Lukas Heiny

manage:mobility Im Schatten des Kabelbaums

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Der Krieg und die Folgen für die Autoindustrie.

  • Daniel Kirchert und der Abstieg eines vermeintlichen Elektrosuperstars.

  • Volkswagen und das neue Trinity-Werk.

  • Ford und die Bad Bank für Verbrenner.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Die Kriegs-Taskforces der Autobauer

Stopp in Zwickau: In Volkswagens Elektrofabrik stehen die Bänder schon still

Stopp in Zwickau: In Volkswagens Elektrofabrik stehen die Bänder schon still

Foto:

Hendrik Schmidt / DPA

Kabelbaum und Zündkabelsatz – das waren bis zur vergangenen Woche keine Worte, die irgendwelche Emotionen ausgelöst hätten. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine aber kennt sie fast jeder in der Autoindustrie. In Europa stehen wegen des Mangels eben dieser Bauteile sehr wahrscheinlich bald einige der größten Fabriken still. Hektisch arbeiten Taskforces an Lösungen – doch so schnell lässt sich das Problem nicht lösen. Die Engpässe "dürften sich über Wochen ziehen", hat uns ein Insider erzählt; es könnten aber auch Monate werden. Die Arbeit der Kriegs-Taskforces. 

Köpfe: Daniel Kirchert ++ Ralf Brandstätter ++ Birgit Dietze ++ Ronald Pofalla

Star Appeal: Als Byton-Mitgründer und -Chef wurde Daniel Kirchert berühmt, bei Evergrande lief anschließend nicht alles nach Plan

Star Appeal: Als Byton-Mitgründer und -Chef wurde Daniel Kirchert berühmt, bei Evergrande lief anschließend nicht alles nach Plan

Foto:

Bridget Bennett/Bloomberg / Bloomberg via Getty Images

  • Daniel Kirchert (48), Ex-BMW-Manager und Ex-Byton-CEO, ist nun auch Ex-Evergrande-Wirbler. Vor einem Jahr hatte der Star der neuen Autowelt in China bei der Elektrotochter des Immobilienriesen angeheuert. Der Laden war da eine der wertvollsten Autofirmen, stolze 14 Modelle waren in Planung, Ziel: weltgrößter Elektroautobauer. Inzwischen ist der Glanz verflogen – und Kirchert wieder weg.  Stern verglüht.

  • Ralf Brandstätter (53), Markenchef von VW, bekommt (wenige Monate bevor er nach China geht und nach vielen Monaten Diskussion) das ersehnte neue Trinity-Werk. Gebaut wird in Warmenau; direkt außerhalb der Wolfsburger Backsteinmauern. Der Vorstand ist sich einig, schon am Freitag soll der Aufsichtsrat entscheiden. Hier die Details. 

  • Birgit Dietze (49), IG-Metall-Chefin für Berlin-Brandenburg-Sachsen, ist ebenfalls auf Tesla fixiert. Sie beglückwünscht den neuen Betriebsrat in Grünheide: eine "gelungene Premiere" . Zwar war die Gewerkschaft nicht mit eigener Liste angetreten. Die der Tesla-Geschäftsführung nahestehende Liste "Gigavoice" aber erhielt überraschenderweise weniger als 50 Prozent der Stimmen (aufgrund der Wahlregeln aber 10 von 19 Sitzen).

  • Ronald Pofalla (62) verlässt den Vorstand der Deutschen Bahn, offiziell auf eigenen Wunsch. In seinem Kommentar legt mein Kollege Michael Machatschke dar, dass Pofalla eher einem Rauswurf zuvorkam. Eine Abrechnung mit der Reizfigur P.

Unternehmen: Ford ++ Stellantis ++ Lucid ++ Lordstown

Weg mit Blue Ford: Konzernchef Jim Farley

Weg mit Blue Ford: Konzernchef Jim Farley

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REBECCA COOK / REUTERS

  • "Wir gehen all-in", sagt Ford-Chef Jim Farley (59) zum radikalen Umbau. Er spaltet den Autobauer in zwei Unternehmen – Ford Model e und Ford Blue, Elektro und Verbrenner. Unter einem Dach zwar, aber mit eigenen Berichtslinien, eigenen Chefs, eigenen Bilanzen. Wo die größeren Hoffnungen liegen, sieht man schon daran: Farley selbst wird parallel zur CEO-Rolle Chef der Elektroeinheit. Die Verbrenner-Bad-Bank überlässt er anderen.

  • Kollege Carlos Tavares (63) hat für Stellantis ebenfalls seine Langfriststrategie vorgestellt. Das Bemerkenswerte: Tavares war bislang eher ein Elektrobremser, das Transformationsgetöse von Konkurrenz und Politik zu laut und schnell. Jetzt will er alle überholen: Stellantis soll bis 2030 komplett elektrisch fahren und ab 2038 CO2-frei sein.

