Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit den Vorteilen der Inflation

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit weiblicher Führungskompetenz, dem volkswirtschaftlichen Nutzen von Preissteigerungen und der Gelddruckmaschine namens Private Equity.

"Ein Blick in die Führungsetagen zeigt, dass wir noch nicht am Ziel sind", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Ansprache zum heutigen Weltfrauentag. "Es kann nicht sein, dass Frauen unsere Gesellschaften maßgeblich tragen und gleichzeitig nicht gleichberechtigt an wichtigen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt sind."

In Zahlen sieht das beispielsweise so aus: 4,9 Prozent der "Fortune 500"-CEOs sind Frauen. 2 Prozent der S&P-500-CEOs sind Frauen. Und in den 30 Dax-Firmen gibt es derzeit keine einzige Vorstandschefin.

Einen der vielen Gründe dafür entlarvt die aktuelle Forschung: Unbewusste Vorurteile gegenüber Frauen beeinflussen Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen. Sind die Frauen dann in Führungspositionen werden sie als genauso kompetent wie ihre männlichen Kollegen wahrgenommen – wenn nicht sogar als kompetenter. Zwei Führungskräfteberater erklären im Harvard Business manager ihre Untersuchungen, aus denen sich sowohl für Frauen als auch für Unternehmen eine Empfehlung ableitet: Mehr Mut bei Beförderungen! 

Wir beim manager magazin versuchen seit Jahren, die Frauen in der deutschen Wirtschaft sichtbar zu machen. Ein Mittel ist unsere jedes Jahr von einer prominenten Jury zusammengestellte Liste mit den 100 einflussreichsten Frauen. 

Fünf der 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft: Isabel Schnabel (EZB), Özlem Türeci (Biontech), Belén Garijo (Merck), Luisa Neubauer (Fridays for Future), Carla Kriwet (BSH Hausgeräte)

Fünf der 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft: Isabel Schnabel (EZB), Özlem Türeci (Biontech), Belén Garijo (Merck), Luisa Neubauer (Fridays for Future), Carla Kriwet (BSH Hausgeräte)

Foto: [M]: Stefan Boness / VISUM, Marzena Skubatz / laif, Bernd Hartung für manager magazin, Hans Christian Plambeck / laif, Henning Bode / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Steigende Inflationsraten sind gerade eines der großen Theman an den Finanzmärkten und bei Konsumenten – verbunden mit erheblichen Sorgen. Natürlich: Wenn Waren und Dienstleistungen teurer werden, sinkt der Wert des Geldes im Portemonnaie. Dabei gilt eine moderate Teuerung im Rahmen eines wirtschaftlichen Aufschwungs auch aus Sicht der Zinswächter als durchaus wünschenswert. So beträgt das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank nicht zufällig 2 Prozent (und nicht 0 Prozent). Die Vorteile steigender Preise erläutern Christoph Rottwilm und Christian Schütte: Die Inflation kommt - na und?!

  • Der Autozulieferer Mahle steckt in einer tiefen Unternehmenskrise, der nun ihr Vorstandchef zum Opfer fällt. Nach drei Jahren an der Spitze gibt Jörg Stratmann sein Amt auf. Mahle, der zu den Top 20 der weltgrößten Zulieferer zählt, trifft der technologische Umbruch besonders hart - seine Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor ist größer als bei den meisten anderen. Meine Kollegin Margret Hucko hat ins Innere der Firma geblickt, worauf ich an dieser Stelle gern noch einmal hinweise: Kolbenfresser – der Fall des Autozulieferers Mahle. 

  • Porsche stockt seine Beteiligung am kroatischen Elektro-Sportwagen-Bauer Rimac Automobili auf. Für weitere 70 Millionen Euro kommen die Stuttgarter nun auf 24 Prozent der Anteile. Hinter Rimac verbirgt sich eine faszinierende Geschichte, wie sie nur der derzeitige Umbruch möglich macht, den die Industrie erlebt. Wie sonst könnte sich ein junger Mann (Mate Rimac, 33) anschicken, in einem Land ohne eigene Autofabrik zu einem bedeutenden Zulieferer und bald auch Supersportwagenbauer zu werden. Lesen Sie selbst: Der Elon Musk des Balkan. 

  • Die Bremer Banktochter ist bereits geschlossen, jetzt flüchtet sich die Britische Greensill Capital in London in die Insolvenz. Für deutsche Kunden, darunter viele Kommunen, stehen nun 500 Millionen Euro im Feuer.

  • Das Impfen soll schneller gehen, verspricht Olaf Scholz. Laut dem Bundesfinanzminister sollen schon ab Ende März zehn Millionen Spritzen pro Woche die Corona-Krise beenden helfen, nachdem in der ersten Märzwoche gut 1,4 Millionen Impfdosen verabreicht wurden.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Während bei der Verfügbarkeit von Corona-Impfstoff in Europa bisher noch Luft nach oben ist, hat das Serum Institute of India seine Produktion enorm hochgefahren. Das Familienunternehmen will im Herbst fast die Hälfte des weltweiten Angebots herstellen, zu besonders günstigen Preisen. Der aktuelle "Economist" berichtet von der gewagten Wette. Schafft das Serum Institute die Milliardendosis? 

  • Viele Familienunternehmen sind Verlierer der Pandemie. Unser Kolumnist von Klaus Schweinsberg fordert nicht etwa mehr Staatshilfen zur Förderung des Mittelstandes, sondern macht der Politik einen Vorschlag in vier Einzelteilen: Eigenkapitalquote, Erbschaftsteuer, Eigenständigkeit und Entfesselung, eine "Formel E" für den Mittelstand. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Eine Formel mit Gewinngarantie lautet "2 + 20". Sie macht Private-Equity-Manager zu Multimilliardären. Sie steht für die von ihren Kunden gezahlten Gebühren von 2 Prozent auf das Fondskapital plus 20 Prozent Gewinnbeteiligung. Dank ihr wurden New Yorks Ober-Geldmanager so reich, dass sie Manhattans Wohnraum vergoldet und für andere unbezahlbar gemacht haben. Mein Kollege Mark Böschen hat die undurchsichtigen Angebote der Geldverwalter untersucht - seine Analyse zeigt, dass Anleger häufig fast 5 Prozent Gebühr pro Jahr zahlen. Die Milliardärsformel der Geldanlage. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying