Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__
Kai Lange

Der Freitag im Überblick Machtkampf bei der IG Metall und Döpfners Dienstleistungen für Elon Musk

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute: Warum die IG Metall sich neu erfindet, Ceconomy nicht zur Ruhe kommt, Geely aus China bei Aston Martin einsteigt und wie Mathias Döpfner für Elon Musk Twitter managen wollte.

Die IG Metall, mit zwei Millionen Mitgliedern Deutschlands größte Industriegewerkschaft, ist keine Interessenvertretung für Zaghafte. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann bleibt zum Auftakt der aktuellen Tarifrunde bei seiner Forderung von 8 Prozent mehr Lohn – auch wenn die deutsche Wirtschaftswelt derzeit orientierungslos durch die Energiekrise irrt. Angesichts der nun zweistelligen Inflation in Deutschland sieht Hofmann keinen Grund, die Linie zu ändern: Für ihn ist es das letzte Tarifgefecht, da er im Oktober nächsten Jahres seinen Platz räumt.

Die IG Metall hat eine Schlüsselrolle in Politik und Wirtschaft. Sie regelt die Löhne in rund 25.000 Metall- und Elektrobetrieben, den Herzkammern der deutschen Industrie. Über ihre Posten im Aufsichtsrat steuert sie den Wandel in vielen Großkonzernen mit. Sie bestimmt über das Wohl und Wehe vieler Vorstandschefs – sei es bei Volkswagen, Siemens, Mercedes oder Continental. Doch auch der IG Metall steht eine Revolution ins Haus.

Ausgangspunkt ist die Nachfolge für den scheidenden Chef: Sowohl Hofmanns Vorstandsvizin Christiane Benner als auch Bezirksleiter Roman Zitzelsberger aus Baden-Württemberg bringen sich für den Chefposten in Stellung. Erstmals könnte die Gewerkschaft dann von einer Doppelspitze angeführt werden. Ob eine Zweierspitze in der wohl mächtigsten Gewerkschaft der Welt funktionieren kann, hat unser Kollege Dietmar Student in einem Hintergrund-Report für Sie aufgeschrieben: IG Metall - wild entschlossen.

Im roten Gewand: Christiane Benner will IG-Metall-Chef Jörg Hofmann beerben

Im roten Gewand: Christiane Benner will IG-Metall-Chef Jörg Hofmann beerben

Foto:

[M] Thomas Pirot / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Geely steigt bei Aston Martin ein: Der chinesische Geely-Konzern nennt bereits die schwedischen Automarken Volvo und Polestar sowie die britische Marke Lotus sein Eigen. Auch bei Mercedes-Benz zählt Geely zu den größten Einzelaktionären. Nun ist Geely-Gründer Li Shufu auch bei dem britischen Luxusautobauer Aston Martin eingestiegen, der nicht nur für James Bond Autos baut. Geely hält nun knapp 8 Prozent an Traditionsmarke.

  • Inflation in Eurozone steigt auf 10 Prozent: Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der gesamten Eurozone haben sich die Verbraucherpreise im September um 10 Prozent gegenüber Vorjahr erhöht. Haupttreiber waren erneut die Preissteigerungen für Gas, Öl und Strom. Innerhalb der Eurozone ist die Inflation in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sogar auf 20 Prozent gestiegen.

  • Ceconomy kommt nicht zur Ruhe: Der einbrechende Konsum, Inflation, starker Dollar und Lieferkettenprobleme machen dem Elektronikhändler mit seinen Marken Mediamarkt und Saturn schwer zu schaffen. Investoren fliehen, die Aktie stürzt ab. Nach Finanzvorstand Florian Wieser verlässt nun auch der Finanzchef von Mediamarkt Deutschland, Daniel Bossert, das Unternehmen. Welche Chancen Ceconomy noch hat, den "perfekten Sturm zu überstehen", beschreibt unsere Kollegin Maren Jensen auf manager-magazin.de.

  • EU will Übergewinne bei Energiekonzernen abschöpfen: Die EU-Staaten haben sich angesichts der hohen Energiepreise auf ein Notfallpaket verständigt, um Strom zu sparen und Entlastungen zu finanzieren. Die zuständigen Minister unter Führung von EU-Energiekommissarin Kadri Simson einigten sich am Freitag darauf, dass Energieunternehmen künftig einen Teil ihrer übermäßigen Gewinne an den Staat abgeben müssen. Mit diesem Geld sollen Verbraucher entlastet werden.

