Christoph Seyerlein

manage:mobility Tutto o niente - alles oder nichts bei Ferrari

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Hitze hat uns gerade fest im Griff. Zeit für etwas Abkühlung, auch bei manage:mobility legen wir eine dreiwöchige Sommerpause ein. Bevor es so weit ist, haben wir heute aber noch einmal jede Menge Mobilitätsinsights im Angebot:

  • Warum Ferrari die größte Wette der Autobranche eingeht.

  • Wie sich Tesla im zweiten Quartal geschlagen hat.

  • Weshalb Boeing einfach nicht aus der Krise kommt.

  • Welchen Managementstil Volkswagen- und Audi-Vorständin Hildegard Wortmann wirklich pflegt.

  • Welche teuren Folgen das Software-Chaos bei Cariad nach sich zieht.

Top-Thema: Ferrari und die größte Wette der Autoindustrie

Schnelldenker trifft Schnellfahrer: John Elkann bei einem Formel-1-Rennen in Aserbaidschan im April 2019. Er will Ferrari umkrempeln.

Schnelldenker trifft Schnellfahrer: John Elkann bei einem Formel-1-Rennen in Aserbaidschan im April 2019. Er will Ferrari umkrempeln.

Foto: Mark Thompson / Getty Images

Ferrari – das ist der Inbegriff für teure, extravagante, PS-starke Sportwagen, natürlich mit Benzinmotor. Die Marke ist ein Mythos. An der Börse ist das Unternehmen pro verkauftem Auto fast 170-mal so viel wert wie BMW. Dennoch steht nun ein radikaler Umbau an: Ferrari soll künftig elektrische Supersportwagen bauen – und gleichzeitig in die digitale Ära starten. Kann das bei Italiens Nationalheiligtum gutgehen? Meine Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag haben sich auf die Spur der größten Wette der Autoindustrie begeben .

Köpfe: Hildegard Wortmann ++ Elon Musk ++ Scott Keogh

"Wahnsinn, this Frau!" Über Volkswagens Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann haben schon viele gestaunt – aber es sind längst nicht alle begeistert

"Wahnsinn, this Frau!" Über Volkswagens Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann haben schon viele gestaunt – aber es sind längst nicht alle begeistert

Foto:

Dirk Bruniecki / DER SPIEGEL

Unternehmen: Cariad ++ Volkswagen ++ Porsche ++ Tesla

Nicht schon wieder: Softwarechaos wird für Volkswagenchef Herbert Diess zum Evergreen

Nicht schon wieder: Softwarechaos wird für Volkswagenchef Herbert Diess zum Evergreen

Foto: Volker Crone / DER SPIEGEL
  • Nach der jüngsten Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsratsrats Anfang Juli blieb es auffällig ruhig. Vorstandschef Herbert Diess (63) bekommt für die Softwareschmiede Cariad weitere Milliarden. Tausende zusätzliche Entwickler sollen einrücken, um ein drohendes Fiasko noch abzuwenden. Doch der Wolfsburger Softwarefrieden ist – vorsichtig ausgedrückt – brüchig, schreibt Michael Freitag .

  • Auch das Verhältnis zwischen Hersteller und Handel droht im Volkswagen-Kosmos zu zerbrechen. Die Händler sind von den Agentur- und Direktvertriebsbestrebungen des Konzerns entnervt. Bei einer Tagung zeigten sie Wolfsburg nun die rote Karte. Manche bringen gar einen "Streik" ins Gespräch . Ob Konzernvertriebschefin Hildegard Wortmann auch in diesem Fall bald zu härteren Mitteln greifen wird?

  • Bessere Laune versucht Porsche-Chef Oliver Blume (54) zu verbreiten, schließlich will er die Marke noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Interessenten versprach er nun Margen von bis zu 20 Prozent. Bei Porsche träumen sie von einer Zielbewertung von 80 Milliarden Euro, weniger als 60 Milliarden sollen es auf keinen Fall werden.

  • Tesla-Chef Elon Musk hatten wir vorhin schon in anderer Mission. Ärger bereiten ihm aktuell nicht nur Twitter-Vertreter, sondern auch deutsche Verbraucherschützer. Die haben Tesla nun wegen des "Wächtermodus" vor dem Landgericht Berlin verklagt . Hintergrund: Eine datenschutzkonforme Nutzung der Funktion, mit der Kameras die Umgebung der Autos ständig überwachen, sei praktisch unmöglich. Wir warten noch auf eine Musk-typische Reaktion per Meme.

