Kai Lange

Der Montag im Überblick Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit melancholischen Häuslebauern, hoch motivierten russischen IT-Flüchtlingen und miesen Aussichten für Frankreichs Präsident Macron.

Wer in diesen heißen Junitagen vor der Kühltheke, an der Zapfsäule oder vor der Baugrube seines Eigenheims steht, hat allen Grund, melancholisch zu werden. Butter ist 80 Prozent teurer als vor einem Jahr, Benzin, trotz Tankrabatt, absurd teuer, und Holz, Baumaterial, Handwerkerstunden – kaum noch zu bezahlen. Mancher, des ewigen Vergleichs dieser dunklen Zahlenkolonnen müde geworden, mag nun an Rilkes "Herbsttag " denken und sich seinen eigenen Reim daraus machen. Ja, die Zeit des billigen Geldes war groß. Nun liegt ein Schatten auf den Börsenfluren. Die US-Notenbank Fed und ihre Falken sind los.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr? Unser Kollege Henning Jauernig hat mit der unabhängigen Finanzberaterin Stefanie Kühn besprochen, unter welchen Bedingungen der Traum von der eigenen Immobilie doch noch wahr werden kann. Trotz absurd hoher Hauspreise. Trotz gestiegener Bauzinsen von inzwischen wieder mehr als 3 Prozent. Und trotz eines erneuten Rekords bei den Erzeugerpreisen, die darauf hindeuten, dass die Inflation in Deutschland weiter steigen wird.

Leicht wird es für Häuslebauer nicht, sagt Kühn im Interview. Aber auch nicht unmöglich. Es dürften diejenigen bauen, die sich entscheiden, nicht um jeden Preis in überhitzten Regionen wie München oder Hamburg zu bleiben. Die anderen werden weiter wandern, wenn die Blätter treiben.

Ärger auf der Baustelle: Die Inflation wirft derzeit unzählige Kosten- und Zinskalkulationen über den Haufen

Ärger auf der Baustelle: Die Inflation wirft derzeit unzählige Kosten- und Zinskalkulationen über den Haufen

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Rückschlag für Macron: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei der Parlamentswahl eine schwere Niederlage erlitten. Sein Parteienbündnis verfehlte mit 345 Sitzen die absolute Mehrheit von 389 Sitzen deutlich. Gewinnerin des Wahltags ist die Rechtspopulistin Marine Le Pen, deren Partei auf 89 Sitze im Parlament kam. Macron ist während seiner zweiten Amtszeit nun zu Kompromissen mit den Links- und Rechtspopulisten gezwungen.

  • BMW mit Milliardeninvestition: Ab 2025 sollen am BMW-Standort im österreichischen Steyr die Elektro-Antriebe der nächsten Generation entstehen. Dafür investiert der Automobilhersteller rund eine Milliarde Euro. Durch die deutliche Ausweitung der Kapazität bleibt das Werk in Österreich der führende Antriebsstandort von BMW.

  • Warnung vor Krypto-Anlagen: Nach dem jüngsten Kurssturz von Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat der Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, die Anleger zu mehr Skepsis aufgerufen. Er warnt vor allem vor den hohen Renditeversprechen von sogenannten Krypto-Lending-Plattformen. Zuletzt war Celsius Network, ein Vermittler von Kryptowährungskrediten, in Schieflage geraten und hatte die Unsicherheit der Krypto-Investoren verstärkt.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Russlands IT-Flüchtlinge erobern Europa: Der Krieg hat Russlands boomende IT-Branche hart getroffen. Start-up-Gründer und Programmierer verlassen scharenweise das Land. Eine ganze Generation wagt einen Neubeginn – auf Zypern. Unser SPIEGEL-Kollege Benjamin Bidder ist nach Limassol gereist – und traf auf hoch motivierte Gründer. Seinen Bericht über Russlands versprengte IT-Branche lesen Sie hier.

Karriere-Tipp des Tages:

  • "Denkt doch mal neu! Seid doch mal mutig!" Wenn Sie solche Sprüche schon einmal in einem Kreativ-Meeting gehört haben, dann wissen Sie: Meist provoziert man damit keine neuen Ideen, sondern Fluchtreflexe. Meine Kollegen von manage > forward stellen in einem neuen E-Mail-Kurs gemeinsam mit der Berliner Innovationsagentur launchlabs Methoden vor, mit denen es besser geht: Kreativität für Unkreative – hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

Meine Empfehlung für den Abend:

Teslas Model-3-Werk in Freemont: Blaupause für eine gesamte Branche

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  • Spätestens seit die globalen Lieferketten unter Dauerstress stehen, will jeder in der Autobranche so produzieren wie Elon Musk. Einst boten Ford und dann Toyota die Blaupause für die Veränderung der Abläufe, nun ist der Elektroautobauer Tesla aus Kalifornien das Vorbild. Unsere Kollegen vom britischen "Economist" schildern detailliert, wie die Autobranche sich derzeit Tesla annähert. Der Prozess ist spät in Gang gekommen – doch er ist disruptiv. Was das alles für Tesla und für die deutschen Autobauer bedeutet, lesen Sie hier: Warum alle Tesla kopieren wollen.

Herzlich, Ihr Kai Lange