Kai Lange

Der Montag im Überblick Kündigungen, Einkaufstouren und eine heikle Mission

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Tortur nach einer Kündigung, einer Bittstellertour des Wirtschaftsministers und der Einkaufstour eines Finanzgenies.

Wenn sich Unternehmen von Führungskräften trennen, entzündet sich oft ein brutaler Kleinkrieg mit zerstörerischer Wirkung – finanziell, aber auch seelisch. Kündigungen sind ein Tabuthema: Konzerne sprechen lieber über Diversity und Nachhaltigkeit als über die zermürbenden Trennungskämpfe mit ihren ehemaligen Mitarbeitern. Dabei nimmt nicht nur die Zahl der Auseinandersetzungen zu, sondern auch deren Intensität.

Angeblicher Betrug mit Spesen, unterstellter Geheimnisverrat, anonyme Anzeigen: Viele Konzerne erweisen sich als erstaunlich kreativ, um Karrieren unliebsamer Mitarbeiter in der Katastrophe enden zu lassen. Wer sich dagegen wehrt, die Kündigung anficht und Gehälter einfordert, muss sich auf harte Prozesse einstellen. Und diese ziehen sich wegen der Corona-Pandemie häufig über Jahre hin – mit oft fatalen Folgen.

Die öffentliche Schlammschlacht zwischen Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher und seinem Arbeitgeber ist legendär, doch es gibt Dutzende weitere Beispiele, in denen ehemalige Topmanager buchstäblich um ihre Existenz ringen. So kämpft unter anderem Ex-Topmanager Enrique Strelow bereits seit Jahren gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Ferrero. Der Horror nach der Kündigung: Unser Kollege Martin Mehringer schildert in einem Inside-Report die fatalen Folgen eines ungleichen Kampfes.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Robert Habeck auf Rohstoff-Mission: Für den Wirtschaftsminister hat es schon angenehmere Termine gegeben. Der Grünen-Politiker musste bei seiner Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate als Bittsteller auftreten, um die für Deutschland so wichtigen Lieferungen von Öl, Gas und Wasserstoff zu sichern. Bereits am Vortag hatte Habeck mit dem Emir von Katar eine "Energiepartnerschaft" vereinbart. Katar soll der Bundesrepublik Flüssiggas liefern, damit Deutschland seine Abhängigkeit von russischer Energie möglichst rasch verringern kann. Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland könne durch Russlands Angriffskrieg nun stark beschleunigt werden, sagte Habeck.

  • Saudi Aramco verdoppelt Gewinn: Der saudi-arabische Ölkonzern hat seinen Gewinn im Jahr 2021 auf 110 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Der Staatskonzern schüttet insgesamt 75 Milliarden Dollar als Bardividende aus. Angesichts der weiter steigenden Ölpreise will Saudi Aramco in diesem Jahr zudem bis zu 50 Milliarden Dollar in den Ausbau der Förderung stecken.

  • Warren Buffett geht auf Einkaufstour: Nach längerer Abstinenz setzt Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway wieder zu einer Milliardenübernahme an. Ziel ist der US-Versicherer Alleghany, für den der Starinvestor rund elf Milliarden Dollar bietet. Mit Bargeld-Reserven von rund 150 Milliarden Dollar kann sich Buffett die Übernahme natürlich locker leisten. Der Deal sorgte auch für Kursgewinne bei den im Dax notierten Rückversicherern Munich Re und Hannover Rück.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Teurer Weizen: Der Preis für Weizen steigt immer weiter. Seit wenigen Tagen gilt ein Exportstopp von Weizen, Roggen und Gerste aus Russland. Das Land ist der größte Weizenexporteur der Welt: Während Deutschland importierten Weizen vor allem als Futtermittel in der Viehwirtschaft einsetzt und den Ausfall russischer Exporte locker verkraften kann, droht vielen ärmeren Ländern in Afrika nun Hunger. Wer besonders vom Exportstopp betroffen ist und welche Rolle nun auf Deutschland, die EU und Länder wie Indien zukommt, hat unsere Kollegin Sina Osterholt in einer Übersicht zusammengestellt.

  • Ende der Homeoffice-Pflicht: Seit heute heißt es für viele Beschäftigte: Zurück ins Büro. Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern die Option der Heimarbeit nicht mehr anbieten. Dennoch sind sie gut beraten, wenn sie ihren Beschäftigten auch weiterhin eine möglichst hohe Flexibilität anbieten, meint unsere Kollegin Maren Hoffmann in ihrem Kommentar. Kontrollfreaks, die ihre Beschäftigten wie kleine Kinder behandeln, tun sich langfristig damit keinen Gefallen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Grund zur Freude: Der FC Bayern spielt in Europa auch finanziell oben mit (im Bild: Bayern-Spieler Tanguy Nianzou)

Grund zur Freude: Der FC Bayern spielt in Europa auch finanziell oben mit (im Bild: Bayern-Spieler Tanguy Nianzou)

Foto: IMAGO / IMAGO/ActionPictures
  • Bayern München auf Platz 3 in Europas Geldrangliste: Der FC Bayern München hat zwar den jährlichen Wettstreit um die deutsche Fußball-Meisterschaft in eine äußerst langweilige Angelegenheit verwandelt. Der deutsche Serien- und Rekordmeister sorgt aber immerhin dafür, dass Deutschland auch im europäischen Fußball-Geldadel vorne mitspielt: Hinter Manchester City und Real Madrid sind die Bayern der Verein mit dem dritthöchsten Umsatz in Europa. Mit 611 Millionen Euro in der Saison 2020/2021 haben die Bayern sogar den FC Barcelona hinter sich gelassen. Zweitstärkster Bundesliga-Verein ist Borussia Dortmund, der es mit 338 Millionen Euro auf Platz 12 des von der Beratungsgesellschaft Deloitte erstellten Rankings schaffte. Die Vereine erwarten für dieses Jahr steigende Umsätze, da sie nun wieder vor vollen Stadien spielen dürfen.

Herzlich, Ihr Kai Lange