Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem grünen Erzkapitalisten

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Klimazielen von Blackrock-Chef Larry Fink, dem herben Abschiedsgeschenk von Joe Kaeser und Geldanlagen zum Inflationsschutz.

An Apple, an Alphabet, an allem, was Rang und Namen hat, ist der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock beteiligt. An über 15.000 Unternehmen hält der Konzern Anteile, er verwaltet fast neun Billionen US-Dollar an Vermögen – mehr als das Doppelte der Wirtschaftsleistung Deutschlands. Die Hand am Steuer hat Chef Larry Fink. Ein Mann, der als Zocker in den wilden 80er Jahren begann und den Umgang mit Mächtigen genießt. Zunehmend scheint er sich allerdings der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu werden, die mit seiner Macht einhergeht: Seit geraumer Zeit zwingt er Konzerne zum Klimaschutz, verpflichtet sich selbst ebenfalls, auf das Nullemissionsziel hinzuarbeiten.

Die Debatte über seine Glaubwürdigkeit hat das nicht beendet. Was für ein Typ ist der ergrünte Erzkapitalist Fink, der äußerlich so gar nichts Revolutionäres an sich hat? Antworten von Katharina Slodczyk finden Sie in ihrem großen Porträt.  Und mein Tipp: Die Geschichte können Sie sich auch bequem vorlesen lassen, hier geht es zur Audio-Version. 

Risikodompteur Larry Fink droht: "Klimarisiken sind Investmentrisiken"

Risikodompteur Larry Fink droht: "Klimarisiken sind Investmentrisiken"

Foto: Richard Phibbs / Trunk Archive

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Biontech und sein Partner Pfizer wollen in diesem Jahr mehr Covid-19-Impfstoff herstellen als bislang geplant: Die Mainzer gehen nun von einer Produktionskapazität von bis zu 2,5 Milliarden Impfdosen aus. Damit könnte die EU einen Teil der Astrazeneca-Ausfälle ausgleichen. Zudem meldet Biontech Geschäftszahlen – die Aktie steigt deutlich.

  • BMW hat einen zweiten Lithium-Lieferanten gefunden. Der Rohstoff für Batterien, der als Schlüssel für die E-Revolution der Autoindustrie gilt, ist Mangelware. Künftig will BMW die bedeutende Ressource nicht mehr nur aus Australien, sondern auch aus Argentinien beziehen.

  • Diese positiven Nachrichten sind Teil der insgesamt freundlichen Stimmung an den internationalen Aktienmärkten, die dem deutschen Leitindex Aufwind gibt. Und so hat der Dax heute ein Allzeithoch erreicht und erstmals die Marke von 15.000 Punkten geknackt.

  • US-Präsident Joe Biden will zwölf Milliarden Dollar in den Ausbau der Offshore-Windenergie investieren. Für den Dax-Aufsteiger Siemens Gamesa, den mit Abstand führenden Anbieter in diesem Bereich, könnten sich daraus lukrative Aufträge ergeben.

  • Das Greensill- und Archegos-Debakel werden die Credit Suisse Milliarden kosten. Der Präsident ihres Verwaltungsrats, Urs Rohner, gerät dadurch kurz vor seinem Abschied in die Kritik: Der größte Anteilseigner der Bank, legt Rohner nahe, auf weitere Vergütungen zu verzichten. Auch wenn Rohner ein Gehaltsverzicht nicht wirklich schmerzen dürfte – sein Abgang droht allemal, bitter zu werden.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Ära Kaeser hallt nach. Anfang Februar feierte der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser den Abschluss seiner siebenjährigen Amtszeit mit einer ausgedehnten virtuellen Hauptversammlungsshow. 350 eingereichte Fragen hatten Aufsichtsratschef Snabe und die Vorstände dabei zu beantworten, mehr als doppelt so viele wie sonst gestellt wurden. Trotzdem blieb bei vielen Aktionären Unzufriedenheit zurück: Live-Fragen waren nicht gestattet. Kaeser bewies Haltung, schlug sich per Twitter auf ihre Seite. Härter hätte er seinen eigenen Leuten kaum in den Rücken fallen können. Seither entspinnt sich im Konzern ein Kleinkrieg der Spitzfindigkeiten.  Und auch außerhalb zieht die Sache Kreise: Bei der Deutschen Telekom haben Aktionäre für die bevorstehende Hauptversammlung ein Fragerecht auf die Tagesordnung setzen lassen.

  • Gleiche Tätigkeit, gleiches Geld? Soweit ist Deutschland noch lange nicht. Wie viel man verdient, hängt in der Realität nicht nur von Bildung oder Leistung ab, sondern auch von Geschlecht, Fírmengröße und Wohnort. Die neueste Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt die Faktoren, die die Höhe des Entgelts beeinflussen – und, wo Sie die Gehälter am höchsten sind. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Steigende Teuerungsraten haben unter Anlegern einen schlechten Ruf – und geben Investoren Grund zur Sorge. In der Euro-Zone dürfte die Inflation im März deutlich steigen, mit schuld ist der Anstieg der Energiepreise. Wer seine Geldanlagen nun inflationssicher machen will, steht vor keiner leichten Aufgabe. Bei den meisten Anlagen sind Haken und Ösen zu beachten, die wir in unserer Übersicht zeigen: Anleihen, Gold oder Immobilien? So schützen Sie Ihr Vermögen der Inflation.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying