Kai Lange

Der Montag im Überblick Mehr Druck auf Mitarbeiter und ein möglicher Deal bei Twitter

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit massiven Konflikten zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern, einer möglichen Einigung zwischen Elon Musk und Twitter und trickreichen Ölfirmen, die heimlich in Russland einkaufen.

Dass sich Unternehmen von Führungskräften und altgedienten Mitarbeitern trennen, ist normal. Doch Kündigungs- und Trennungsverfahren werden immer häufiger zu brutalen Konflikten – bei denen es deutlich härter zugeht als noch vor einigen Jahren. "Früher hat man sich im Trennungsfall zusammengesetzt und über die Modalitäten des Ausstiegs gesprochen", sagt der Berliner Arbeitsrechtler André Kasten. "Doch heute werden Kündigungsgründe konstruiert, die nur ein Ziel haben: Den Betroffenen unter maximalen Druck zu setzen."

Die Corona-Pandemie habe dazu beigetragen, dass sich Arbeitgeber und Angestellte vielfach entfremdet haben. Die Folge: Die Auseinandersetzungen werden im Streitfall noch härter. Wer sich gegen eine fristlose Kündigung wehren will, muss vor dem Arbeitsgericht klagen. Das kann Jahre dauern und viel Geld kosten. Viele Führungskräfte fallen dann in ein tiefes Loch, häufig kommen private Probleme hinzu.

Obwohl viele Betroffenen vor dem Arbeitsgericht gute Chancen haben, sich gegen eine Kündigung zur Wehr zu setzen, sollte der Gang vor Gericht gut überlegt sein: "Die Zeit läuft fast immer für den Arbeitgeber", sagt Rechtsanwalt Kasten im Interview mit manager magazin. Oft rate er dazu, sich rasch zu einigen und notfalls auf Geld zu verzichten – zum Wohle der Gesundheit.

Arbeitsgericht: Betroffene Arbeitnehmer haben häufig gute Erfolgschancen, sich gegen eine Kündigung zu wehren - doch dieser Prozess kann Jahre dauern

Arbeitsgericht: Betroffene Arbeitnehmer haben häufig gute Erfolgschancen, sich gegen eine Kündigung zu wehren - doch dieser Prozess kann Jahre dauern

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Elon Musk bei Twitter-Übernahme offenbar auf der Zielgeraden: Der Kurznachrichtendienst Twitter und sein Großaktionär Elon Musk kommen sich bei den Verhandlungen um eine Komplettübernahme offenbar näher. Der Tesla-Chef und reichste Mensch der Welt will Twitter für rund 43 Milliarden Dollar übernehmen und bietet Aktionären rund 54 US-Dollar je Aktie. Laut Insidern könnte sich das Twitter-Management noch am heutigen Montag auf einen Deal einigen und Musks Offerte unterstützen. Die Aktie von Twitter legte am Montag um mehr als 5 Prozent zu.

  • Deutsche Industrie erleichtert über Wahlergebnis in Frankreich: Der amtierende französische Präsident Emmanuel Macron hat sich in der Stichwahl klar gegen Marine Le Pen durchgesetzt und steht nun vor einer weiteren fünfjährigen Amtszeit. Vertreter der deutschen Industrie zeigten sich am Montag erfreut über das Ergebnis: "Wir sind erleichtert, dass Frankreich ein starker Partner in einer Zeit internationaler Krisen bleibt", erklärte BDI-Chef Siegfried Russwurm. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz schickte Glückwünsche an Macron.

  • Börsen erneut auf Tauchstation: Anleger rechnen damit, dass die US-Notenbank die Zinsen angesichts der hohen Inflation deutlich rascher anheben wird als noch zu Jahresbeginn geplant. Bereits im Mai erwarten Ökonomen einem ersten Zinsschritt. Der Dax setzte am Montag seine Talfahrt fort und fiel zeitweise erneut unter die Marke von 14.000 Punkten. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex rund 13 Prozent nachgegeben.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Angst vor Lockdown auch in Peking: Der Corona-Lockdown in der Millionenmetropole Shanghai sorgt seit Wochen für beunruhigende Szenen: Menschen in Quarantäne, die in ihren Wohnungen tagelang auf Nahrungsmittel und Medikamente warten. Bürger, die unter allen Umständen vermeiden wollen, in eines der großen Quarantäne-Sammellager gebracht zu werden. Nun wächst auch in Chinas Hauptstadt Peking die Angst vor einem Lockdown: Wegen einiger Dutzend Corona-Fälle wurden am Montag bereits 3,5 Millionen Menschen zum Corona-Massentest beordert. Aus Angst vor ähnlichen Zuständen wie in Shanghai kaufen die Menschen in Peking bereits die Supermärkte leer. Einzelne Bezirke wurden bereits mit Zäunen abgeriegelt.

Meine Empfehlung für den Abend:

Öltanker auf See: Wird russisches Öl auf See mit der Schiffsladung aus anderen Herkunftsländern vermischt, ist am Ende nicht mehr klar, woher die Tankerfracht eigentlich stammt

Öltanker auf See: Wird russisches Öl auf See mit der Schiffsladung aus anderen Herkunftsländern vermischt, ist am Ende nicht mehr klar, woher die Tankerfracht eigentlich stammt

Foto: Marcos Moreno/ dpa

Wie der Westen heimlich russisches Öl kauft: Viele westliche Unternehmen haben angekündigt, ihre Öl-Importe aus Russland massiv einzuschränken. Doch jüngste Daten zeigen, dass Russland zuletzt wieder mehr Öl an EU-Staaten verkauft hat. Dazu nutzen die Beteiligten einen simplen Trick, der schon früher Exporte aus sanktionierten Ländern wie dem Iran und Venezuela ermöglicht hat: Verschifft wird das Öl aus russischen Häfen zunächst mit angeblich unbekanntem Ziel. Auf See wird es dann zu größeren Schiffen gebracht, dort mit der Schiffsladung aus anderen Herkunftsländern vermischt. Am Ende ist nicht mehr klar, woher die Tankerfracht eigentlich stammt. Das kommt den Abnehmern zweifach zupass: Sie gelangen weiterhin an dringend benötigtes Rohöl und profitieren gleichzeitig von hohen Rabatten. Dass derlei "erfinderische" Unternehmen damit das Ziel der Sanktionen unterlaufen und Putin stärken, steht auf einem anderen Blatt.

Herzlich, Ihr Kai Lange