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Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Eine Zehn-Billionen-Dollar-App und eine 600-Milliarden-Dollar-Initiative

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer alles aufsaugenden Super-App, einem voll abhängigen Immobilienhändler und einem wenig effizienten Beratungsgespräch.

Seit zwei Jahrzehnten ist Googles Suchmaschine das unumstrittene Navigationssystem im Internet. Doch das Kerngeschäft mit der Onlinewerbung gerät zunehmend unter Druck. Andere Anbieter wie Amazon oder Booking.com decken spezielle Themengebiete besser ab, Googles Marktanteil ist in den USA zuletzt sogar geschrumpft.

Google-CEO Sundar Pichai muss daher dringend neue Geschäftsfelder erschließen – und setzt nun alles auf eine Karte: Google Maps. Die App soll das Navigationssystem für alles andere werden, ein Betriebssystem für das alltägliche, reale Leben. Friseur-Termin buchen, Sushi bestellen, Kinotickets buchen – all das soll künftig via Google Maps möglich sein.

Doch damit nicht genug: Google Maps soll die reale Welt in eine virtuelle Leinwand verwandeln – ähnlich wie in Facebooks Metaverse. Über die App können dann nicht nur die Eintrittskarten für ein Konzert gekauft werden, sondern auch Tickets für eine virtuelle Experience.

Sollten Pichais Pläne aufgehen, könnte Google die erste Zehn-Billionen-Dollar-Company der Welt werden, wie Marketingprofessor Scott Galloway von der New York University prognostiziert. Um Googles Super-App-Strategie zu decodieren, hat unser Kollege Jonas Rest mit zahlreichen Google-Managern, Konkurrenten und Kritikern gesprochen. Warum Google die Plattformökonomie eher dominieren könnte als jeder andere Techkonzern und mit welchen Funktionen Google Maps Geld verdienen soll, beschreibt er in einer ausführlichen Analyse: Wie Google die Zehn-Billionen-Dollar-App baut .

Mr. Google: CEO Sundar Pichai hat die Führung von Google vor knapp sieben Jahren übernommen. Seitdem hat er den Börsenwert des 1,5-Billionen-Dollar-Konzerns um rund 250 Prozent gesteigert.

Mr. Google: CEO Sundar Pichai hat die Führung von Google vor knapp sieben Jahren übernommen. Seitdem hat er den Börsenwert des 1,5-Billionen-Dollar-Konzerns um rund 250 Prozent gesteigert.

Foto: Erik Tanner / NYT / Redux / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • G7-Staaten geeint: Die sieben führenden demokratischen Industrienationen wollen China mit einer globalen Infrastrukturinitiative Konkurrenz machen. Die USA haben 600 Milliarden US-Dollar zugesagt, die EU rund 300 Milliarden und aus Japan kommen noch einmal 65 Milliarden Dollar. Das Projekt wird als Antwort auf Chinas Seidenstraße interpretiert, mit der die Volksrepublik Entwicklungsländer stärker an sich binden will. Warum sich das Treffen in dem bayerischen Schloss Elmau als wichtigster G7-Gipfel der Geschichte erweisen könnte, hat unser Kolumnist Henrik Müller hier für Sie aufgeschrieben.

  • EssilorLuxottica-Gründer gestorben: Leonardo del Vecchio ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Del Vecchio hatte 1961 das Unternehmen Luxottica gegründet und zu einem der weltweit größten Brillenhersteller mit Marken wie Ray-Ban und Oakley geformt. Vor fünf Jahren fusionierte er seine Firma mit dem französischen Unternehmen Essilor. "Forbes" schätzt sein Vermögen auf rund 25 Milliarden US-Dollar.

  • Weizenpreis gesunken: Der Preis für Weizen ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine gefallen. Hintergrund ist offenbar eine Entscheidung der ägyptischen Regierung, die Weizenimporte deutlich zu senken. Das nordafrikanische Land ist ein wichtiger Importeur für Weizen aus der Kriegsregion.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Corestate am Abgrund: Jahrelang profitierte der Luxemburger Immobilienhändler von seinen Verbindungen zur Adler Group. Doch seitdem der Immobilienkonzern in Schwierigkeiten steckt, spitzt sich die Lage auch für Corestate zu. Denn das Unternehmen erhielt indirekt Erträge aus den Adler-Geschäften. Inzwischen ist der Börsenwert von einst 1,2 Milliarden Euro auf einen Bruchteil zusammengeschmolzen, allein seit Jahresbeginn verlor die Aktie 88 Prozent an Wert. Die Prüfer von EY testieren bereits eine gefährdete Unternehmensfortführung , wie unser Kollege Dietmar Palan herausgefunden hat. Und die haben ja bekanntlich einen besonderen Grund zur Vorsicht.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Mitarbeiter am Ende: Viele Beschäftigte kündigen derzeit – und was machen die Unternehmen? Versuchen hektisch überall neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und die noch Anwesenden mit alten Tools wie Gehaltserhöhungen oder mehr Flexibilität bei der Arbeit zum Bleiben zu bewegen. Armin Trost, Professor für Personalmanagement an der Hochschule Furtwangen, hält das für ziemlich wirkungslos. Er zeigt den Unternehmen sieben Irrtümer  über Mitarbeiterbindung auf.

  • Übrigens, Armin Trost und seine Thesen können Sie am 30. Juni live und kostenlos erleben: bei unserem Community-Event Open House, dem virtuellen Community-Talk des Harvard Business manager. Dort können Sie ihm und Nicole Kobjoll, der Geschäftsführerin des Hotels Schindlerhof in Nürnberg, Ihre Fragen stellen. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

Meine Empfehlung für den Abend:

Hätte ich doch bloß nicht...: Viele Finanzprodukte sind nicht gerade renditestark, aber teuer

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Foto: VioletaStoimenova / Getty Images
  • Berater auf Abwegen: Stellen auch Sie gerade angesichts der steigenden Inflation und der nervösen Aktienmärkte einmal wieder ihre Altersvorsorge und Versicherungen auf den Prüfstand? Und haben Sie dazu bereits einen Termin bei einem Berater Ihres Vertrauens vereinbart? Vorher sollten Sie vielleicht noch einmal einen Blick auf das Interview werfen, das unser Kollege Lutz Reiche mit dem Verhaltensökonomen Hartmut Walz geführt hat. Dieser ist nämlich der Meinung, dass sich Beratung im Kundeninteresse und provisionsbasierter Finanzvertrieb im Grunde ausschließen. Mit welchen Tricks die Verkäufer arbeiten und was Sie in Ihrem Gespräch unbedingt beachten sollten, erfahren Sie hier.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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