Kai Lange

Der Montag im Überblick Ein Geldesel, ein Rücktritt und ein Phantom in Moskau

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Rücktritt in Berlin, einem Spezialauftrag für die KfW und einem flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstand, der angeblich in Moskau weilt.

Stefan Wintels ist ein Top-Banker der etwas anderen Art. Wenn Kollegen mit ihrem neuen Porsche prahlen, spricht Wintels über seine private Stiftung. In Frankfurt verzichtet er oft auf das Auto und fährt emissionsfrei mit dem Hollandrad. Nun muss der Banker mit dem Hang zur Weltverbesserung zeigen, was er in der Praxis draufhat: Seit Ende 2021 steht Wintels an der Spitze der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) - mit 547 Milliarden Euro Bilanzsumme die drittgrößte Bank Deutschlands.

Die KfW ist eine Institution aus den Anfängen der Bundesrepublik. Sie ist ein Produkt des Marshallplans. Mit günstigen Krediten half sie dem zerbombten Land auf die Beine und legte die Grundlage für das Wirtschaftswunder. Nun wollen Bundeskanzler Olaf Scholz, Finanzminister Christian Lindner und Wirtschaftsminister Robert Habeck die KfW zu einem ihrer wichtigsten Werkzeuge machen. Umbau der deutschen Industrie, so lautet ihr Arbeitsauftrag. Milliardenschwere Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung soll die KfW stemmen. Dafür braucht sie einen Milliardenetat und zusätzliche Geldquellen. Für den Ex-Investmentbanker Wintels ist das ein Heimspiel.

Seit dem Einmarsch Russlands ist das Projekt für den neuen KfW-Chef noch komplexer geworden. Allein das Hilfsprogramm für deutsche Unternehmen, die jetzt mit den Folgen der Russland-Sanktionen kämpfen, soll 100 Milliarden Euro umfassen. Unsere Kollegin Katharina Slodczyk beschreibt in einem Hintergrundbericht, wie Wintels die neuen Aufgaben meistern will - und ob er tatsächlich zum Geldesel der neuen deutschen Wunderbank werden kann.

Zu Diensten: Stefan Wintels soll die KfW zur deutschen Wunderbank aufpumpen

Zu Diensten: Stefan Wintels soll die KfW zur deutschen Wunderbank aufpumpen

Foto: Alex Habermehl

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Familienministerin Anne Spiegel tritt zurück: Die Grünen-Politikerin Anne Spiegel ist am Montag von ihrem Amt zurückgetreten. "Ich habe mich heute aufgrund des politischen Drucks entschieden, das Amt der Bundesfamilienministerin zur Verfügung zu stellen", erklärte die 41-Jährige. Spiegel war unter Druck geraten, weil sie kurz nach der Flutkatastrophe im Ahrtal als damals zuständige Umweltministerin einen vierwöchigen Urlaub in Frankreich verbracht hatte. Sie und ihre Familie hätten den Urlaub damals wirklich gebraucht, hatte Spiegel noch am Vorabend erklärt - und auf familiäre Probleme hingewiesen. Ihr Rücktritt ist der erste Rückzug einer Ministerin der Ampel-Koalition.

  • Wirtschaftsweise Wieland gibt Amt ab: In Deutschland spricht man gerne von den "fünf Wirtschaftsweisen". Doch der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung", wie das Gremium offiziell genannt wird, schrumpft ab Mai auf nur noch drei Mitglieder. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte sich der Freiburger Ökonom Lars Feld aus dem Rat verabschiedet, und die Bundesregierung konnte sich bislang nicht auf einen Nachfolger einigen. Nun verlässt auch der Frankfurter Ökonom Volker Wieland zum Ende des Monats den Sachverständigenrat - und kritisierte zugleich die schwierigen Arbeitsbedingungen im Gremium. Der Druck auf die Politik, möglichst rasch zwei neue Wirtschaftsweise zu berufen, ist damit deutlich gewachsen.

  • Baerbock fordert schwere Waffen: Die Ukraine braucht nach Ansicht von Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock schnell eine massive militärische Unterstützung. Dazu zählten auch schwere Waffen, so Baerbock. Bislang hatte Deutschland mit der Lieferung schwerer Waffen gezögert. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat der Ukraine unterdessen die Lieferung von Leopard I Kampfpanzern angeboten – unter der Voraussetzung, dass die Bundesregierung zustimmt.

Die Personalien des Tages:

Dringend gesucht: Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek hält sich angeblich in Moskau auf

Dringend gesucht: Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek hält sich angeblich in Moskau auf

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa
  • Jan Marsalek angeblich in Moskau: Seit der spektakulären Pleite des Zahlungsdienstleisters Wirecard ist Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek abgetaucht. Er gilt als Drahtzieher des Milliarden-Betruges. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll Marsalek angeblich in Moskau untergetaucht sein - und zusätzlich unter der Obhut des russischen Geheimdienstes FSB stehen. Der FSB habe dem Bundesnachrichtendienst BND im Vorjahr sogar ein Verhör Marsaleks angeboten. Die Bundesregierung wollte dazu keine Stellung nehmen.

  • Elon Musk macht einen Rückzieher: Tesla-Chef Elon Musk sollte nach seinem Einstieg als Großaktionär beim Kurznachrichtendienst Twitter eigentlich in den Verwaltungsrat des Unternehmens einziehen. So lautete zumindest der Wunsch von Twitter-Chef Parag Agrawal. Doch aus der operativen Mitarbeit Musks wird nun doch nichts: Der Tech-Milliardär hat sich nach kurzer Bedenkzeit dagegen entschieden, dem Verwaltungsrat beizutreten. Damit hat Musk theoretisch die Möglichkeit, seinen Anteil von derzeit 9,2 Prozent der Anteile weiter aufzustocken.

Meine Empfehlung für den Abend:

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Foto: DPA

Herzlich, Ihr Kai Lange