Eva Buchhorn

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit einem Debakel bei Johnson & Johnson

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Johnson & Johnson, Rewe, BASF, Zalando.

In Sachen Corona-Impfung häuften sich in letzter Zeit die Positivmeldungen. Beinahe jeder zweite Deutsche hat schon eine Dosis des Vakzins erhalten, allein heute wurden nach offizieller Statistik 1,2 Millionen Menschen geimpft. Damit das so weitergehen kann, kommt es auf die Zuverlässigkeit der Impfstoffhersteller an. Doch ausgerechnet einer der wichtigsten, Johnson & Johnson, schlittert nach unseren Recherchen gerade wieder in gravierende Probleme. Ein Auftragsfertiger, das Unternehmen Emergent Biosolutions in Baltimore, ist seit April wegen Schlamperei in der Produktion stillgelegt. Der Nachschub könnte knapp werden.

Das wäre nicht nur ein Drama für hoffende Impf-Anwärter, sondern auch für den Inhaber des Unternehmens: Der in Hildesheim aufgewachsene Deutschlibanese Fuad El-Hibri wollte mit der Impfproduktion eigentlich seine stolze Unternehmerkarriere krönen, die ihn bereits rund um die Welt geführt hat. Daraus könnte nun nichts werden. Was die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ihm vorwirft und wie Johnson & Johnson sich vielleicht doch aus der misslichen Lage retten könnte, erfahren Sie hier: Der Pharmagründer aus Hildesheim und sein Impfdebakel.

Stark unter Druck: Der Emergent-Gründer Fuad El-Hibri bei einer Anhörung des US-Kongresses am 19. Mai in Washington

Stark unter Druck: Der Emergent-Gründer Fuad El-Hibri bei einer Anhörung des US-Kongresses am 19. Mai in Washington

Foto: POOL / REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Neue Dynamik im Wettbewerb der Lebensmittel-Lieferdienste: Rewe denkt über einen Einstieg ins Schnellliefergeschäft nach. Die Supermarktkette prüft einen Einstieg in das Start-up Flink. Zur Rede steht die Beteiligung an einer Finanzierungsrunde, alternativ sind die Flink-Gründer aber offenbar auch einem Verkauf nicht abgeneigt. Rewe führt den Markt für Lebensmittel-Zustellungen bereits an, allerdings ohne die Speed-Variante.

  • BASF-CEO Martin Brudermüller baut ein bisschen um. Der Chemiekonzern will sich offenbar von seiner Beteiligung an dem Spezialchemiehersteller Solenis trennen und dafür bis zu fünf Milliarden Dollar einnehmen. Gemeinsam mit dem Finanz- und Mitinvestor Clayton Dubilier & Rice (CD&R) soll der Konzern derzeit verschiedene Ausstiegsoptionen prüfen. Die Börse brachte das nicht in Wallung, der BASF-Kurs blieb heute, wo er schon gestern war, bei 68 Euro.

  • Klimaaktivisten dürften sich durch ein heute bekannt gewordenes Urteil des EU-Gerichtshofs bestätigt sehen: Deutschland hat EU-Recht gebrochen, weil von 2010 bis 2016 (nur dieser Zeitraum wurde betrachtet) vielerorts Emissions-Grenzwerte überschritten wurden. Umweltschützer werden nun nach neuen Auflagen rufen. Nicht zuletzt wegen Corona ist die Luft in deutschen Großstädten aktuell gar nicht so schlecht. Dieser Richterspruch kommt zu spät.

  • Das Fliegen kommt zurück, aber in kleineren Flugzeugen, sagt Thierry Antinori, der die Branche kennt wie fast kein Zweiter. Bevor er als Strategiechef bei der staatlichen Qatar Airways anheuerte, war er Vorstand bei Lufthansa und Qatars Konkurrent Emirates. Meinem Kollegen Michael Machatschke hat er im Interview verraten , warum er trotz Corona-Krise positiv in die Zukunft blickt und was aus der Business-Class wird.

Managerin des Tages:

  • Diesen - zugebenermaßen kurzlebigen - Titel erhält von mir heute Astrid Arndt. Sie wirkt seit April als Personalvorständin bei Zalando und hat nun dem gesamten Unternehmen eine Woche bezahlten Sonderurlaub verordnet, als Anerkennung der "Leistung und Herausforderungen" der Lockdown-Monate. Vom 2. bis 6. August packt bei Europas größtem Modehändler also niemand Pakete, auch das Callcenter ist - so verstehen wir das jetzt mal hier - nicht besetzt. Wenn Sie sich die Daten direkt in den Kalender eintragen und brav vorbestellen, können Sie sogar noch dazu beitragen, dass die Rückkehr für die Zalando-Truppe nicht ganz so hart wird.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

In etlichen Unternehmen wird hinter den Kulissen schon intensiv die neue Arbeitsnormalität nach der Pandemie vorbereitet. Die zentrale Frage: Wie halten wir es mit dem Homeoffice? Bei der Antwort geht es nicht nur um Team-Zusammenhalt und Kultur, sondern auch um handfeste Rechtsfragen. Welche Kostenersparnis aufseiten des Arbeitgebers sind an die Belegschaft weiterzureichen? Wer haftet, wenn der mobil Arbeitende sich in der Kaffeepause in seiner Küche verbrüht? Mein Kollege Lutz Reiche hat bei den Spezialisten für Arbeitnehmerrechte nachgefragt: Verdi. Warum Bundesvorstand Norbert Reuter wenig von einem Recht auf Homeoffice hält, aber umso mehr von mobiler Arbeitszeiterfassung, können Sie hier nachlesen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Es muss nicht immer Bitcoin sein: Aktien von Luxusmarken wie LVMH (im Bild eine Boutique von Louis Vuitton) haben noch Potential

Es muss nicht immer Bitcoin sein: Aktien von Luxusmarken wie LVMH (im Bild eine Boutique von Louis Vuitton) haben noch Potential

Foto: ALY SONG/ REUTERS
  • Mein Kollege Mark Böschen kümmert sich in der mm-Redaktion um das Thema Geldanlage. Seine Suche nach den besten Anlagetipps führt ihn gelegentlich auch zu den Superreichen, die ihm ihre Finanzstrategien verraten. Manche dieser Menschen faszinieren nicht nur durch ihren kundigen Umgang mit Anlageproblemen, sondern auch durch ihre persönliche Geschichte. Vor kurzem sprach Mark mit Yoann Ignatiew, Spross eines russischen Grafengeschlechts, dessen Vorfahren dem Zaren dienten. Der Kosmopolit hat als Investor die ganze Welt im Blick - und ein paar gute Ratschläge  für Leute, die angesichts der wahnwitzigen Booms von Tech-Aktien nach Alternativen fahnden.

Nicht nur Ignatiew setzt derzeit klassisch auf solide Substanzwerte. Das tun auch etliche andere internationale Fondsmanager, die Mark zum Videogespräch traf. Die von ihnen empfohlenen Fonds und Einzeltitel bilden nahezu die gesamte Breite der Wirtschaft ab, vom Bahnbetreiber bis zum Luxuskonzern. Wenn auch Sie meinen, dass es jetzt mal genug ist mit der Rallye von Google und Co - hier finden Sie Verbündete .

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.