Mehr Mobilität: Boeing ++ Verkehrswende ++ Flugtaxis ++ E-Bikes

Abwärtsspirale: Boeing steckt weiter tief in der Krise

Abwärtsspirale: Boeing steckt weiter tief in der Krise

Foto: Luxy Images / vario images
  • Boeing war einst der Stolz der US-Industrie. Doch nach mehreren Abstürzen des Flugzeugs 737 Max befindet sich der Konzern in der Dauerkrise. Auch der Anfang 2020 als Retter installierte CEO Dave Calhoun (65) konnte das Blatt nicht wenden. Warum Boeing sogar die Zerschlagung droht , berichtet mein Kollege Michael Machatschke.

  • Bus, Bahn, E-Scooter, Fahrrad, Roboterauto – wie werden wir uns künftig fortbewegen in unseren Städten? Noch hakt es mit der nachhaltigen Mobilität. Doch sie wird kommen. Zukunftsforscher Stefan Carsten hat auf dem Weg dorthin einen klaren Verlierer identifiziert, wie er meinem Kollegen Lutz Reiche im Interview verraten hat.

  • Ob auch Flugtaxis im künftigen Mobilitätsmix eine ernsthafe Rolle spielen werden? Abwarten. Lilium rühmt sich nun einmal mehr mit einem Vielleicht-Kundenauftrag. Bristow könnte bis zu 50 Jets bei den Bayern bestellen . In der Vergangenheit hatte das Start-up potenzielle Großkunden wie Azul mit Aktenoptionen zu Ramschpreisen geködert . Wie viele Scheine bekommt Bristow? "Zero" , schwört Vice Chairman Alexander Asseily.

  • Laut Statistischem Bundesamt  ist inzwischen in 13 Prozent aller privaten Haushalte hierzulande ein E-Bike vorhanden. Mit der Beliebtheit steigen allerdings die Unfallzahlen - gerade bei jüngeren Pedelec-Fahrern. Im Jahr 2014 war noch mehr als die Hälfte (54,5 %) der verunglückten Nutzer mindestens 65 Jahre alt, 2021 nur noch ein Drittel (33,5 %).

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Deep Drive der Woche: Nachhaltig Fliegen

Vergangene Woche hatten wir es hier im Newsletter schon einmal mit dem klimaschonenden Fliegen. Das Thema findet zunehmend Beachtung. Wussten Sie, dass bei einem gewöhnlichen Verkehrsflugzeug über den gesamten Lebenszyklus hinweg 99,7 Prozent aller Emissionen  während der Betriebsphase anfallen? Bei einem Auto mit Verbrennungsmotor sind es 70 Prozent. Heißt: Während im Pkw-Bereich auch in der Produktion noch Nachhaltigkeits-Luft nach oben bleibt, sind jene Möglichkeiten in der Luftfahrt-Industrie praktisch schon ausgereizt.

Zahl der Woche: 15.000

Mobilitäts-Topmanager wie Herbert Diess tummeln sich zunehmend bei LinkedIn und gewähren mal mehr, mal weniger interessante Einblicke in ihren Alltag. Doch das Netzwerk kann für Topinfluencer mehr als nur ein Reichweitentool sein . Johannes Kliesch (27), Gründer des Start-ups Snocks, nimmt pro verkauftem Posting beispielsweise bis zu 15.000 Euro ein, wie er meiner Kollegin Margret Hucko verraten hat.

Geisterfahrer der Woche

Bahn-Reform ohne Biss: Schlechtes Zwischenzeugnis für Verkehrsminister Volker Wissing

Bahn-Reform ohne Biss: Schlechtes Zwischenzeugnis für Verkehrsminister Volker Wissing

Foto: Daniel Hofer / DER SPIEGEL

Volker Wissing (52), Bundesverkehrsminister, inszeniert sich als Weichensteller der Nation. Die vielen Probleme bei der Deutschen Bahn wolle er "zur Chefsache" machen, erklärte er neulich. Doch die Zügel hält bis dato weiter vor allem Bahn-Chef Richard Lutz (58) in der Hand, wie etwa die Ernennung von Berthold Huber (58) zum Infrastruktur-Vorstand zeigt. Währenddessen nimmt im eigenen Ministerium manch einer kaum wahr, "ob der Minister im Haus ist oder nicht". Kollege Michael Machatschke deckt auf, wie Wissing bei der Bahn-Reform versagt .

Ich wünsche Ihnen nicht allzu überhitzte Wochen. Wir sehen uns nach der Sommerpause.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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