Lukas Heiny

manage:mobility Buzz und Boss

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Toni Piëch laufen die Starmanager davon.

  • Nickel-Alarm in der Autobranche.

  • Die glänzende Buzz-Premiere.

  • Deutschlands Elektroautoforscher im Interview.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Abgänge bei Piëch Automotive

Premiere: Dynastiespross Anton Piëch bei der Vorstellung seines Elektrosportwagens

Premiere: Dynastiespross Anton Piëch bei der Vorstellung seines Elektrosportwagens

Foto:

Uli Deck / picture alliance/dpa

Hinter dem Namen Piëch Automotive verbirgt sich eines der spektakulärsten Elektroauto-Projekte Europas. Anton Piëch (43), Sohn des Autopatriarchen Ferdinand Piëch, will 2024 einen puristischen Highend-Elektro-Sportwagen samt "Wunderbatterie" auf den Markt bringen. Dafür hatte er ein All-Star-Team um sich geschart: Der frühere Volkswagen-Chef Matthias Müller war dabei, Teslas früherer Europa-Chef Jochen Rudat, der langjährige Porsche-Manager Andreas Henke und als Investor sogar Silicon-Valley-Legende Peter Thiel. Inzwischen ist von der Truppe kaum wer übrig. Müller ist schon im vergangenen Herbst ausgestiegen, inzwischen sind nach unseren Recherchen auch Rudat und Henke komplett raus. Toni Piëch laufen die Starmanager davon.  Wird die Sache doch nicht so spektakulär?

Köpfe: Klaus Michael Kühne ++ Dirk Hoke ++ KT Neumann ++ Alan Prescott

  • Klaus-Michael Kühne (84), Logistik-Unternehmer und Investor, ist zum zweitgrößten Lufthansa-Aktionär nach dem Staat aufgestiegen. Sein 5-Prozent-Paket an der Fluglinie ist rund 350 Millionen Euro wert – Peanuts für einen der reichsten Deutschen.

  • Dirk Hoke (52), früher Rüstungschef bei Airbus, wird neuer Volocopter-CEO. Er soll das in Turbulenzen geratene Flugtaxi-Start-up stabilisieren, neue Investoren finden und, so der Plan, doch noch an die Börse bringen. Allerdings erst 2024. Dann, so der Plan, sollen die Maschinen über dem Pariser Olympia-Himmel kreisen.

  • Karl-Thomas Neumann (60), den man immer noch am besten als "Ex-Opel-Chef" vorstellt, zieht in den neuen Aufsichtsrat  des Elektroautobauers Polestar. Vor dem geplanten Mega-Börsengang tummeln sich dort künftig außerdem der scheidende Chef der Polestar-Mutter Volvo, Håkan Samuelsson, dessen Nachfolger Jim Rowan und Geely-Boss Daniel Li. Dazu kommen die Automanagerinnen Karen Francis und Carla De Geyseleer sowie Ex-Alibaba-Chef David Wei.

  • Alan Prescott, eigentlich unbekannter Vice President Legal bei Tesla, ist im vergangenen Jahr zu Luminar gewechselt, die mit ihrer Lidar-Technologie wesentlich zum autonomen Fahren beitragen wollen. Sein Gehaltspaket: fast 30 Millionen Dollar, wie aus SEC-Unterlagen hervorgeht.  Das sei ungefähr das, was er zuvor bei Tesla verdient habe, so das Unternehmen. Das nur als Service für alle Juristen unter Ihnen.

Unternehmen: Rohstoffe ++ Zulieferer ++ Ladesäulen ++ Deutsche Bahn ++

Schatz aus Russland: Nornickel ist Weltmarktführer für Nickel und Palladium

Schatz aus Russland: Nornickel ist Weltmarktführer für Nickel und Palladium

Foto: TATYANA MAKEYEVA / REUTERS
  • Nach den Chips und den Kabelbäumen werden in der Folge des Krieges in der Ukraine nun auch die Rohstoffe knapp. Die Preise für Nickel, Palladium und Aluminium – alle drei zu großen Teilen in der Autoindustrie im Einsatz – stiegen in dieser Woche auf Rekordniveau. Nun herrscht Alarmstimmung. Vor allem die Zulieferer werden die hohen Preise wohl nicht so leicht weitergeben können.

  • Unternehmen wie Continental und Schaeffler stehen ohnehin vor einem reichlich unsicheren Jahr. Beide präsentierten ihre Jahresergebnisse, Conti ein bisschen schwächer, Schaeffler ein wenig besser. Aber beide trauten sich keine Jahresprognose zu: Die Ukraine-Krise bremst die Produktion vor allem deutscher Kunden vorerst beträchtlich; also dürfen auch die Lieferanten nicht mehr liefern. Rund 20 Prozent Minus im Europageschäft erwarteten sie in den kommenden Monaten, berichten uns manche Zulieferer.

  • Die Folgen des Krieges zeigen sich auch an der Zapfsäule. Die Preise für Benzin und Diesel? Auf Rekordhöhen. Und selbst an der Ladesäule wird es teurer: Tesla hat europaweit die Preise erhöht, andere wie Fastned könnten bald nachziehen müssen, denn die Auswüchse am Spotmarkt schlagen direkt durch, wie uns der Chef Michiel Langezaal erklärt hat.

  • Die Deutsche Bahn und ihre Noch-Tochter DB Schenker haben einen "Korridor der Herzen" (Sigrid Nikutta) aufgebaut, um gemeinsam mit Partnern in Polen Hilfsgüter in die Ukraine transportieren zu können.  Gleichzeitig bringen die Züge des Konzerns so viele Flüchtende wie möglich in Sicherheit. Beeindruckend.

Neue Mobilität: Volkswagen ++ Pony.ai ++ Flixmobility ++ Gogoro ++

Buzz und Boss: Volkswagens neuer Elektrobulli und Konzernchef Herbert Diess (r.) bei der Premiere

Buzz und Boss: Volkswagens neuer Elektrobulli und Konzernchef Herbert Diess (r.) bei der Premiere

Foto:

JOHN MACDOUGALL / AFP

  • Für VW war es die wichtigste Modelleinführung des Jahres. Am Mittwochabend präsentierte der Konzern den elektrischen Bulli ID.Buzz – und geizte nicht mit großen Worten: Von einer "neuen Ikone" wurde geschwärmt, von dem Auto, "das VW in die Zukunft bringt" und natürlich von "love and happyness". Der Verkauf beginnt im Herbst. Eine "wichtige Säule in der Elektro-Offensive" sei der E-Bulli, sagte Konzernchef Herbert Diess (63). Wie wichtig, verriet er nicht. 130.000 ID.Buzz sollten im ersten vollen Produktionsjahr 2023 verkauft werden, berichten uns Insider; die Bestellungen ließen fast noch mehr erwarten. VWs Elektro-Bestseller 2021 war der ID.4 – mit knapp 120.000 verkauften Autos.

  • Das chinesisch-amerikanische Start-up Pony.ai, das unterstützt von Toyota eine autonom fahrende Autoflotte aufbauen will, wird nach einer weiteren Finanzierungsrunde nun mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet . Gerade in den USA lief bei Tests zuletzt nicht alles glatt. Aber das scheint die Investoren nicht zu bremsen.

  • Das Bus-und-Bahn-Unternehmen Flixmobility startet gerade die nächste Phase. Umwandlung zur SE, neue Führungsstrukturen, Offensive in den USA. Gründer und CEO André Schwämmlein erzählt im Podcast meiner Kollegin Christian Kyriasoglou, was er vorhat. Hören Sie rein.

  • Gogoro, ein milliardenschwer bewertetes Mikromobilitätsunternehmen aus Taiwan, ist berühmt für seine Wechselbatterien für Scooter oder E-Fahrräder. Nun hat CEO Horace Luke (51) den ersten Prototyp für eine Feststoff-Batterie produzieren lassen – mit angeblich 40 Prozent mehr Power  und Reichweite.

Deep Drive: Ein Forscher und seine Thesen

Der Physiker Patrick Plötz leitet beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI das Geschäftsfeld Energiewirtschaft. Er gilt als einer der führenden Experten in Sachen Elektromobilität. Kürzlich sorgte er mit seinen Thesen weltweit für Aufsehen. Wir haben mit ihm gesprochen:  Er erwartet eine Wachstumsdelle bei Elektroautos, hält die Brennstoffzelle im Wesentlichen für ein historisches Relikt und an eine Wunderbatterie glaubt er erst recht nicht. Dafür an "Freedom Cars" in Zeiten des Krieges.

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Zahl der Woche: 3966

So viele Patente hat im Jahr 2021 der weltgrößte Autozulieferer Bosch angemeldet – mehr als jedes andere Unternehmen in Deutschland. Es folgen: BMW (1860), Schaeffler (1806), Daimler und ZF (je 1315) und Volkswagen (1243), wobei die Konzerntöchter Audi (747) und Porsche (651) einzeln geführt werden. Die Top Ten sind samt und sonders Autobauer und Zulieferer, was die Erfinder-Power der Branche belegt. Die Spuren der Transformation sind dabei deutlich: Die Zahl der Patente rund um den Verbrennungsmotor sank 2021 um gut 15 Prozent – während sie bei Batterien und Brennstoffzellen um gut 20 Prozent anstieg.

Geisterfahrer der Woche

Twitter-King: Tesla-Boss Elon Musk mit seinem Arbeitsgerät

Twitter-King: Tesla-Boss Elon Musk mit seinem Arbeitsgerät

Foto:

JOE SKIPPER / REUTERS

Seit Jahren schön schlägt sich Tesla-Boss Elon Musk (50) mit der US-Börsenaufsicht SEC herum. Die Aufseher vermuten, dass der Dogecoin-to-the-moon-Influencer mit seinen aktuell 77,1 Millionen Twitter-Followern Irreführendes von sich gibt. 2018 hatten sie Musk auferlegt, seine Tweets vorab prüfen zu lassen. Der fühlt sich zunehmend schikaniert und will die Regel nun vor Gericht kippen lassen: Das Ganze sei in der Realität nicht durchführbar. Da mag er vielleicht sogar Recht haben, denn wie schrieb er im November selbst auf Twitter : "Mindestens 50 Prozent meiner Tweets entstehen auf einem Porzellan-Thron."

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny