Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Der Mut der Klitschkos und mehr Mut zum Gas-Embargo

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Chefaktivistin der Klitschko-Brüder, die von Hamburg aus Hilfsgüter auf den Weg bringt, einer Top-Ökonomin, die ein Gas-Embargo nicht fürchtet und einem italienischen Reeder, der für die Lufthansa noch wichtig wird.

Tatjana Kiel organisierte einst die Boxkämpfe der Klitschko-Brüder. Heute ist Vitali Klitschko Bürgermeister von Kiew und kämpft gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Wladimir gegen die russischen Angreifer. Für Kiel Anlass genug, die Klitschkos auch beim wichtigsten Kampf ihres Lebens zu unterstützen: Mit ihrer Initiative "We are all Ucrainians" sorgt Kiel dafür, dass regelmäßig tonnenweise Hilfsgüter per Bahn in die Ukraine rollen und dabei helfen, die Not der Menschen dort zu lindern.

Kiel hält nicht nur täglich Kontakt zu den Klitschkos in Kiew. Als Geschäftsführerin des Coaching-Unternehmens Klitschko Ventures ist sie auch bestens in Deutschland vernetzt: Wladimir Klitschko gründete das Unternehmen, um sein Wissen in puncto Willenskraft und Motivation an Unternehmen weiterzugeben. Daraus entstand ein Kundennetzwerk mit mehr als 100 Firmen, das Kiel jetzt für Spenden und für die Organisation von Hilfsleistungen nutzt. Sie ist eine der Strippenzieherinnen der deutschen Ukraine-Hilfe. Zu den aktiven Unterstützern ihres Netzwerks zählen auch die Güterverkehrschefin der Deutschen Bahn, Sigrid Nikutta, sowie Raoul Rossmann, Sohn des Drogerie-Königs Dirk Rossmann. Allein in der ersten Kriegswoche haben Kiel und ihre Helfer mehr als 200 Tonnen Hilfsgüter auf den Weg gebracht. Wir stellen Ihnen die Chefaktivistin der Klitschko-Brüder vor.

Tatjana Kiel: Die Geschäftsführerin von Klitschko Ventures organisiert jetzt Hilfen für die Ukraine - und das höchst effektiv

Tatjana Kiel: Die Geschäftsführerin von Klitschko Ventures organisiert jetzt Hilfen für die Ukraine - und das höchst effektiv

Foto: Lisa Fritzsch / Klitschko Ventures

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • US-Inflationsrate steigt auf 8,5 Prozent: Die Preise in den USA sind im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent gestiegen. Das ist die höchste Teuerungsrate seit mehr als 40 Jahren. Damit steigt der Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve, die Zinsen noch rascher und stärker anzuheben als ohnehin geplant. Experten gehen für dieses Jahr von mindestens vier Zinserhöhungen aus. Auch in Deutschland nimmt die Inflation zu: Die Preise im Großhandel haben im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 23 Prozent zugelegt. Es ist das größte Plus seit Beginn der Berechnungen.

  • Milliardär Kühne erhöht Anteil an der Lufthansa: Der Unternehmer und Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne hat seinen Anteil an der Lufthansa verdoppelt. Mit 10,01 Prozent der Stimmrechte ist er nun zweitgrößter Aktionär der Fluggesellschaft. Größter Anteilseigner ist der Bund mit rund 14 Prozent. Kühne gehören bereits die Mehrheit an dem Logistikkonzern Kühne + Nagel sowie 30 Prozent an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd.

  • Anteilsverkauf belastet Deutsche Bank: Die Aktie der Deutschen Bank hat am Dienstag zeitweise um mehr als 10 Prozent nachgegeben. Anlass für den Kurssturz: Mit der Capital Group hat sich offenbar ein weiterer Investor von großen Aktienpaketen der Deutschen Bank getrennt. In der Nacht zu Dienstag waren über die US-Investmentbank Morgan Stanley rund 116 Millionen Aktien der Deutschen Bank zum Preis von 10,98 Euro pro Stück veräußert worden. Zuvor hatte die Capital Group noch mehr als 5 Prozent der Anteile an der Deutschen Bank besessen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Wirtschaftsweise Veronika Grimm: Ein Embargo für russisches Gas ist "handhabbar"

Wirtschaftsweise Veronika Grimm: Ein Embargo für russisches Gas ist "handhabbar"

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP
  • Mehr Mut zum Gas-Embargo: Wer sagt eigentlich, dass wir uns einen Lieferstopp für russisches Gas nicht leisten können? Die Top-Ökonomin Veronika Grimm, Mitglied der Wirtschaftsweisen, hält ein Gas-Embargo zumindest für "handhabbar". Natürlich wäre ein Embargo teuer und würde auch zu Einschränkungen in der Wirtschaft führen, erklärt Grimm im Interview mit dem manager magazin. Dennoch können wir das Mittel einsetzen, wenn nötig. Seit Beginn des Krieges habe die EU mehr als 35 Milliarden Euro an Russland gezahlt: Es sei wichtig, diese Zahlungen zu stoppen oder zumindest extrem zu reduzieren, sagt Grimm. Auch, wenn die deutsche Volkswirtschaft in eine ähnliche Rezession wie in der Corona-Pandemie zurückfällt. Das Ausmaß der Schäden hänge stark davon ab, wie gut wir uns auf einen Lieferstopp vorbereiten. Allein durch intelligente Energie-Einsparungen könnte die Hälfte der russischen Lieferungen kompensiert werden, rechnet die Ökonomin vor. Statt ein Gas-Embargo auszuschließen, sollte Deutschland schrittweise einen Weg finden, Wladimir Putin den Geldhahn zuzudrehen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Bei Schiffstaufen baut Gianluigi Aponte (zweiter von rechts) auf Sophia Loren (Mitte). Der milliardenschwere Reederkönig hält sich lieber im Hintergrund

Bei Schiffstaufen baut Gianluigi Aponte (zweiter von rechts) auf Sophia Loren (Mitte). Der milliardenschwere Reederkönig hält sich lieber im Hintergrund

Foto: Thomas Padilla/ AP
  • Gianluigi Aponte, Chef der Reederei MSC, ist vom Matrosen zum größten Reeder der Welt aufgestiegen. Der Boom der Containerschifffahrt hat ihm einen Geldregen beschert: Mit Ladeflächen für 4,3 Millionen Standardboxen und rund 17 Prozent Marktanteil hat der in der Nähe von Neapel geborene Aponte den Rivalen Møller-Maersk aus Dänemark überholt. Fachleute vermuten bei Apontes Reederei einen Vorsteuergewinn von 25 Milliarden Euro – alles zugunsten seiner Familie. Apontes Geldspeicher sind voll, und das Geld sucht nach Anlagen. MSC will die Mehrheit an der italienischen Fluglinie Ita Airways kaufen, der Nachfolgerin von Alitalia. Anschließend könnte der Reederkönig einen Pakt mit der Lufthansa schließen – und zu einem wichtigen strategischen Partner der deutschen Airline aufsteigen. Unser Kollege Michael Machatschke hat den einflussreichen Tycoon porträtiert: "Der gnadenlose König der Meere."

Herzlich, Ihr Kai Lange