Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit einem überraschenden V

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Comeback der deutschen Industrie, den Kündigungsdrohungen bei der Lufthansa und Zahlen von Siemens und Adidas.

wer ökonomische Indizien sucht, um auf die Frage "Wie geht's uns denn so?" antworten zu können, sollte einen Blick in die Auftragsbücher der deutschen Industrie werfen. Dort manifestiert sich recht früh, wie viel es in den Unternehmen zu arbeiten und zu verdienen gibt. Und nach vielen Wochen Corona-Blues offenbarte sich dort heute eine Überraschung. Zu sehen ist nämlich ein echtes V.

Die Bestellungen stiegen im Juni um 27,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat – so viel wie nie zuvor. Volkswirte hatten nur mit einem Plus von gut 10 Prozent gerechnet. Die Erholung komme "einen großen Schritt voran", betonte denn auch das Bundeswirtschaftsministerium. Insgesamt liegt das Niveau der Aufträge schon wieder bei gut 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Und wenn man schaut, wer für das Comeback sorgt: Wir selbst! Die Aufträge aus dem Inland sind deutlich stärker gestiegen als die aus dem Ausland – weswegen es auch noch dauern wird, bis wir bei 100 Prozent landen. Es handelt sich also um ein lupenreines Eigen-V.

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • Bei der Lufthansa ist man noch lange von einem V entfernt – eher: L wie Lufthansa. Im zweiten Quartal flogen im Vergleich zum Vorjahr nur noch 4 Prozent der Passagiere mit der Airline. Die Folge: ein Milliardenverlust auch im zweiten Jahresviertel. Das wiederum lässt Konzernchef Carsten Spohr den Sparkurs verschärfen. Seit heute ist klar: Betriebsbedingte Kündigungen hält er auch in Deutschland für unvermeidbar (bislang sollten die ja vermieden werden).

  • Deutlich besser lief es bei Siemens. Der Industriekonzern kommt recht robust durch die Corona-Krise, der Umsatz ging im zweiten Quartal nur leicht zurück. Und die guten Geschäfte der Digitalsparte sorgen dafür, dass der operative Gewinn sogar gestiegen ist.

  • Etwas besser als erwartet lief es auch bei Adidas. Allerdings heißt das hier: trotzdem mies. Vorstandschef Kasper Rorsted, erst gerade mit einem neuen 5-Jahres-Vertrag ausgestattet, meldete 306 Millionen Euro Nettoverlust. Immerhin: Zum Ende des Quartals lief es immer besser. Eine Prognose fürs Gesamtjahr wagte der Chef nicht, verbreitete aber trotzdem Hoffnung. Ob es nun zu einem Drei-Streifen-V kommt?

  • Der Krimi um Wirecard hat eine neue Wendung genommen. Christopher B., ein deutscher Geschäftsmann, der auf den Philippinen eine obskure Partnerfirma des Zahlungsabwicklers betrieb, wurde für tot erklärt. So berichteten es die Kollegen von "Financial Times" und "Handelsblatt". B. war einer der wichtigsten Kontaktleute des flüchtigen Ex-Vorstands Jan Marsalek und eine Schlüsselfiguren des Skandals. Unterdessen wollen die Wirecard-Mitarbeiter nun (reichlich spät) einen Betriebsrat gründen.

  • Jeff Bezos, reichster Mann der Welt, verkauft in großem Stil Amazon-Aktien. Ein günstiger Moment, denn der Börsenwert des US-Konzerns liegt mit mehr als 1,6 Billionen Dollar auf Rekordniveau. Das Aktienpaket hatte einen Wert von rund 3,1 Milliarden Dollar – Bezos bleibt größter Anteilseigner und, logisch, reichster Mann der Welt.

Was uns sonst noch wichtig war:

  • Die türkische Lira stürzt weiter ab – und ist nun so wenig wert wie nie zuvor. Stützungsversuche der Zentralbank werden fehlschlagen, sagen Experten und warnen: "Der perfekte Sturm ist zurückgekehrt." Wer kann, bringt sein Geld in Sicherheit. Die Hintergründe lesen Sie hier.

  • Die Strafverfahren im Dieselskandal weiten sich aus. Die Münchener Staatsanwälte haben Anklage gegen vier weitere frühere Topmanager von Audi erhoben.

  • Anders als die deutschen Autobauer Volkswagen, BMW oder Daimler hat der japanische Hersteller Toyota das Horrorquartal mit einem Gewinn abgeschlossen. Zwar verkaufte auch Toyota nur halb so viele Autos wie zuvor – aber immerhin blieben umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro hängen. Wie man in Japan sagt: Omedetō!

  • Apropos Toyota: Der Fußballclub AS Rom wird für fast 600 Millionen Euro an einen Toyota-Händler aus den USA verkauft. Ok, Dan Friedkin ist auch Milliardär und Investor. Aber reich geworden ist seine Familie eben im Autohandel. Nun versucht der Texaner sich zum ersten Mal im Sport.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Dass in Corona-Zeiten mit Pharma- und Biotech-Aktien Geld zu verdienen ist, ist klar. Die Aktienkurse der Impfstoffhersteller zucken bei jeder Meldung. Aber jenseits dessen bietet der Gesundheitssektor hochinteressante Chancen. Unser Portfolio-Kollege Mark Böschen stellt Ihnen die besten Healthcare-Aktien für Anleger  vor. Gentechnik, Big Data und personalisierte Medizin revolutionieren das Gesundheitswesen. Gerade von einigen Spezialisten aus Europa können auch Anleger profitieren. Und wie Sie es gewohnt sind, finden Sie in einer Tabelle auch die konkreten Aktien, die noch nicht überbewertet sind.

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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