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Eva Buchhorn

Der Donnerstag im Überblick Machtspiele im Aufsichtsrat und die dunkle Seite von McKinsey

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Online-Modehändler in der Konsumkrise, einem anspruchsvollen männlichen Duo und zu wenigen Frauen in Vorständen.

Sein erstes Unternehmen gründete Tarek Müller mit 15 Jahren, und eigentlich wollte er sich mit 30 zur Ruhe setzen. Daraus wurde nichts. Inzwischen ist der Mitgründer und CEO des Online-Modehändlers About You 33 Jahre alt und von einem beschaulichen Leben als Privatier noch weit entfernt: Die krisenhaften Zeiten setzen auch About You zu. Der Aktienkurs ist seit dem Höhepunkt um rund dreiviertel eingebrochen, die Profitabilität lässt weiter auf sich warten.

Im ausführlichen Interview mit meinem Kollegen Lutz Reiche gab sich Müller gleichwohl blendend gestimmt. Denn gemessen am Markt, stehe About You – dessen größter Aktionär die Hamburger Otto Gruppe ist – weiter gut da. Während andere europäische Modehändler sich von steigenden Logistikkosten und schwacher Konsumlaune zu Rabattschlachten genötigt sehen, wachse das Unternehmen immer noch leicht zweistellig, so Müller. Sparen und die eigenen Lagerbestände zu Rabattpreisen verkaufen muss er gleichwohl, aber immerhin aktuell noch keine Jobs kündigen.

Müllers realistische Prognose: "Die nächsten sechs Monate werden hart." Wie der CEO die Krise meistern will, warum der FC Bayern Kunde wird und was About You aus einer Masken-Affäre gelernt hat, lesen Sie heute auf manager-magazin.de. 

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Schwachpunkt Diversity: Der Frauenanteil in den Vorständen der börsennotierten Firmen steigt nur noch langsam an. Das ist das Ergebnis einer Auszählung der Spitzengremien durch die deutsch-schwedische Allbright-Stiftung. Zum Stichtag, dem 1. September, fanden sich in den Vorständen der 160 Börsenunternehmen 99 Managerinnen neben 599 Managern. Die Frauenquote liegt aktuell bei 14,2 Prozent, 0,8 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Im MDax und SDax hat sich das Verhältnis im zurückliegenden Jahr sogar verschlechtert.

  • Kürzer zu Aldi: Mit Blick auf die horrend steigenden Kosten von Strom und Gas passt der Discounter Aldi Nord im kommenden Winter seine Öffnungszeiten an. Zahlreiche Filialen vor allem in Großstädten sollen von November an schon um 20 Uhr schließen. Aldi Nord will damit einen Beitrag zum Energiesparen leisten, wie die Unternehmensleitung gestern Abend über Twitter mitteilte. Heizung, Kühlung und Beleuchtung gelten als größte Kostenblöcke im Einzelhandel.

  • Machtspiele bei der Lufthansa: Seit der Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne bei der Lufthansa eingestiegen ist, meldet er – wie man es von ihm kennt – Gestaltungsansprüche an. 17,5 Prozent der Aktien hält er aktuell und es heißt, er kaufe weiter zu. Als Nächstes möchte Kühne seinen Vertrauten Karl Gernandt in den Aufsichtsrat entsenden. Dem aktuellen Chefkontrolleur Karl-Ludwig Kley könnte damit ein starker Gegenpol erwachsen. Ob Kley, dessen Mandat im kommenden Jahr zur Verlängerung ansteht, an Bord bleiben wird und welche Konsequenzen die veränderte Machtstatik für Neubesetzungen im Vorstand haben könnte, haben meine Kollegen Michael Machatschke und Martin Noé recherchiert. Nachzulesen heute auf manager-magazin.de 

  • Überraschung bei Netflix: Nach zwei Schrumpf-Quartalen meldet der Streamingdienst wieder steigende Abozahlen. Im abgelaufenen Quartal konnte die Plattform von Gründer und CEO Reed Hastings sogar mehr Menschen anlocken als selbst prognostiziert. Der Aktienkurs hob in der Folge deutlich ab – obwohl die grundlegenden Probleme des Streamers, die wir neulich ausführlich analysiert  haben, bestehen bleiben.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Reicht das Gas? Nicht erst seit dem russischen Gaslieferstopp beschafft sich Europa das Flüssiggas LNG für den Winter und füllt die Gasspeicher. Gleichzeitig machen Frankreichs Atomkraftwerke und womöglich auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Kommen wir sicher durch den Winter? In fünf Infografiken zeigt meine Kollegin Anna Driftschröer heute auf unserer Website, wo Deutschland bei der Gasversorgung steht.

  • Missouri straft Blackrock: Der republikanisch regierte US-Bundesstaat Missouri hat angekündigt, dem Vermögensverwalter Blackrock 500 Millionen US-Dollar Anlagekapital zu entziehen. Finanzminister Scott Fitzpatrick begründete diesen Schritt am Dienstag mit der Anlagestrategie von Blackrock. Sie orientiere sich zu sehr an Umweltschutz, Sozialstandards und guter Unternehmensführung und vernachlässige die Rendite. Auch Louisiana hat bereits 800 Millionen abgezogen. Blackrock ist mit rund 8,5 Billionen US-Dollar Anlagekapital der weltgrößte Vermögensverwalter.

Meine Empfehlung für den Abend:

Politikum: Die ehemalige McKinsey-Beraterin Katrin Suder (l.) diente Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen als Staatssekretärin

Politikum: Die ehemalige McKinsey-Beraterin Katrin Suder (l.) diente Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen als Staatssekretärin

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa
  • Skandalchronik: McKinsey ist die Elitemarke des globalen Consultings – ein Synonym für teure, aber brillante Analysen, höchste Professionalität und Integrität. Die in Wirtschaft und Politik wie keine andere Institution vernetzte Beratertruppe steht allerdings auch für einige kritikwürdige Managementideen: Kurzfristiges Shareholder-Value-Denken, die Vergütungsexplosion für Top-Manager, radikales Offshoring oder der bedingungslose Aufbruch nach China gehören dazu. In ihrem Anfang Oktober in den USA veröffentlichten Buch geben die beiden preisgekrönten Investigativreporter der "New York Times", Walt Bogdanich und Michael Forsythe, der Diskussion um teils fragwürdige Methoden und die übergroße Macht der Meckies neuen Auftrieb. Das "Schwarzbuch McKinsey"  erscheint am kommenden Samstag auch auf Deutsch, erweitert um ein Kapitel über die Aktivitäten der Consultants in der Deutschland AG und in Regierungskreisen. Mein Kollege Christian Schütte hat das Buch gelesen und rezensiert. Mit seiner Begründung lege ich Ihnen die Lektüre hier wärmstens ans Herz: Der wachsende, kaum durchschaubare und kontrollierbare Einfluss von McKinsey in Wirtschaft und Staat ist ein Fakt, der politisch zu diskutieren ist.

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn

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