Kai Lange

Der Montag im Überblick Inflation und der Mut der jungen Männer

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Inflationsrisiken am Aktienmarkt, einer steigenden Zahl junger Aktionäre sowie einem Infineon-Chef, der zum Abschied eine fabulöse Börsenperformance aufweist.

Infineon-Chef zieht Bilanz: Fast zehn Jahre hat Reinhard Ploss den deutschen Chiphersteller Infineon geführt, im März hört er auf. Der Aktienkurs hat sich unter seiner Führung mehr als versiebenfacht: "Schön war´s!", ruft Ploss dann auch aus , als er im Interview mit manager magazin nach einem Resümee gefragt wird.

Ploss hat Grund zur Heiterkeit, denn die Siemens-Tochter Infineon hat eine äußerst bewegte Geschichte hinter sich. Siemens nutzte den Höhepunkt der Börseneuphorie in Deutschland, um seine Chipsparte im Frühjahr 2000 zu stolzen Preisen zu versilbern. Der damalige Chef Ulrich Schumacher fuhr damals im Porsche und im Rennanzug an der Börse vor. Nur wenige Monate später folgte der Absturz: Die Infineon-Aktie hat ähnlich tiefe Krater in die Depots der deutschen Privatanleger gerissen wie einst die Telekom-Aktie.

Von 2007 bis 2009 drohte gar die Pleite, die erst mit einer Kapitalerhöhung in letzter Minute abgewendet werden konnte. Als Ploss im Herbst 2012 antrat, war die Erholung bereits im Gang. Inzwischen ist Infineon der größte Chiphersteller in Deutschland und der wichtigste Ansprechpartner für die deutsche Autoindustrie, die endlich die Chipkrise hinter sich lassen will.

Ploss hat genaue Ideen, wie man die Chipindustrie in Europa stärken und die Abhängigkeit von Asien verringern kann. Einfach nur eine neue Chipfabrik hinzustellen, reiche nicht aus, sagt er: Nur wenn sich Chip-Produzenten und die heimischen Industrien eng verzahnen, könne man den stark steigenden Bedarf decken und den Unternehmen ihre Zukunft sichern. Wie Ploss sich künftig um diese Themen kümmern und den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft verbessern will, lesen Sie im Interview auf manager-magazin.de .

Wechselstimmung: Infineon-Chef Reinhard Ploss will nun auch politisch mitmischen

Wechselstimmung: Infineon-Chef Reinhard Ploss will nun auch politisch mitmischen

Foto: Axel Griesch / FinanzenVerlag Gmb / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Inflation frisst Rendite am Aktienmarkt: Der Norweger Nicolai Tangen ist Chef des größten Staatsfonds der Welt, 1,3 Billionen US-Dollar verwaltet er in dieser Funktion. In einem Interview stellte der Aktienprofi nun eine für Anleger besorgniserregende Analyse vor: Er sieht die hohe Inflation nicht als vorübergehend an. Anleger müssen sich weltweit auf niedrigere Renditen einstellen – und zwar für längere Zeit, warnt Tangen.

  • Junge Männer lieben Aktien: Trotz der jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten haben viele junge Menschen die Aktie als Anlageform für sich entdeckt. Die Zahl der Aktionäre unter 30 Jahren ist in Deutschland auf 1,5 Millionen gestiegen, hat das Deutsche Aktieninstitut errechnet. Damit gibt es so viele junge Aktionäre wie noch nie. Was die Expertinnen allerdings überrascht: Aktien bleiben oft Männersache, viele junge Frauen sind weiter skeptisch.

  • Ex-DFL-Chef steigt um: Christian Seifert hat sich erst vor wenigen Wochen von der Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) zurückgezogen. Nun entwickelt der 52-Jährige gemeinsam mit dem Axel Springer Konzern eine Streaming-Plattform. Seifert greift damit auch den Platzhirsch DAZN an.

Der Karrieretipp des Tages:

  • Wie vielen Projektteams gehören Sie an? Seien Sie sich sicher: Es werden noch mehr. Gutes Projektmanagement ist heute überall gefragt, sei es in Unternehmen, bei NGOs oder in Behörden. Wie gutes Projektmanagement gelingt – und welche Führungskompetenzen dafür unentbehrlich sind, darüber diskutieren wir in unserem nächsten OPEN HOUSE, dem Community-Talk des Harvard Business manager. Zu Gast ist Franzi von Kempis. Sie hat ihren Job als Daimler-Managerin pausiert, um ein Impfzentrum in Berlin mit aufzubauen. Sie diskutiert mit Management-Professorin Yvonne Schoper. Das 45-minütige Onlinevent beginnt am nächsten Dienstag, den 8. Februar um 18.30 Uhr. Hier können Sie sich kostenfrei anmelden.

Meine Empfehlung für den Abend:

Aus der Traum? Rund 200 Flugschüler:innen der Lufthansa kämpfen seit Monaten vor Gericht um ihre Zukunft

Aus der Traum? Rund 200 Flugschüler:innen der Lufthansa kämpfen seit Monaten vor Gericht um ihre Zukunft

Foto: Kike Arnaiz / Westend61 / Getty Images
  • Wie Nachwuchspiloten um ihren Traumjob kämpfen: Pilot bei der Lufthansa – für viele junge Menschen ist das ein Traumjob. Oder besser: War das ein Traumjob. Rund 500 Flugschülerinnen und Flugschüler der Airline wurden im ersten Corona-Herbst 2020 jäh aus ihren Träumen gerissen. Damals teilte ihnen der Leiter der konzerneigenen Flugschule in Bremen in dürren Worten mit: "Wir sehen keinen Sinn die Ausbildung fortzuführen. Wagen Sie den Schritt, sich beruflich neu zu orientieren." Viele Flugschüler haben nach diesem Corona-Schock die Ausbildung gewechselt. Doch einige von ihnen kämpfen weiter . Sie haben die Flugschule verklagt und wollen auf diesem Weg ihre teure und anspruchsvolle Ausbildung vollenden. Wir haben zwei von ihnen begleitet: Ob ihr Traum vom Fliegen noch eine Zukunft hat, lesen Sie in unserer Reportage.

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Herzlich, Ihr Kai Lange