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Marleen Gründel

Der Dienstag im Überblick Ein verpatzter Neustart und eine verzweifelte Suche

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Bruchlandung bei der Lufthansa, einem Bauherren bei der Allianz und einem Boykott bei der Adler Group.

Waren auch Sie in diesem Sommer von dem Chaos an den deutschen Flughäfen betroffen? Meine Familie und ich jedenfalls können wie so viele eine ganz besondere Urlaubsgeschichte erzählen: Flug gestrichen, umgebucht, dann endloses Warten beim Check-in und der Sicherheitskontrolle – aber immerhin unsere Koffer kamen am gleichen Ziel an wie wir. Und im Vergleich zu vielen anderen ist unsere Erfahrung sicher noch harmlos.

Mittendrin in diesem Wirrwarr: die Lufthansa. Während Kapitän Carsten Spohr die Kranich-Linie noch vergleichsweise sicher durch die Corona-Pandemie steuerte, verpatzten er und sein Management den Neustart. Ein zu optimistischer Flugplan, eine mangelnde Digitalisierung und natürlich der Personalmangel führten dazu, dass sich der Lufthansa-Chef letztendlich sogar bei den Fluggästen für die Unannehmlichkeiten entschuldigen musste.

Vor allem beim Personal hat sich der Vorstand in eine schlechte Verhandlungsposition manövriert, zu viele Leute entlassen und zu viele goldene Handschläge verteilt. Für die Bodencrew musste Ressortchef Michael Niggemann bereits 19 Prozent mehr Gehalt hinlegen, nun droht auch noch ein Streik der notorisch rebellischen Pilotenschaft. Kollege Michael Machatschke hat in einer umfangreichen Analyse für Sie aufgeschrieben, welche Fehler im Lufthansa-Management begangen wurden, welche Konsequenzen Spohr daraus zieht und wie er die für sein Geschäft so wichtigen Vielflieger zurückgewinnen will: "Die teuren Lehren der Lufthansa aus dem Flugchaos ."

Diskrete Umkehr: Konzernlenker Carsten Spohr muss eigene Entscheidungen revidieren

Diskrete Umkehr: Konzernlenker Carsten Spohr muss eigene Entscheidungen revidieren

Foto: Robert Brembeck

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Grassierende Inflation: Die Teuerungsrate in Deutschland ist im August wieder gestiegen. Nach 7,5 Prozent im Juli sind die Preise für Waren und Dienstleistungen nun um durchschnittlich 7,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Größter Preistreiber ist erneut: die Energie. Für den Herbst rechnen Ökonomen mit Inflationsraten von rund 9 Prozent.

  • Deutliche Worte: "Uniper ist nicht mehr in der Lage, Gas einzukaufen." So drastisch hat Wirtschaftsminister Robert Habeck heute die prekäre Lage von Deutschlands größtem Gasimporteur skizziert. Die Gelder aus der geplanten, aber umstrittenen Gasumlage seien daher bitter nötig, argumentiert der Politiker. Sie sorge dafür, dass "ein Ausbluten der Unternehmen" gestoppt wird. Neun Milliarden Euro Hilfskredite hat Uniper bereits von der staatlichen Kfw-Bank erhalten, erst gestern bat Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach um weitere vier Milliarden Euro.

  • Verzweifelte Suche: Der schwer angeschlagene Immobilieninvestor Adler sucht nach dem Ausstieg von KPMG noch immer einen Wirtschaftsprüfer. Das Dumme: keiner will, auf die Ausschreibung hat sich niemand gemeldet. Und ohne das Testat ist das Unternehmen von den Kapitalmärkten abgeschnitten. Dabei braucht Adler dringend Geld: Allein im ersten Halbjahr ist der Verlust auf 605 Millionen Euro gestiegen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Gefährliche Preisexplosion: Nicht nur die Kosten für Strom und Gas steigen derzeit rasant, auch der europäische Preis für CO2 zeigt sich extrem volatil. Mitte August schoss er auf ein Allzeithoch von knapp 99 Euro. Unternehmen müssen damit für das Recht, eine Tonne Kohlendioxid freizusetzen, doppelt so viel bezahlen wie noch im vergangenen Jahr – was den Zertifikatepreis zu einem weiteren Risikofaktor für unsere Wirtschaft macht. Warum der CO2-Preis so stark steigt und welche gravierenden Folgen das für Unternehmen hat, beschreibt Kollegin Anna Driftschröer hier.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Zweites Standbein: Was macht eigentlich ein Unternehmen besonders erfolgreiches Unternehmen aus? Einige Firmen mit einem starken und wachsenden Kerngeschäft schaffen es, sich ein zweites Geschäftsfeld zu erschließen. Die Konzerne mit dem stärksten Wertzuwachs der Welt, wie etwa Amazon, Google, Apple oder Microsoft, investieren ihre Kompetenzen konsequent in die Entwicklung dieses zweiten Wachstumsmotors. Die Berater James Allen und Chris Zook beschreiben in einem ausführlichen Report, welche vier Erfolgsfaktoren diese Strategie so schlagkräftig machen .

Meine Empfehlung für den Abend:

Raumausstatterin des Allianz-Chefs: Gabriela Raible samt Ehemann

Raumausstatterin des Allianz-Chefs: Gabriela Raible samt Ehemann

Foto: ddp images
  • Gehobene Ansprüche: Innenarchitektin Gabriela Raible-von Lüttichau weiß, was Oliver Bäte will. Nicht nur für den Manager privat, sondern auch für die von ihm geführte Allianz gestaltete sie immer wieder die Büros und Vorstandsflure, vornehmlich im Auftrag des Bauherren Bäte. Womöglich macht die Architektur dem Allianz-Chef mehr Spaß als das triste Alltagsgeschäft. Digitalisierung, Direktversicherer, Innovationen – Bätes Projekte verlaufen nahezu erfolglos im Sande. In seinem Kerngeschäft als CEO hat er bislang weit weniger zuwege gebracht als in seiner Nebenbeschäftigung als oberster Baumeister der Allianz, meint unser Kollege Dietmar Palan. Dann lieber: "Zur Abwechslung ein paar Bauprojekte ."

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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