Christoph Rottwilm

Der Dienstag im Überblick Untoter Riese und Krypto-Krise

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Rückkehr der Fluglust, der Kehrtwende eines Konzernchefs und der Abkehr vom Cybergeld.

Die Lufthansa prüft, ob sie dem eigentlich schon ausgemusterten Riesenflieger A380 ein Comeback verschaffen soll. Diese Nachricht lässt die Herzen vieler Flugzeugfans zweifellos höher schlagen. Den Bilanzbuchhaltern von Deutschlands größter Airline dagegen treibt sie wohl eher Schweißperlen auf die Stirn.

Zur Erinnerung: Der A380 von Airbus eroberte vor Jahren als größtes serienmäßig produziertes Passagierflugzeug der Welt den Markt und die Herzen vieler Luftfahrtfreunde. Nebenbei ließ Airbus mit seinem neuen Vorzeigemodell auch den Konkurrenten Boeing in den USA ein wenig alt aussehen. Dessen Gegenstück, der "Jumbo-Jet" 747, war längst in die Jahre gekommen.

Doch die Hochzeit des A380 währte nicht allzu lange: Schnell kamen neue Flugzeugmodelle auf den Markt, die mit lediglich zwei anstatt vier Triebwerken ähnliche Distanzen bewältigen konnten, und das zu deutlich geringeren Kosten. Immer mehr Fluggesellschaften nahmen den A380 daher inzwischen wieder aus dem Betrieb – so auch die Lufthansa. Von ihren einst 14 A380-Fliegern hat die Airline sechs bereits wieder verkauft. Der Rest fristet ein trostloses Dasein auf einem Flugzeugfriedhof in Spanien.

Bislang jedenfalls: Weil Fluggäste nach den Entbehrungen der Corona-Pandemie in so großer Zahl wieder in Flugzeuge drängen, spielt der Vorstand um Chef Carsten Spohr mit dem Gedanken, die Riesen zu reaktivieren. Ein mögliches Comeback würde aber wohl nicht sehr lange andauern, haben unsere Recherchen ergeben. Immerhin: Einen schönen Sommer soll der A380 noch haben.

Comeback denkbar: Die große Nachfrage nach Flugreisen verschafft dem A380 bei der Lufthansa womöglich wieder Einsatzmöglichkeiten

Comeback denkbar: Die große Nachfrage nach Flugreisen verschafft dem A380 bei der Lufthansa womöglich wieder Einsatzmöglichkeiten

Foto:

Jan Huebner/ Bongarts/Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Atos in Not: Beim IT-Konzern Atos läuft es nicht rund. Zwei Gewinnwarnungen schockten in der Vergangenheit bereits die Investoren, der Aktienkurs befindet sich seit Monaten auf Talfahrt. Um wieder in die Spur zu kommen, werden im Management Möglichkeiten einer Neuausrichtung des Unternehmens diskutiert. Dass es dabei allerdings offenbar erhebliche Meinungsverschiedenheiten gibt, wurde nun deutlich: Firmenchef Rodolphe Belmer wird Atos bereits nach nur wenigen Monaten im Amt wieder verlassen. Der Aktie versetzte die Nachricht einen weiteren Schlag.

  • Oracle im Glück: Der Softwarekonzern Oracle befindet sich im Gegensatz zu Atos auf der Erfolgsspur. Die Corona-Krise und der damit verbundene Trend zu hybriden Arbeitsmodellen haben die Geschäfte des US-Konzerns kräftig angetrieben. Oracle meldete heute einen überraschend starken Anstieg von Umsatz und Gewinn und verhalf seiner Aktie damit zu einem veritablen Sprung nach oben.

Was heute sonst noch wichtig war:

Meine Empfehlung für den Abend:

Was geht? Katharina Reiche, Eon-Vorständin und Wasserstoffinstanz

Was geht? Katharina Reiche, Eon-Vorständin und Wasserstoffinstanz

Foto:

Sebastian Wolf für manager magazin

  • Katharina Reiche war Politikerin und Staatssekretärin während der Regierungszeit von Angela Merkel, sie stand an der Spitze des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) und sie sitzt heute im Vorstand des Dax-Konzerns Eon. Eine lange Karriere, bei der es selten reibungslos voranging. Reiche eckte immer wieder an, provozierte, musste sich gegen Widerstände durchsetzen. Heute ist sie so etwas wie Deutschlands oberste Wasserstoffinstanz. Sie treibt bei Eon zentrale Projekte rund um die Zukunftstechnologie voran und führt Deutschlands Top-Gremium zu dem Thema, den nationalen Wasserstoffrat. Ob die Transformation zu einer grünen, klimafreundlichen Wirtschaft gelingt, hängt damit maßgeblich an ihr. Da stellt sich die Frage: Geht da noch mehr? Eine Antwort darauf gibt Kollege Dietmar Student, der ein ausführliches Porträt von Katharina Reiche geschrieben hat .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm