Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__
Christoph Rottwilm

Der Montag im Überblick Ein düsteres Gesamtbild

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Wirtschaft auf Rezessionskurs, einer Bayer-Managerin auf dem Weg nach oben und royalen Porträts auf Münzen und Banknoten.

Energieknappheit und Inflation, das sind die beiden zentralen Probleme der deutschen Wirtschaft in diesen Tagen. Wer noch einmal genau wissen möchte, woher sie rühren, bekommt heute eine deutliche Antwort vom Statistischen Bundesamt. Die Behörde hat Zahlen zum Handel zwischen Deutschland und Russland veröffentlicht. Wichtigste Erkenntnis: Deutschland importiert inzwischen zwar deutlich weniger aus Russland als vor einem Jahr (Energieknappheit!). Wegen der exorbitant gestiegenen Preise insbesondere für russisches Gas jedoch sind die Importe wertmäßig sogar angestiegen (Inflation!).

Zwar sank der Gaspreis zuletzt wieder. Ein Ende der Zuspitzung auf den Energiemärkten ist jedoch kaum in Sicht, wie auch Volkswirte meinen. Das Münchener Ifo-Institut etwa geht davon aus, dass die Preise demnächst noch stärker steigen als jetzt schon. Im Frühjahr 2023, so die Forscher heute in einer neuen Einschätzung, werde die Inflationsrate in Deutschland gar auf 11 Prozent steigen. Für die Gesamtkonjunktur drohen dadurch üble Folgen: Das Ifo-Institut erwartet 2022 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent und im kommenden Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. Im Klartext heißt das: "Wir gehen in eine Winter-Rezession", erklärt der Leiter der Ifo-Konjunkturforschung, Timo Wollmershäuser.

Damit rückt auch die zuletzt immer häufiger befürchtete Insolvenzwelle in den Fokus. Auch dazu gab es heute Zahlen vom Statistischen Bundesamt. Demnach gab es im ersten Halbjahr 2022 weniger Pleiten als im Vorjahr. Das bedeutet allerdings keineswegs Entwarnung: Im August, so die Statistiker, stieg die Zahl der Pleiten bereits kräftig an.

Energiekrise, Rezession, Pleitewelle – es ist ein düsteres Gesamtbild, das sich zurzeit zu den Aussichten der Wirtschaft zusammenfügen lässt.

Im Tunnel: Das Baugewerbe verzeichnet derzeit besonders viele Firmenpleiten

Im Tunnel: Das Baugewerbe verzeichnet derzeit besonders viele Firmenpleiten

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Das Drohpotenzial der Lufthansa-Piloten ist offenbar groß, denn sie haben sich im Konflikt mit ihrem Arbeitgeber wieder einmal durchgesetzt: Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Airline einigten sich auf deutlich mehr Gehalt für die Flugzeuglenker. Immerhin konnte das Unternehmen dabei auch einen Vorteil erzielen: Es gibt eine Friedenspflicht bis Mitte kommenden Jahres. Solange dürfen die Piloten bei der Lufthansa also erstmal nicht streiken.

  • Ende August endete der Tankrabatt der Bundesregierung, und die Tankstellenunternehmen zögerten keine Minute, zu ihren alten Gewohnheiten zurückzukehren: Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, befinden sich die Spritpreise in Deutschland bereits wieder auf ziemlich hohem Niveau: Kraftstoff ist in Deutschland momentan einmal mehr teurer als in allen direkten EU-Nachbarstaaten.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Der Klopapierproduzent Hakle wird vom wirtschaftlichen Auf und Ab heftig bewegt: In der Corona-Krise profitierte das Unternehmen noch von der hohen Nachfrage ängstlicher Verbraucher. Jetzt schlägt die Energiekrise zu und macht Hakle zum Sanierungsfall. Im Interview erklärt Firmenchef Volker Jung , warum das Unternehmen nun zahlungsunfähig ist – und wie er es retten will.

  • Auf 29 Milliarden Münzen und 4,5 Milliarden Geldscheinen Großbritanniens befindet sich das Porträt der verstorbenen Queen Elizabeth II. Das müssen die königliche Prägeanstalt Royal Mint sowie die Bank of England jetzt gegen ein Bild von König Charles III. austauschen. Die beiden Institutionen stehen damit vor einer Mammutaufgabe, wie sie auf manager-magazin.de nachlesen können.

Meine Empfehlung für den Abend:

Auf dem Weg in den Bayer-Vorstand? Marianne de Backer hat noch einiges vor

Auf dem Weg in den Bayer-Vorstand? Marianne de Backer hat noch einiges vor

Foto: Paulina Hildesheim für manager magazin
  • Als Marianne de Backer zu Bayer kam, stand es um den Konzern nicht zum Besten: Der US-Ankauf Monsanto bereitete größte Probleme und schwächte Konzernchef Werner Baumann an der Spitze. Zugleich fehlten neue Medikamente, die für Erfolge hätten sorgen können, und auch das Geld für Firmenübernahmen war knapp. Doch de Backer legte ordentlich los: Mehr als 40 Forschungs- und Entwicklungsallianzen handelte die Managerin bis heute aus. Zudem kaufte sie vier Biotech-Start-ups, für die sie insgesamt mehr als sieben Milliarden Dollar zusammenkratzte. Geht es nach der promovierten Biotechnologin, dann ist ihr Weg bei Bayer damit noch längst nicht am Ende: Wie Kollege Dietmar Palan in seinem Kurzporträt schreibt , macht sich Pharmachef Stefan Oelrich Hoffnungen auf die Nachfolge von CEO Baumann. Rückt Oelrich tatsächlich auf, so könnte de Backer seinen Posten übernehmen. Dann hätte sie es bis in den Konzernvorstand geschafft.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.