Oliver Hollenstein

Der Montag im Überblick Ein verrückter Absturz und ein erfolgreiches Gesetz

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute geht es um den verrücktesten Absturz der Fußballgeschichte, teuren Sprit, unzufriedene Bankkunden und ein Gesetz, das wirkt.

Die betriebswirtschaftliche Analyse ist katastrophal: Das Kernprodukt veraltet, die Kostenstruktur kaputt, die Infrastruktur marode. Strategische Investments wurden versäumt, die Forschung liefert keine Blockbuster mehr. Lahm, bequem und satt haben erfolgsverwöhnte Manager ein Desaster hinterlassen: 1,35 Milliarden Euro Schulden, das Eigenkapital minus 451 Millionen Euro.

Von wem hier die Rede ist? Halten Sie sich fest: dem FC Barcelona. Es ist der verrückteste Absturz der Fußballgeschichte. Barça, weltweit vergöttert wie wohl keine zweite Sportmarke, ist so gut wie pleite. Der Klub, der vor drei Jahren als erste Sportfirma der Welt fast eine Milliarde Euro Jahresumsatz einspielte. Der den Weltfußball dominierte und seit 2011 allein 14 große Titel errungen hat.

Wie konnte das passieren? Unser Kollege Christoph Neßhöver hat vertrauliche Unterlagen eingesehen und mit vielen aktuellen und ehemaligen Klubkennern und -größen gesprochen. In seinem Text lesen Sie, was der Absturz mit Superstar Lionel Messi und seiner Tagesgage in Höhe von 380.000 Euro zu tun hat. Sie lernen die Pläne des neuen Chefs Ferran Reverter kennen, der zuvor übrigens erfolglos versucht hatte, den Elektronikhändler Mediamarkt-Saturn zu sanieren. Und Sie erfahren, warum die Sanierungsprognose bei Barça trotzdem gut bis sehr gut ist. Ein echtes Management-Lehrstück! 

Ikonisch: Das Barça-Stadion Camp Nou

Ikonisch: Das Barça-Stadion Camp Nou

Foto: jarino47 / imago images/jarino47

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Die Frauenquote wirkt: Zwar werden immer noch mehr Männer in Dax-Vorstände berufen als Frauen – aber der Abstand verringert sich. Im vergangenen Jahr waren 44 Prozent der neuen Vorstände in Dax-Unternehmen weiblich. Das hat die Personalberatung Russel Reynolds ausgerechnet. Dadurch steigt auch der Anteil der Frauen in den Vorstandsetagen. Im Frühjahr dürfte im Dax jede fünfte Vorstandsposition von einer Frau besetzt sein, prognostizieren die Experten. Das ist immer noch weit entfernt von Parität, aber es zeigt: Die gesetzliche Quote und die öffentliche Debatte zeigen Wirkung.

  • Unternehmen wollen höhere Kosten weitergeben: Das ifo-Institut hat seine Inflationsprognose für 2022 deutlich angehoben. Der Grund: In der jüngsten Umfrage der Münchner Wirtschaftsforscher haben viele Unternehmer angegeben, ihre gestiegenen Kosten über höhere Preise an die Kunden weitergeben zu wollen. Das Institut geht in diesem Jahr nun von einer Inflation von vier Prozent aus.

  • Bankkunden beschweren sich über Gebühren: Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs im vergangenen Frühjahr müssen Banken für höhere Gebühren die Zustimmung ihrer Kunden einholen. Nun mehrt sich Kritik an den Finanzinstituten. Das zeigen Daten der Finanzmarktaufsicht: Knapp 12.400 Beschwerden gingen im vergangenen Jahr bei der Bafin ein, fast 3000 mehr als im Jahr zuvor.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Meine Empfehlung für den Abend:

Alte Schule: Der verstorbene Milliardär August von Finck mit seiner Ehefrau Francine

Alte Schule: Der verstorbene Milliardär August von Finck mit seiner Ehefrau Francine

Foto: imago
  • Als August von Finck am 28. November 2021 nach kurzer Krankheit mit 91 Jahren in London starb, hinterließ er eines der größten Vermögen der Nation. Sechs Milliarden Euro machen seine Familie zur Nummer 32 der reichsten Deutschen. Zum Firmenreich gehören Anteile an der Restaurantkette Mövenpick, viele Immobilien und Finanzdienstleister wie von Roll und Degussa Goldhandel. Nach dem Tod des konservativen Milliardärs, der zuletzt mit Spenden beim Aufbau der AfD half, beginnt die Familie, das Erbe aufzulösen. Laut Insidern wird die eigene Vermögensverwaltung zum Verkauf gestellt, mit der sie auch das Geld von 2000 anderen Reichen bewahren. Ein allzu hoher Verkaufserlös wird für die VM Vermögens-Management allerdings nicht erwartet – die Gründe dafür hat unser Kollege Mark Böschen recherchiert. 

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Oliver Hollenstein