Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Russlands Gaswarnschuss und Deutschlands Konsumabsturz

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem warnenden Kreml-Chef, einem fordernden Aufsichtsrat und einem prüfenden Konzernchef.

Kremlchef Wladimir Putin statuiert ein Exempel und dreht den EU-Staaten Polen und Bulgarien den Gashahn zu. Beide Länder sind der Forderung Russlands nicht nachgekommen, ihre Gasrechnungen in Rubel zu bezahlen. Direkte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland haben die Maßnahmen nicht, gleichwohl sind sie ein deutliches Warnsignal an andere Gasimportländer in der Europäischen Union. In Brüssel wird angesichts des Krieges in der Ukraine nach dem bereits beschlossenen Kohle-Embargo auch über einen Boykott von Öl und Gas aus Russland diskutiert.

Die deutsche Bundesregierung lehnt Sanktionen gegen russisches Gas bisher ab. Die Abhängigkeit sei noch zu groß, um einen Lieferstopp verkraften zu können. Anders sieht es beim Öl aus. Schon in wenigen Tagen könnte Deutschland laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck vollständig auf Ölimporte aus Russland verzichten – und zwar dank einer neuen Kooperation mit Warschau. Wohl auch vor diesem Hintergrund hat Putin die Gaslieferung nach Polen eingestellt. Unsere Kollegin Anna Driftschröer hat für Sie die wichtigsten Fragen zu dem Lieferstopp für Polen und Bulgarien beantwortet.

Deutschlands Multiaufsichtsrat Karl-Ludwig Kley (Aufsichtsratschef bei Lufthansa und Eon) fordert unterdessen im Interview mit unserem Kollegen Martin Noé  im Fall einer Gasabschaltung Vorfahrt für die Industrie. "Die Politik sollte sehr ernsthaft darüber nachdenken, ob sie die Reihenfolge nicht umdreht und erst bei Privaten abschaltet und dann bei der Industrie." Schließlich hänge unsere gesamte Volkswirtschaft und damit auch die Einkommen der Menschen daran, dass die Industrie arbeitsfähig bleibt.

Mr. Deutschland AG: In der deutschen Wirtschaft ist kaum jeder besser vernetzt als Karl-Ludwig Kley

Mr. Deutschland AG: In der deutschen Wirtschaft ist kaum jeder besser vernetzt als Karl-Ludwig Kley

Foto: Emanuele Camerini für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Konsumklima auf Rekordtief: Der Krieg in der Ukraine und die Inflation in Deutschland belasten die Stimmung der Verbraucher. Wie stark, das wurde heute mehr als deutlich. Der Konsumklimaindex des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK ist mit minus 26,5 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1991 abgestürzt. Das bisherige Rekordtief aus dem Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 wurde damit noch einmal unterboten. Der Konsum als wichtige Stütze der Wirtschaft fällt wohl vorerst aus.

  • Quartalsbilanzen stützen Dax: Der Lieferstopp für russisches Gas an Polen und Bulgarien belastet den deutschen Aktienmarkt. Gute Quartalsbilanzen zahlreicher Dax-Konzerne verhinderten allerdings stärke Verluste. So fuhr die Deutsche Bank den höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren ein und übertraf damit die Erwartungen. Mercedes-Benz kann die Lieferengpässe mit hohen Preisen ausgleichen und freut sich über eine fette Umsatzrendite. Auch bei Puma, Qiagen und Symrise liefen die Geschäfte im ersten Quartal gut.

  • BASF beendet Russland-Geschäfte: Der Chemiekonzern stoppt wegen des Krieges in der Ukraine seine Aktivitäten in Russland und Belarus. Bisher hatte BASF nur keine neuen Geschäfte mehr in diesen Ländern abgeschlossen. Betroffen von der Maßnahme ist ungefähr 1 Prozent des Konzernumsatzes. Sehr viel abhängiger von Russland ist die Beteiligung Wintershall Dea, die dort 48 Prozent ihrer Produktion erzielt und an der BASF noch 67 Prozent hält. Hier erfahren Sie mehr über die heikle Russland-Connection von BASF .

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Ceconomy prüft Übernahme: Konzernchef Karsten Wildberger spielt nach Informationen unserer Kollegen Margret Hucko und Martin Mehringer den Kauf des niederländischen Rivalen Coolblue durch . Ein radikaler Schritt, um den Niedergang des schwächelnden Mutterkonzerns von Media Markt Saturn endlich zu stoppen. Vor allem das Digitalgeschäft bereitet dem ehemaligen Eon-Manager Wildberger Sorgen. Der niederländische Konkurrent würde sich daher anbieten, da Coolblue im Onlinehandel groß geworden ist.

Meine Empfehlung für den Abend:

"Der Typ einsamer Wolf wird abgelöst": Inzwischen sind Topmanagerinnen und -manager gefragt, die gut und gern im Team arbeiten

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Foto: Mankichi Shinshi
  • Die Anforderungen an Topmanagerinnen und -manager haben sich in den vergangenen Jahren radikal verändert. Im Fokus steht nicht mehr nur der Gewinn eines Unternehmens, sondern auch die Fortschritte im Bereich Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie die Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden. Führungskräfte müssen souverän genug sein, Fehler einzugestehen und gleichzeitig überzeugend genug, um akzeptiert zu werden. Wie Sie das am besten schaffen, erklärt Unternehmensberater Raoul Nacke im Gespräch mit unseren Kollegen vom Harvard Business manager .

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel