Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Ein digitaler Meisterkoch und eine anspruchsvolle Chemikerin

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem milliardenschweren Rezept, einem naturwissenschaftlichen Gründergeist und Rekorden über Rekorden.

Es gibt wohl nur wenige, die in stressigen Zeiten von Homeoffice inklusive Kinderbetreuung nicht auch einmal auf sie zurückgegriffen haben: die an die Haustür gelieferten Kochboxen samt Rezept und den exakt dosierten Lebensmitteln für die Zubereitung eines schnellen Mittagessens.

Der Boom dieser Kochboxenversender in Zeiten der Corona-Pandemie hat auch viele Neueinsteiger angelockt. Schließlich benötigen Gründer weniger Anfangsinvestitionen als ein klassischer Lebensmittellieferdienst, die Boxen können per Post verschickt werden und durch die Vorausplanung wird kein großes Lager benötigt. Kein Wunder, das inzwischen weltweit mehr als hundert Unternehmen um die Gunst der Kunden buhlen.

Doch kein einziges ist so erfolgreich wie Hellofresh: Die Berliner sind nicht nur profitabler und um ein Vielfaches größer als alle Konkurrenten, sondern beherrschen auch den US-Markt. Inzwischen beliefert das Unternehmen weltweit mehr als sieben Millionen Kunden und hat sogar den Aufstieg in den deutschen Leitindex Dax geschafft. Doch warum ist Meisterkoch und Gründer Dominik Richter so erfolgreich, während praktisch alle anderen scheitern? Unser Kollege Jonas Rest nennt die Zutaten für den beispiellosen Digitalerfolg: "Das Milliarden-Dollar-Rezept ."

Meisterkoch: Hellofresh-Chef Dominik Richter hat den Berliner Kochboxversender zum weltweiten Marktführer gemacht – und in den Dax gebracht

Meisterkoch: Hellofresh-Chef Dominik Richter hat den Berliner Kochboxversender zum weltweiten Marktführer gemacht – und in den Dax gebracht

Foto: Jonas Holthaus/laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Rekordstau: Ganze viereinhalb Monate könnten deutsche Industriefirmen derzeit weiter arbeiten, ohne einen einzigen neuen Auftrag zu erhalten. Das hat das Ifo-Institut bei seiner Umfrage im April herausgefunden. So viele unerledigte Aufträge hatten die Unternehmen zuvor noch nie in ihren Auftragsbüchern. Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage und den gleichzeitigen Lieferengpässen kommen die Firmen mit ihrer Arbeit einfach nicht mehr hinterher.

  • Rekordpreis: Eine Tonne Weizen kostete am Montag an der Börse Euronext mit 435 Euro so viel wie nie zuvor. Der Preis hatte noch einmal zugelegt, nachdem Neu-Delhi am Wochenende wegen der extremen Hitze im Land ein Exportverbot für Weizen verkündet hatte. Indien ist der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt. Der Krieg in der Ukraine hatte bereits zur Verknappung des Getreides geführt und damit zu steigenden Preisen. Die G7-Staaten haben nun verschiedene Maßnahmen beschlossen, um einen weiteren Anstieg des Preises zu verhindern.

  • Rekordgewinn: Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco hat zu Jahresbeginn den größten Gewinn seit seinem Börsengang 2019 verzeichnet. Unter dem Strich sprang der Gewinn um 82 Prozent auf knapp 40 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen profitierte vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges von den steigenden Ölpreisen. Und während die Konkurrenz in Zeiten der Energiewende versucht, ihre Treibhausgasemissionen zu verringern, weitet Saudi Aramco seine Produktion sogar noch weiter aus.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

"Die reine Fachkarriere wird seltener": Arbeitsdirektorin Melanie Maas-Brunner über die Anforderungen bei BASF

"Die reine Fachkarriere wird seltener": Arbeitsdirektorin Melanie Maas-Brunner über die Anforderungen bei BASF

Foto: Andreas Pohlmann
  • Melanie Maas-Brunner mit hohen Anforderungen: Die Arbeitsdirektorin des Chemiekonzerns BASF fordert von ihren künftigen Mitarbeitern nicht nur eine solide fachliche Ausbildung, sondern vor allem interdisziplinäres Denken und digitales Verständnis. Schließlich seien die Naturwissenschaftler heutzutage viel stärker in die Diskussionsprozesse mit Kunden eingebunden, wie die promovierte Chemikerin unserer Kollegin Eva Buchhorn im Interview erzählt hat. Warum die 53-Jährige zudem Chemiker mit Start-up-Mentalität schätzt, erfahren Sie hier .

  • Carsten Kengeter mit ambitionierten Zielen: Nach seinem holprigen Abgang als Chef der Deutschen Börse mitten in einem Ermittlungsverfahren hat Kengeter eine Private-Equity-Firma gegründet . Der ehemalige Investmentbanker ist dabei um große Worte nicht verlegen: Er wolle mit seinen Investitionen die "Hebelwirkung der Finanzindustrie auf Ökologie und Ökonomie so nutzen, dass sie in Harmonie mit den Zielen der Gesellschaft steht und diese fördert." Na, dann...

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Vielleicht genießen Sie heute Abend Ihr Feierabendbier noch ein wenig mehr, nachdem Sie den Artikel meiner Kollegin Maren Jensen gelesen haben. Denn Deutschlands Bierbrauer befinden sich im Ausnahmezustand. Nach zwei Jahren Pandemie und sinkendem Bierkonsum hofften sie wieder auf volle Biergärten – doch die steigenden Rohstoff- und Lebensmittelpreise machen ihnen einen Strich durch die Rechnung. "Was gerade passiert, sprengt alle Dimensionen", beschreibt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, die aktuelle Lage. Die drastischen Kostensteigerungen müssten nun auf die Preise umgelegt werden. Ihr Feierabendbier könnte künftig also deutlich teurer werden. Na, dann. Prost!

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel