschaftler der Staatsbank KfW haben Politikansätze für die Verkehrswende untersucht. Elektroautos sind wichtig, aber reichen nicht. Es braucht mehr öffentlichen Nahverkehr und Fahrräder. So weit, so gut. Das "überraschende Ergebnis", schreiben die Forscher im KfW Research : Eine bessere Fahrradinfrastruktur könne in Stadt und Land etwa gleich viele Menschen zum Umstieg bewegen – bislang war das nur für die Städte diskutiert worden.

Geisterfahrer der Woche:

Vom Pad ins Cockpit: Kurz vor Weihnachten durfte Cem Bolukbasi in Abu Dhabi schon ein paar Formel-2-Testrunden drehen

Vom Pad ins Cockpit: Kurz vor Weihnachten durfte Cem Bolukbasi in Abu Dhabi schon ein paar Formel-2-Testrunden drehen

Foto: Joe Portlock / Formula Motorsport Limited / Getty Images

Unter Computerspielern ist Cem Bolukbasi (23) längst ein Star. Seit 2017 fährt der Türke auf den digitalen Formel-1-Rennstrecken Siege ein. Jetzt wechselt der E-Sportler in ein echtes Cockpit und startet in der nächsten Saison für den tschechischen Rennstall Charouz Racing System in der Formel 2. Unterstützt von diversen türkischen Konzernen soll er ganz real Trophäen sammeln. "Es ist sehr wichtig, als erster Gamer diesen Schritt zu gehen", sagte Bolukbasi am Mittwoch in Istanbul. "Das gibt anderen die Hoffnung, es auch zu schaffen." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny.

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