  • Dass der Aufbruch in die Elektrozukunft nicht ganz so easy ist, wie es in den Hochglanzbroschüren für die Investoren oft scheint, zeigt sich bei Lucid Motors. Bei Vorlage der Geschäftszahlen  zeigte sich: Produktionsziel für 2022 um schlappe 40 Prozent auf 12.000 bis 14.000 gekappt – und bislang haben überhaupt gerade mal 400 Lucids die Fabrik verlassen. Dazu: eine neue Fabrik in Saudi-Arabien!  Leise Zweifel machen sich breit. Die 90-Milliarden-Dollar-Bewertung vom Herbst ist auf 40 Milliarden zusammengeschnurrt.

  • Lordstown Motors – genau wie Lucid einst per Spac an die Börse katapultiert – hat einen wichtigen Investor verloren. US-Autobauer General Motors hat alle Anteile verkauft.  

  • Und: Die "Felicity Ace" ist nun doch gesunken. Das Feuer auf dem brennenden Frachter vor den Azoren war zwar gelöscht. Aber bei der Bergung kam der Wind. Nun liegen tausende VWs, Porsches, Bentleys und Lambos auf dem Grund des Meeres. Gewiss ein Schatz für künftige Archäologen.

Noch mehr Mobilität: Sixt ++ Europcar ++ Lilium ++ Revel

Gute Laune: Unternehmenschefs Brüder Alexander und Konstantin Sixt

Gute Laune: Unternehmenschefs Brüder Alexander und Konstantin Sixt

Foto:

Wolfgang von Brauchitsch

  • Der Autovermieter und Mobilitätsdienstleister Sixt feiert den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte. "Man kann behaupten, dass wir die Krise als Chance genutzt haben", freute sich Co-Chef Konstantin Sixt (39). Das Rezept? Kosten runter, Preise rauf. Und die Mitarbeiter in ihrem Technikzentrum in der Ukraine haben die Sixt-Brüder fast komplett evakuiert.

  • Die 2,9-Milliarden-Euro-Übernahme des Konkurrenten Europcar, der in den Zukunftsplänen von Volkswagen eine zentrale Rolle spielt, verzögert sich derweil. Dem Konsortium um VW, den französischen Mobilitätsanbieter Pon und den britischen Vermögensverwalter Attestor fehlen immer noch Genehmigungen.

  • Zum ersten Mal seit dem Börsendebut blickte der Jetentwickler Lilium auf das Geschäftsjahr zurück. CEO Daniel Wiegand (36) erklärte sich den Investoren.  Learnings: 1. Das Kapital ist 2021 um 217 Millionen Euro geschrumpft, 400 Millionen sind noch übrig. 2. Das technische Konzept für das senkrechtstartende Flugtaxi wird überarbeitet und die Zahl der Turbinen von 36 auf 30 reduziert. 3. Auch das Geschäftsmodell möchte man offener gestalten: Statt Passagierkabinen mit 6 Sitzen soll es auch Varianten mit weniger Sitzen oder reinem Frachtraum geben. Ob das reicht, um neue Investoren und die Aufsichtsbehörden zu überzeugen?

  • Das US-Start-up Revel, das öffentliche Schnellladesäulen erreichten will, hat 126 Millionen Dollar Finanzierung erhalten  – angeführt von BlackRock Renewable, die in Europa bekanntlich auch mit Daimler Truck ein gemeinsames Ladenetz aufbauen.

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Zahl der Woche: 798 Millionen

So viel Euro zahlte der Staat seit 2016 allein, um den Kauf oder das Leasing von elektrischen Volkswagen-Modellen zu unterstützen. Für die Förderung von Renault-Modellen flossen 441 Millionen Euro, für E-Mercedes 406 Millionen, für BMW rund 339 Millionen – und für Tesla gut 304 Millionen Euro. Insgesamt verteilten sich die 4,6 Milliarden Euro an staatlicher Förderprämie auf 965.000 Anträge.

Auftritt der Woche:

Mehr als Auto: Die Herbst/Winter-Kollektion von Ferrari

Mehr als Auto: Die Herbst/Winter-Kollektion von Ferrari

Foto: Vittorio Zunino Celotto / Getty Images

Im vergangenen Jahr hatte Ferrari ein ambitioniertes Projekt angekündigt. Eine eigene Modelinie. Nun führte der Sportwagenbauer die Kollektion erstmals im Kreise der großen italienischen Designer vor. Im Rahmen der Mailänder Fashion Week zeigte Kreativdirektor Rocco Iannone mehr als rote Renn-Overalls. Hier sehen Sie das Video der Show .

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny