Christoph Rottwilm

Der Montag im Überblick Frauen in Vorständen und Männer in Hoodies

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Cloud-Plänen der Schwarz-Gruppe, den Sparplänen des neuen Douglas-Chefs und enttäuschenden Rückzugsplänen deutscher Unternehmen aus Russland.

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Cloud-Geschäft ist bekanntlich einer der heißen Trends am globalen IT-Markt. Nach wie vor wächst das Milliardengeschäft kräftig. Allein im abgelaufenen Jahr setzten die Anbieter weltweit mehr als 490 Milliarden Dollar um. 2023 sollen es gut 20 Prozent mehr sein.

Beherrscht wird der Markt von den großen Drei: Die Amazon-Tochter AWS vorneweg, dazu Microsoft mit der Azure-Cloud und Google. Allerdings hat sich das Geschäft zuletzt gewandelt. Weltweit achten die Firmenkunden stärker auf ihre IT-Kosten und wünschen sich zunehmend besonders nutzerfreundliche, individuelle Lösungen. Die Zeit des ganz wilden Wachstums ist damit auch für die US-Riesen vorbei.

Das könnte die Chance für neue Anbieter eröffnen, zumindest auf die Milliardenwolke mit aufzuspringen. Zum Beispiel für die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm, bekannt für ihre Handelsketten Lidl und Kaufland. Der Deutsche Newcomer im Cloud-Geschäft arbeitet an einem eigenen Konzept: nach der klassischen Lidl-Methode – zuverlässig, einfach, günstig. Kollegin Mirjam Hecking ist nach Neckarsulm gefahren und hat die Abteilung "Stackit" besucht, in der unter Anleitung von Schwarz-Manager Walter Wolf "vornehmlich junge Männer in Hoodies vor ihren Rechnern" sitzen. Mehr über das Projekt, dessen Erfolgsaussichten und den Cloud-Markt im Umbruch lesen Sie in ihrer Geschichte: Der Wolkenplan des Lidl-Konzerns 

Wolkige Aussichten: Schwarz-Manager Walter Wolf entwickelt Cloud-Lösungen

Wolkige Aussichten: Schwarz-Manager Walter Wolf entwickelt Cloud-Lösungen

Foto:

Annette Cardinale für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Bei der Parfümeriekette Douglas stehen Einsparungen an. Durchziehen soll sie Sander van der Laan, der nach dem Abgang von Tina Müller kürzlich auf dem Chefsessel Platz nahm. Kollege Martin Mehringer berichtet über die ersten Arbeitstage des Niederländers, und siehe da: Nicht einmal vor den Lieblingsprojekten seiner Vorgängerin, dem Onlinegeschäft und dem Einstieg in den Apothekenmarkt, macht van der Laan Halt .

  • Unmittelbar nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine kündigten viele große Unternehmen an, aus dem Land des Aggressors abzuziehen. Darunter auch etliche deutsche Konzerne wie Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Dr. Oetker oder Siemens. Doch die allermeisten hatten es mit dem Rückzug deutlich weniger eilig. So berichtet Kollegin Anna Driftschröer über eine aktuelle Studie, wonach nur weniger als 9 Prozent der westlichen Unternehmen Russland seit Kriegsausbruch verlassen haben. Mehr als 91 Prozent sind also geblieben – und die meisten davon haben ihren Hauptsitz in Deutschland.

  • Seit er Twitter übernommen hat, steht Elon Musk in der Kritik. Insbesondere die gebeutelten Aktionäre von Tesla bemängeln, dass der exzentrische Unternehmer zu wenig Energie auf die Leitung des Elektroautobauers verwende. Seit Kurzem hat Musk nun einen Stellvertreter an der Tesla-Spitze. Kollegin Anna Driftschröer stellt Ihnen Tom Zhu vor – kann der Troubleshooter die Probleme lösen?

Das Beste aus dem "Economist":

  • Der taiwanesische TSMC-Konzern ist weltgrößter Auftragsfertiger für Computerchips und beliefert sowohl die USA als auch China. So steht er im Konflikt um sein Heimatland genau zwischen den beiden Supermächten. Die Kollegen vom britischen "Economist" haben sich angeschaut, wie TSMC mit seiner Rolle in diesem Spannungsfeld umgeht. Ihr Fazit: Der Konzern macht das Beste draus .

Meine Empfehlung für den Abend:

Weckt Zwei-Meter-Männer morgens um 6 Uhr: Steuerfahnderin Birgit Orths

Weckt Zwei-Meter-Männer morgens um 6 Uhr: Steuerfahnderin Birgit Orths

Foto:

Guido de Nardo / B14

  • "Wenn ich einem grimmigen Zwei-Meter-Mann gegenüberstehe, der gerade um 6 Uhr morgens von der Steuerfahndung aus dem Bett geklingelt wurde, und ich dem sage, dass ich jetzt seine Wohnung durchsuchen will, bringt es mir nichts, deeskalierend vorzugehen, indem ich sage, alles wird gut. Da bräuchten wir eher Einsatzpsychologie und wirksame Selbstverteidigungs-Trainings." Ich finde, dieses Zitat sollte ausreichen, um Ihnen das Interview schmackhaft zu machen, das Kollegin Hannah Steinharter mit Birgit Orths geführt hat . Orths ist Steuerfahnderin, hat gegen Banken und die Organisierte Kriminalität ermittelt, jagt seit 20 Jahren verstecktem Geld nach und hat jetzt ein Buch geschrieben, das seltene Einblicke in die Arbeit der Steuerfahndung gewährleistet. Gesprächsstoff gibt es also genug. Zitat zwei: "Jede Durchsuchung ist eine Wundertüte."

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

PS: Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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