Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Fragwürdige Luxustempel und Geständnisse bei Continental

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Absatzschwäche von Volkswagen, einer Milliardenklage gegen Elon Musk und Robotern für den Haushalt.

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Die Weltbörsen crashen heute mal nicht. Beides zusammengenommen erlaubt uns einen etwas entspannteren Start in den Tagesrückblick als Sie es zuletzt von uns gewohnt waren. Im Moment boomt ohnehin alles, was mit Entspannung und Wellness zu tun hat – der Alltag mit seinen weltpolitischen Krisen ist schließlich anstrengend genug. Deutschland ist einer Studie zufolge der am drittstärksten wachsende Spa-Markt der Welt, direkt nach den USA und China.

Findige Geschäftsleute wie der Kitzbühler Christian Harisch, Eigentümer der Lanserhof-Gruppe, wissen den Trend zu nutzen. Harisch hat sein Konzept aus den Alpen nach Sylt exportiert. In den Dünen lässt er gerade einen 125 Millionen teuren Wellness-Tempel der Superlative bauen. Geboten wird alles, was die moderne Wohlfühlmedizin hergibt: Meditation und Pilates, klar. Aber auch Cell Gym, Cold Chamber, Freshbed-Technology, Jetlite-Lichtkonzept, Mikrobiom-Check und DNA-Analyse.

Harischs Kunden, unter ihnen jede Menge stets hochleistungsbereite Selbstoptimierer, zahlen bereitwillig: Wer gewohnt ist, im Beruf hohe Investitionen für maximalen Erfolg einzugehen, der investiert auch gern in sich selbst. Unsere Autorin Sarah Lau hat sich unter den Gästen umgehört. Sie traf auf Menschen, die gerne bis zu 50.000 Euro ausgeben, um sich erläutern zu lassen, wie sie sich mit nächtlicher Meditation gegen Schlafprobleme wappnen können. Ihre Reportage finden Sie hier: "Der fragwürdige Boom der Luxus-Spas" 

Das Leben ist eine Baustelle: Seit November 2017 wurde am Sylter Lanserhof gebaut, bald soll er fertig sein

Das Leben ist eine Baustelle: Seit November 2017 wurde am Sylter Lanserhof gebaut, bald soll er fertig sein

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Daniel Reinhardt / picture alliance/dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Geständnisse bei Conti: Gestern hatten wir an dieser Stelle über den handfesten Diesel-Streit unter den Conti-Eigentümern  berichtet. Inzwischen hat sich die Lage weiter zugespitzt: Wie unser Kollege Michael Freitag bei der Staatsanwaltschaft Hannover exklusiv in Erfahrung gebracht hat, verdichten sich die Vorwürfe gegen führende Manager des Autozulieferers. Mehrere Ingenieure hätten ausführliche Geständnisse abgelegt und andere Beschuldigte belastet.  Die Staatsanwälte ermitteln in dem komplexen Fall unter anderem gegen vier ehemalige Vorstände, darunter die früheren CEOs Elmar Degenhart und Karl-Thomas Neumann. Die Vorwürfe lauten teils auf Beihilfe zum Betrug, teils auf Untreue.

  • Milliardenklage gegen Elon Musk: 258 Milliarden US-Dollar will ein enttäuschter Investor, der mit der Spaßwährung Dogecoin Verluste erlitten hat, von Tesla-Chef Elon Musk einklagen – das wäre mehr Schadensersatz, als der reichste Mann der Welt aktuell überhaupt an Vermögen besitzt. Der Kläger wirft Musk vor, er habe über Twitter den Kurs der Währung mit dem Hundelogo hochgetrieben und dann vom Absturz profitiert. Dogecoin war 2021 eine der heißesten Spekulationswetten.

  • Absatzschwäche bei VW: Der Autobauer Volkswagen hat auch im Mai deutlich weniger Fahrzeuge verkauft. Im vergangenen Monat lieferte der Konzern mit 658.300 Einheiten weltweit 23,5 Prozent weniger Pkw, Lastwagen und Busse aus als vor Jahresfrist. Damit war der Rückgang nicht mehr ganz so rasant wie im April, als der Absatz wegen des Halbleitermangels und der Lockdowns in China um 40 Prozent einbrach.

  • Klarnas Absturz: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" dürfte der Bezahldienst Klarna aus Schweden in seiner nächsten Finanzierungsrunde deutlich weniger Geld einnehmen als geplant. Ursprünglich hatte das Unternehmen auf eine Milliarde Dollar gehofft, nun sollen wohl nur 500 Millionen Dollar zusammenkommen. Klarnas Absturz steht für die gesamte Startup-Szene Europas, die von Inflation und steigenden Zinsen gebeutelt wird. Noch vor einem Jahr wurde Klarna mit mehr als 40 Milliarden Euro bewertet und galt als Europas wertvollstes Start-up. Heute dürfte der Wert auf 15 Milliarden Euro geschrumpft sein.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die gefährliche Wette des Ray Dalio: Wenn Star-Investor Ray Dalio spricht, hören die CEOs zu. Der Mann ist einer der mächtigsten Hedgefonds-Manager der Welt, schon weil sein Fonds mit 140 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen einer der größten ist. In Interviews prophezeit der Finanzmagier dem Westen meist düstere Zeiten. Nun wettet Dalio in großem Stil gegen Europas Konzerne. Er setzt auf fallende Aktienkurse bei der Allianz, BASF, Bayer, der Deutschen Börse und weiteren Dax-Werten. Die komplette Liste finden Sie hier.

Das Beste aus dem aktuellen "Economist":

  • Turbulenzen am Finanzmarkt: Ein massiver Einbruch der Aktienmärkte, wilde Anstiege am Anleihemarkt, dazu Notenbanken mit historischen Eingriffen – der Juni war turbulent wie lange nicht für die Börsen der Welt. Wie geht es weiter? Worauf müssen sich Investoren einstellen? Unsere Kollegen vom britischen Economist wagen in ihrer aktuellen Ausgabe einen Blick in die nahe Zukunft. Eins ist sicher: Dank rasender Inflation und steigender Zinsen stehen uns harte Zeiten ins Haus. Die komplette Analyse finden Sie heute auch bei uns. 

  • Krypto-Hasardeur: Nayib Bukele, Präsident von El Salvador und selbsternannter "coolster Diktator der Welt", hat wohl 50 Millionen Dollar Staatsgeld verzockt. Er machte 2021 den Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel in seinem Land. Seither verlor die Währung mehr als 70 Prozent ihres Wertes. Ein Lehrstück  über ein besonders irres Kapitel in der an Verrücktheiten nicht armen Welt der Digitalwährungen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Kein Held: El Salvadors Präsident Nayib Bukele als Animation auf der "Bitcoin Week" 2021 in seinem Land.

Kein Held: El Salvadors Präsident Nayib Bukele als Animation auf der "Bitcoin Week" 2021 in seinem Land.

Foto: JOSE CABEZAS / REUTERS
  • Staubsaugen, Wischen, Rasenmähen, den Grill reinigen und die Wohnung bewachen – immer mehr Unternehmen erweitern ihr Geschäft auf Roboter für den Haushalt. Bei Google, Amazon, Dyson und Samsung wird intensiv entwickelt, auch Tesla mischt mit. Gerade erst hat Dyson angekündigt, Roboterhände zu entwickeln, die nach Gegenständen greifen können. Damit sollen auch Hausarbeiten wie Wäschewaschen oder das Einräumen der Geschirrspülmaschine in Zukunft möglich sein. Traumhafte Zeiten! Unsere Kollegin Sina Osterholt hat sich umgesehen und zusammengetragen, was da Positives auf uns zurollt: "Das können die Haushaltshelfer der Zukunft"

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn