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Christoph Rottwilm

Der Mittwoch im Überblick Gründer am Abgrund

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Start-ups im Überlebenskampf, New-Energy-Firmen im Kostenstress und der Globalisierung im Rückwärtsgang.

Entlassungen und Kosteneinsparungen – das waren in den vergangenen Jahren Fremdwörter in der Welt junger, neu gegründeter Techfirmen. Solche Start-ups schossen weltweit wie Pilze aus dem Boden und wurden von Investoren mit dem nötigen Wachstumskapital nur so überschüttet. Doch das ist inzwischen Vergangenheit. In den vergangenen Monaten sind nicht nur die Aktienkurse der Technologiefirmen an der US-Tech-Börse Nasdaq eingebrochen. Auch den Jungfirmen, deren Anteile noch nicht öffentlich gehandelt werden, weht inzwischen ein eisiger Wind ins Gesicht.

Mit dem Zahlungsdienstleister Klarna sowie dem Lieferdienst Gorillas sind nur zwei prominente Start-ups genannt, die in jüngster Zeit mit groß angelegtem Stellenabbau Aufsehen erregten. Auch Investoren schalten in den Krisenmodus: Frisches Kapital ist nur noch schwer zu bekommen, berichtet unser Kollege Jonas Rest in seiner ausführlichen Beschreibung der Probleme in der Branche . Wenn die Geldgeber doch etwas überweisen, dann lediglich zu viel schlechteren Konditionen als noch vor einigen Monaten. Auch die einst hochgejagten Milliarden-Bewertungen vieler Start-ups sind inzwischen viel weiter unten und damit auf dem Boden der neuen Realität angekommen.

Apropos Gorillas: Die Massenentlassungen, mit denen der Lieferdienst in dieser Woche seine Mitarbeiter schockte, sind offenbar nur bedingt das Ergebnis einer freien Entscheidung von Firmenchef Kağan Sümer. Im Hintergrund haben Investoren massiven Druck ausgeübt, berichtet ebenfalls Kollege Rest . Den Geldgebern verbrennt Gorillas mit dem bisherigen Wachstumskurs offenbar schlicht zu viel Geld.

Massenentlassungen: Die Gorillas müssen plötzlich auf die Kosten achten

Massenentlassungen: Die Gorillas müssen plötzlich auf die Kosten achten

Foto:

Rolf Poss / IMAGO

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Zittern bei der Kaufhauskette: Der Warenhauskonzern Galeria hat schlimme Zeiten hinter sich. Nach überstandener Insolvenz will Vorstandschef Miguel Müllenbach endlich die Wende schaffen. Doch interne Zahlen, die unserer Kollegin Margret Hucko vorliegen , zeigen, wie schwierig das offenbar ist: Demnach musste das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresfehlbetrag in dreistelliger Millionenhöhe verbuchen. Auch im laufenden Jahr rechnet Müllenbach erneut mit Verlusten.

  • Streit um Oligarchengelder: Dank der Sanktionen gegen superreiche russische Unternehmer konnte die Europäische Union bereits Vermögenswerte im Volumen von insgesamt fast zehn Milliarden Euro einfrieren. Nun wird darum gerungen, was mit dem Geld geschehen soll. Die EU-Kommission möchte die Milliarden der Oligarchen gerne für den Wiederaufbau der Ukraine verwenden.

Was heute sonst noch wichtig war:

Strumpfhersteller in der Krise: Wolford-COO Andrew Thorndike hat die Kurve noch nicht bekommen

Strumpfhersteller in der Krise: Wolford-COO Andrew Thorndike hat die Kurve noch nicht bekommen

Foto:

Tamina-Florentine Zuch für manager magazin

  • Krise beim Modeunternehmen: 2018 stieg der chinesische Finanzinvestor Fosun beim Strumpfhersteller Wolford mit Sitz in Bregenz ein. Seither versprechen die neuen Herren im Haus, das kriselnde Unternehmen wieder auf Vordermann zu bringen. Doch das ist bislang nicht gelungen, und wie unsere Kollegin Hannah Steinharter berichtet , ist es auch fraglich, ob es jemals gelingen wird. Am heutigen Mittwoch wollte Wolford eigentlich seine Bilanz präsentieren. Doch die Veröffentlichung wurde bereits zum zweiten Mal verschoben. Das schürt bei Wolford neue Unruhe.

  • Unternehmen im Dilemma: Seit Ende Februar beherrscht der russische Angriff auf die Ukraine die Öffentlichkeit. In dieser Woche rückte zudem die Unterdrückung der Minderheit der Uiguren in China durch neue Enthüllungen einmal mehr in den Fokus. Unternehmen und ihre Topmanager müssen sich angesichts solcher Missstände mit moralischen Fragen auseinandersetzen. Welches ist der richtige Umgang mit Autokraten und Diktaturen? Siegfried Russwurm hat dazu eine klare Meinung. "Moral ist nicht käuflich", sagt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie im ausführlichen Interview mit unseren Kollegen Martin Noé und Christian Schütte. 

  • Probleme in der New-Energy-Branche: Der Klimawandel sowie der Krieg in der Ukraine machen fossile Energieträger zum Auslaufprodukt. Beste Zeiten also für Unternehmen, die Windkraft- oder Solaranlagen bauen, sollte man meinen. Doch vielen Firmen in der Branche geht es überraschend schlecht. Ursache dafür sind vor allem Rohstoff- und Teileknappheiten sowie gestiegene Kosten, wie unsere Kollegin Anna Driftschröer recherchiert hat .

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Logistik neu gedacht: Schon der ehemalige US-Präsident Donald Trump machte der Welt klar, dass sich die Globalisierung keineswegs nur in eine Richtung entwickelt - es geht vielmehr auch rückwärts. Der Krieg in der Ukraine hat diese Erkenntnis bestärkt: Lieferketten sind zusätzlich unter Druck geraten, manche Branche bekam Probleme wegen fehlender Bauteile aus dem Kriegsgebiet. Unter diesen Umständen müssen Unternehmen neue Strategien entwickeln, und die Kollegen vom Harvard Business manager beschreiben ausführlich, worauf es dabei ankommt. Sie finden das Stück auf manager-magazin.de .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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