Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Lithium-Jäger in der Südpfalz, unbegrenzter Urlaub in New York

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem deutschen Lithium-Jäger, einem Preisdrücker bei Twitter, unbegrenztem Urlaub bei Goldman Sachs und einem zweiten Blick auf Tech-Aktien.

Deutschland hat ein Rohstoff-Problem: Nicht nur Öl und Gas, sondern auch Lithium, Kobalt, Seltene Erden oder Nickel stammen häufig aus autokratischen Staaten. Dieser Rohstoffmangel bietet heimischen Unternehmen aber auch Chancen: Horst Kreuter zum Beispiel, Chef des Mittelständlers Vulcan Energie, will in der Südpfalz deutsches Lithium fördern. Diesen kostbaren Rohstoff für die Batterieproduktion gewinnt das Unternehmen aus Thermalwasser, das im Oberrheingraben zwischen Frankfurt und Basel im Untergrund lagert.

Etwa ein Gramm der begehrten Flüssigkeit gewinnt Vulcan derzeit aus einem Liter Thermalwasser. Der Rest wird gemeinsam mit dem abgekühlten Nass aus der Energieerzeugung zurück in die Tiefe gepumpt. "Wir produzieren Lithium, Wärme und Strom vollständig ohne CO2", preist Kreuter seine Pilotanlage. Ab 2025 will er mit seiner Technologie jährlich 40.000 Tonnen des begehrten Batteriematerials "Lithiumhydroxid-Monohydrat" liefern können – genug für die Batterien von einer Million Elektroautos.

Ob der vor vier Jahren gegründete Lithium-Pionier Vulcan Energie den Durchbruch schaffen wird, muss sich noch zeigen. Der Report meiner Kollegin Eva Müller zeigt aber bereits jetzt: Rohstoffmangel und Klimakrise stellen deutsche Ingenieure vor neue Herausforderungen – und diese können die Türen für glänzende Geschäfte öffnen.

Tiefbohrer: Horst Kreuter will deutsches Lithium im großen Stil fördern

Tiefbohrer: Horst Kreuter will deutsches Lithium im großen Stil fördern

Foto: Thomas Pirot Uhlandstr. 10 55118 Mainz www.thomaspirot.de

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Elon Musk feilscht um den Preis von Twitter: Rund 44 Milliarden Dollar wollte Elon Musk ursprünglich für den Kurznachrichtendienst bezahlen. Doch nun versucht der Tesla-Chef, den Preis zu drücken. Bereits in der Vorwoche hatte Musk die Twitter-Aktie auf Talfahrt geschickt, indem er bekannt gegeben hatte, die geplante Übernahme liege "vorläufig auf Eis". Nun legte Musk in einem Interview nach, ein Twitter-Deal sei "nicht außer Frage" – allerdings zu einem niedrigeren Preis. "Je mehr Fragen ich stelle, desto größer werden meine Sorgen", sagte Musk. Die Aktie von Twitter geriet daraufhin weiter unter Druck.

  • Goldman-Sachs-Bosse erhalten unbegrenzt Urlaub: Die US-Großbank Goldman Sachs in New York erlaubt ihren Partnern und Geschäftsführern, so viele Tage Urlaub zu nehmen, wie sie wollen. Damit versucht die US-Großbank, leitende Angestellte an sich zu binden. Laut einem internen Memo erhalten Partner und Geschäftsführer flexible Urlaubszeiten, sodass sie sich bei Bedarf freinehmen können, ohne eine feste Anzahl von Tagen Urlaubsanspruch zu haben.

  • Russen kaufen verstärkt türkische Immobilien: Käufer aus Russland haben im April im großen Stil Häuser und Eigentumswohnungen in der Türkei erworben. Die Zahl der Immobilien-Verkäufe stieg um knapp 40 Prozent auf 133.058 Einheiten, meldete das türkische Statistikamt. Die Geschäfte mit ausländischen Kunden wuchsen dabei um knapp 60 Prozent. Die meisten ausländischen Käufer kommen aus Russland, dahinter folgen Käufer aus dem Iran und dem Irak.

Die Personalien des Tages:

  • Thomas Echelmeyer wird Finanzvorstand bei Adler: Der Immobilieninvestor Adler Group steckt seit Monaten in der Krise. Ende April hatte der Wirtschaftsprüfer KPMG der Adler Group das Testat verweigert. Nun versucht Verwaltungsratschef Stefan Kirsten, die Bilanzen mithilfe eines neuen Finanzvorstands in den Griff zu bekommen: Der Wirtschaftsprüfer Thomas Echelmeyer wird im Juni als Finanzvorstand zu Adler stoßen. Kirsten und Echelmeyer kennen sich – sie starteten ihre Karriere bei der Beratungsgesellschaft Arthur Andersen.

  • Jeff Bezos zofft sich mit Joe Biden auf Twitter: Der zweitreichste Mann der Welt, Amazon-Gründer Jeff Bezos, und der mächtigste Mann der Welt, US-Präsident Joe Biden, setzen ihren öffentlichen Schlagabtausch auf Twitter fort. Thema des Disputs: Die hohe Inflation in den USA - sowie Besteuerung großer Konzerne und besonders reicher Menschen. Bezos wirft Biden "Desinformation" vor: Die Themen Besteuerung und Inflation zu vermischen, führe in die Irre.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Unsere Kindheit bestimmt auch die Karriere: Wie weit wir es im Job bringen, welche Rollen wir übernehmen und wie wir mit Konflikten umgehen, hat mehr mit unserer Kindheit zu tun, als wir glauben. Lunia Hara, Managerin bei der Agentur und VW-Tochter Diconium, wuchs in einem Dorf mit 13 Geschwistern auf – eine Erfahrung, die sie bis heute prägt. Im Führungspodcast "Team A" spricht Sie mit Antonia Götsch und Astrid Maier über ihre Erfahrungen. Hören Sie doch mal rein!

Meine Empfehlung für den Abend:

Google-Börsengang an der Nasdaq im Jahr 2004: Heute verdienen Google und Mutterkonzern Alphabet Milliardensummen

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Foto: GETTY IMAGES/ AFP
  • Warum der Crash an der Nasdaq nicht mit dem Platzen der Dotcom-Blase vergleichbar ist: Der rasante Kurssturz der Technologie-Aktien in den USA erinnert an den Dotcom-Crash des Jahres 2000, als die Wachstumswerte an der Nasdaq und am deutschen Neuen Markt ins Bodenlose stürzten. Doch wo vor 22 Jahren noch viel heiße Luft war, stehen heute Milliardengewinne: Viele Techriesen wie Apple, Meta oder Amazon sind heute hochprofitabel. Zwar fehlt inzwischen das billige Geld der Notenbanken als Kurstreiber, doch viele profitable Tech-Werte sind immer noch einen zweiten Blick wert. Mein Kollege Christoph Rottwilm zeigt in einer großen Übersicht, wie sich die Bewertungen der Tech-Stars verändert haben.

Herzlich, Ihr Kai Lange