  • Und Otto dreht die Heizung runter: Der Versandhandelsriese lässt nach Ankündigung von Konzernchef Alexander Birken die Temperatur herunterregeln, um Energie zu sparen. Auf nur noch 15 Grad.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das schwierige Fresenius-Erbe: Am Montag übernimmt der ehemalige Siemens-Manager Michael Sen offiziell den Chefposten bei Fresenius von seinem glücklosen Vorgänger Stephan Sturm. Einst war der Gesundheitskonzern eine Übernahme- und Renditemaschine, doch diese Zeiten sind vorbei. Sens Erfolg wird davon abhängen, wie schnell er Sturms schwierigste Hinterlassenschaft in den Griff bekommt: Das unter dem Dach von Fresenius Medical Care (FMC) zusammengefasste Dialysegeschäft. Welche Optionen Sen hat und welche Rolle FMC-Chefin Carla Kriwet dabei spielen wird, erklärt unser Kollege Dietmar Palan auf manager magazin.de.

Die besten Originaltexte aus dem aktuellen Economist:

  • Für das lange Wochenende empfehlen wir Ihnen ein bemerkenswertes Stück über Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping. Auf dem Parteitag ab Mitte Oktober will er sich bekanntlich wiederwählen lassen. Die Kollegen haben monatelang in seinem Umfeld recherchiert, mit zahlreichen Insidern gesprochen. Leitfrage war: Wie denkt einer der mächtigsten Männer der Weltgeschichte? Dieses umfassende Porträt ist das Ergebnis, samt eingeklinktem Video und Hinweis auf die parallel startende Podcast-Serie: Xi Jinping, der Prinz der Prinzlinge.

  • Die Zinserhöhungen der Notenbanken – angeführt von der amerikanischen Fed – stürzen die Finanzmärkte ins Chaos, vor allem an den Aktien- und Anleihemärkten ging es auch in dieser Woche hoch her. Und der Dollar? Steigt unaufhörlich. Es kann einem mulmig werden: Das System ist – so sehen es alle Experten – stabiler als noch vor der letzten Finanzkrise 2008, aber bei den aktuell wirkenden Kräften kann schnell etwas schiefgehen. Alle schauen gebannt auf Amerika, das neue Risiko fürs Weltfinanzsystem.

  • Apropos Risiko. Natürlich sind auch die Unternehmensanleihen von den aktuellen Turbulenzen betroffen (nicht nur bei Ceconomy, siehe oben). Die Kurse fallen dramatisch, Refinanzierungen werden schwieriger. Die Abrechnung mit den Schuldenmonstern der Firmenwelt hat begonnen.

Meine Empfehlung für den Abend:

A little help from Germany: Springer-Chef Mathias Döpfner bot offenbar Elon Musk an, Twitter zu managen

A little help from Germany: Springer-Chef Mathias Döpfner bot offenbar Elon Musk an, Twitter zu managen

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa
  • Wie Springer-Chef Döpfner Elon Musk umgarnte: Als bekannt wurde, dass Elon Musk Twitter kaufen wollte, herrschte helle Aufregung bei vielen Topmanagern, Bankern und Multimilliardären. Da Tesla-Chef Musk den Deal abgeblasen hat und Twitter juristisch dagegen vorgeht, werden inzwischen hunderte private Textnachrichten vor Gericht verhandelt. Daraus wird ersichtlich, dass Musks Smartphone kurz nach Bekanntwerden der geplanten Übernahme geradezu bombardiert wurde: auch von Mathias Döpfner, dem Chef des Axel Springer Verlags ("Bild"; "Welt"). Den Protokollen zufolge habe Döpfner Musk angeboten, Twitter für ihn zu managen und eine "wahre Plattform für freie Meinungsäußerung zu errichten". Musk habe die Idee "interessant" gefunden. Döpfner habe erwidert: "Ich meine das ernst. Es ist machbar. Es wird Spaß machen." Wie der Austausch weiterging und wer sich noch bei Musk in Sachen Twitter sonst noch alles andiente, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Herzlich, Ihr Kai Lange

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.