Christoph Rottwilm

Der Freitag im Überblick Millionen aus der Werbung und Milliarden aus dem Weißen Haus

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Aufbruchsstimmung in Europas Telekom-Branche, Tesla-Preisen in Bewegung und einer Spurensuche in Kasachstan.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Tech-Riesen wie Facebook, Google oder Apple verdienen seit Jahren Milliarden mit den Daten von Internetnutzern, die es ihnen ermöglichen, Werbung gezielt auszuspielen. Hiesige IT-Konzerne konnten dabei lange nur neidisch zuschauen. Doch das wollen sie nun ändern: In dieser Woche machte die EU-Kommission ein Vorhaben führender europäischer Telekom-Anbieter öffentlich, darunter die Deutsche Telekom, Orange aus Frankreich sowie die britische Vodafone. Die Unternehmen planen ein Zusammenspiel, das ihnen einen Teil der Werbemilliarden in die Kassen spülen soll.

Kollegin Mirjam Hecking hat sich das Projekt genauer angeschaut. Sie erklärt es – in aller Kürze – so: Europas Telekom-Größen wollen werbetreibenden Unternehmen künftig pseudonymisierte Tokens anbieten, mit denen die Werbenden das Surfverhalten ihrer Zielgruppe nachverfolgen können. Diese Informationen sollen dann helfen, Reklame optimal auszuliefern.

Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges und seine Mitstreiter erhoffen sich auf diesem Wege den Zugriff auf ein neues, potenziell milliardenschweres Geschäftsfeld. Doch beim Thema Daten und Internet reden stets auch Datenschützer mit. Zudem steht das Go der EU-Kommission noch aus, wie Sie ebenfalls in Mirjam Heckings Geschichte zu Europas neuem Werbe-Joint-Venture lesen können .

Hoffen auf Werbemilliarden: Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges bastelt an einem europaweiten Joint-Venture

Hoffen auf Werbemilliarden: Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges bastelt an einem europaweiten Joint-Venture

Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Zwar ist seit Monaten von einer bevorstehenden Rezession die Rede, bislang wächst die Wirtschaft jedoch. Im vergangenen Jahr etwa legte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 1,9 Prozent zu, teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Und das trotz Ukraine-Krieg, Inflation und anhaltender Lieferprobleme. Allerdings sind bereits Einbußen wegen der Energiekrise zu erkennen, im Vorjahr war die Wirtschaft noch um 2,6 Prozent gewachsen.

  • Auch der Autobauer Tesla bekommt die nachlassende Wirtschaftsdynamik zu spüren: Die Kunden werden zurückhaltender. In China hat Tesla deshalb bereits mehrfach seine Preise gesenkt. Nun sieht sich der Konzern in Deutschland und den USA ebenfalls zu diesem Schritt gezwungen. Zwischen einem und 17 Prozent soll der Abschlag für die Limousine Model 3 und den weltweiten Tesla-Bestseller Modell Y in Deutschland betragen.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Die Bilder von den Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und Sicherheitskräften im nordrhein-westfälischen Örtchen Lützerath beherrschen seit Tagen die Nachrichten. Der Energieversorger RWE will dort Braunkohle abbauen und sieht sich deshalb mit Protesten konfrontiert. Meine Kollegen Sven Clausen und Kirsten Bialdiga haben sich RWE genauer angeschaut, besser: dessen Konzernchef Markus Krebber. Krebber wurde in Rekordzeit zu Deutschlands mächtigstem Manager, erläutern die beiden im neuen Podcast der Reihe "Das Thema". Darin erklären sie auch, wie dem Manager der Aufstieg an die Spitze gelang und was er mit seiner Macht anfängt.

  • Schon wieder steht die Zukunft des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof auf der Kippe, das Unternehmen durchläuft zum wiederholten Male ein Schutzschirmverfahren. Für zahlreiche Filialen werden in dem Zuge neue Besitzer gesucht – meine Kollegen Margret Hucko und Martin Mehringer haben erfahren, welch schillernde Investoren sich mitunter für die Objekte interessieren .

Das Beste aus dem "Economist"

Investment in Kasachstan: FTX-Gründer Sam Bankman-Fried führte viele Anleger ins Verderben

Investment in Kasachstan: FTX-Gründer Sam Bankman-Fried führte viele Anleger ins Verderben

Foto: Peter Foley / EPA

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Die Kryptobörse FTX rauschte vor Wochen unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit in die Pleite, seither suchen Anleger und Gläubiger nach Milliarden, die verschwunden sind. Auch Kollege Kai Lange hat nach den Geldern gefahndet. Ergebnis: Allein fünf Milliarden Dollar hatte FTX-Gründer Sam Bankman-Fried über seinen Hedgefonds Alameda in Start-ups investiert. Und zwar in Gebieten durchaus abseits des Finanz-Mainstream. Eines der größten Investments etwa führt in die Steppe von Kasachstan, so Lange. Zu zwei deutschen Gründern. 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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