Kai Lange

Der Tag im Überblick Chefs im Stress

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem gestressten Lufthansa-Chef, einem besorgten Biontech-Chef und einem Allianz-Chef, der zumindest für einen Tag seine Sorgen vergessen will.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (54) ist derzeit nicht zu beneiden. Zahllose Flugpassagiere grübeln, ob sie sich angesichts der neuen Corona-Variante Omikron noch in ein Flugzeug trauen können – und wann die nächsten Reisebeschränkungen kommen, mit denen sich die geplante Auslandsreise womöglich erledigt. Noch fliegt die Lufthansa Passagiere in die USA, nach Südafrika und bringt viele verfrorene Nordeuropäer zum Jahresende in den Süden. Doch die steigende Unsicherheit ist Gift fürs Geschäft: Das Weihnachtsgeschäft ist für die gesamte Luftfahrtbranche enorm wichtig und kann über Gewinn und Verlust im vierten Quartal entscheiden.

Diese Probleme kann Spohr mit allen anderen Airline-Chefs der Welt teilen, also halbes Leid. Doch der Lufthansa-Chefpilot hat zusätzlich mit dem wachsenden Unmut der Investoren zu kämpfen. Sie fordern von Spohr frische Ideen zum Thema Klimaschutz, Digitalisierung sowie eine Antwort auf die Frage, wie die Kranich-Airline ihre Kunden aus Vorpandemie-Zeiten zurückgewinnen will. Kurzum: Bei der Lufthansa soll nichts so bleiben, wie es vor Corona einmal war. Was Spohr dringend ändern muss, um die Lufthansa zukunftsfest zu machen , hat mein Kollege Michael Machatschke kenntnisreich aufgeschrieben: Eine lohnende Lektüre nicht nur für einen Langstreckenflug.

Lufthansa-Lenker Carsten Spohr: Weit mehr Baustellen als nur Corona

Lufthansa-Lenker Carsten Spohr: Weit mehr Baustellen als nur Corona

Foto: imago stock/ imago images/Sven Simon

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Angesichts der stark mutierten Omikron-Variante geht Biontech-Chef Uğur Şahin davon aus, dass wir bald einen neuen Impfstoff gegen das Coronavirus brauchen. "Ich glaube grundsätzlich, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt einen neuen Impfstoff gegen diese neue Variante benötigen werden", sagte Şahin am Freitag. Er erwarte aber, dass der bestehende Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer auch bei der neuen Omikron-Variante einen deutlichen Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe biete. Zudem seien zwei Tatsachen weiterhin gültig: Impfungen schützten vor schweren Covid-Erkrankungen. Und Biontech könnte bei Bedarf seinen Impfstoff relativ schnell anpassen. Wie die Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer und Moderna bereits jetzt auf Omikron reagieren, erfahren Sie in unserem Podcast.

  • Europas größter Versicherer Allianz erhöht die Dividende und will das auch in den kommenden Jahren regelmäßig tun. Anleger und die beim heutigen "Capital Markets Day" der Allianz zugeschalteten Investoren zeigten sich erfreut. Dass Allianz-Chef Oliver Bäte solche Nachrichten sehr sorgfältig platziert, um trotz insgesamt mäßiger Bilanz die Aktionäre hinter sich zu bringen und seine Macht auszubauen , hatten wir Ihnen bereits berichtet.

  • Mehr Frauen in die Aufsichtsräte: Nun erhöht auch die US-Investmentbank Goldman Sachs, bislang kein Hort von Emanzipation und Diversität, den Druck auf Unternehmen. Goldmans Vermögensverwalter GSAM will als Großaktionär personellen Veränderungen in Unternehmen nur noch dann zustimmen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dies hat Folgen für Konzernlenker, nicht nur in den USA.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Er war ein "Big Spender" – zumindest für politische Parteien. Der Milliardär August von Finck junior ist im Alter von 91 Jahren verstorben, wie heute bekannt wurde. Finck galt als einer der reichsten Deutschen , er war unter anderem zeitweise Mehrheitseigner der Hotelkette Mövenpick. Seiner Familie gehörte die Münchner Privatbank Merck Finck & Co., zudem erbte Finck einen Anteil an der Löwenbräu-Brauerei. 1999 zog er steuersparend in die Schweiz, an Möwenpick besaß er bis 2018 eine Mehrheit. Bekannt wurde Finck vor allem durch seine Parteienfinanzierung: Zu Zeiten von Franz Josef Strauß ließ er der CSU hohe Summen zukommen, 2010 wurde eine Millionenspende an die FDP öffentlich. Pikant: Die FDP hatte in den Koalitionsverhandlungen mit der Union kurz zuvor die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent durchgesetzt hatte – fortan unter dem Stichwort "Mövenpick-Steuer" bekannt.

Das Beste aus dem "Economist":

  • Die Omikron-Variante ist auch für den "Economist" das beherrschende Thema. China schien die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen bereits überwunden zu haben, schreiben unsere britischen Kollegen. Doch mit Omikron droht ein neuer Rückschlag für Chinas Wirtschaft sowie ein Härtetest für das Regime in Peking.

  • Im allgemeinen Börsen-Blues (der Dax taumelte auch heute weiter abwärts) fragen sich Investoren, welchen Investments sie trotz sinkender Depotwerte noch die Treue halten können. Der Economist beschreibt die drei größten Risiken , die derzeit die wirtschaftliche Erholung in den Schwellenländern gefährden.

Meine Empfehlung für den Abend:

Laden, aber noch nicht im Turbo-Tempo: Daimlers Elektro-Truck eActros an einer Ladesäule

Laden, aber noch nicht im Turbo-Tempo: Daimlers Elektro-Truck eActros an einer Ladesäule

Foto: Marijan Murat / dpa
  • Um Emissionen dauerhaft zu senken, brauchen auch Sattelschlepper einen Batterie- oder Wasserstoffantrieb. Der frisch von Daimler abgespaltene Lkw-Bauer Daimler Truck setzt auf den eActros, der mit einer Akkuladung bis zu 16 Tonnen Nutzlast 400 Kilometer weit transportieren soll. Tesla will seinen Elektro-Sattelschlepper "Semi" 2022 auf den Markt bringen. Allerdings haben die Brummifahrer derzeit noch ein handfestes Problem mit den Ladesäulen: Wie die Brummis künftig dennoch emissionsfrei durchstarten können, lesen Sie hier.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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