Podcast Cover
Kai Lange

Der Mittwoch im Überblick Spendierfreudige Milliardäre und Mut machende Mittelständler

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit BMW-Milliardären, die gerne Geld ausgeben, neuen Milliardenprojekten von VW in China und Projekten von deutschen Mittelständlern, die trotz Rezession Hoffnung geben.

Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan Quandt, Nachfahren der Industrielegende Herbert Quandt, landen mit einem Vermögen von rund 33 Milliarden Euro auf Platz 3 der manager-magazin-Liste der reichsten Deutschen . Ihr kapitaler Dauerbrenner: Dividenden der Bayerischen Motorenwerke. An BMW halten die Quandts knapp 47 Prozent: Weil sich der Nettogewinn des Autobauers im Vorkriegsjahr 2021 verdreifacht hat, konnten die Geschwister mit rund 1,6 Milliarden Euro Dividende nach Hause brausen.

Die wahre Freude am Fahren: Damit bleibt auch in schwierigen Zeiten genug Geld zum Investieren. Die Umstellung der BMW-Flotte auf Elektro wird zwar kostspielig werden. Doch Quandt und Klatten spüren am eigenen Portfolio, dass sich neue Technologien lohnen: Susanne Klatten hält über ihre Beteiligungsgesellschaft Skion knapp ein Drittel am Kohlefaserspezialisten SGL Carbon, der zum ersten Mal seit drei Jahren einen Gewinn ausgewiesen hat. Und auch die Geschäfte bei der Dresdner Solarwatt GmbH, vollständig im Besitz Stefan Quandts, laufen momentan glänzend: Sogar das Berliner Olympiastadion holte sich Ökostromtechnik aus Sachsen aufs Dach.

Jetzt legen die schwerreichen Geschwister mit Investitionen nach , wie unser Kollege Dietmar Student schreibt: Susanne hat sich kürzlich an einem Anbieter von Batterie-Hightech beteiligt. Auch beim Thema Wasseraufbereitung ist sie stark investiert. Die sonst eher stillen Industriellen engagieren sich außerdem fürs Allgemeinwohl: Schon die 2015 verstorbene Mutter Johanna hatte der Berliner Charité 40 Millionen Euro spendiert, ihre Kinder setzen die Medizinhilfen mit rund 15 Millionen Euro fort. Eine BMW-Dividende in Milliardenhöhe ist nicht verwerflich: Es kommt darauf an, was man daraus macht.

Gutes tun und darüber reden: Susanne Klatten und Bruder Stefan Quandt bauen ihr Portfolio aus

Gutes tun und darüber reden: Susanne Klatten und Bruder Stefan Quandt bauen ihr Portfolio aus

Foto:

Dirk Bruniecki / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Bundesregierung rechnet mit Rezession: Die Bundesregierung schließt sich der Prognose des Internationalen Währungsfonds IWF an und erwartet für das Jahr 2023 eine Rezession in Deutschland. Wirtschaftsminister Robert Habeck spricht von "ernsten Zeiten". Laut ihrer Herbstprognose erwartet die Regierung in diesem Jahr nur noch ein kleines Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, 2023 dürfte die Wirtschaft dann um 0,4 Prozent schrumpfen. Für 2024 wird wieder mit einem Wachstum von 2,3 Prozent gerechnet.

  • Polen entdeckt Leck an Druschba-Ölpipeline: Nun hat auch die Druschba-Pipeline, die Deutschland mit russischem Erdöl versorgt, ein Loch. Nach Angaben des polnischen Betreibers Pern ist ein Leck an der Hauptleitung aufgetreten. Der Vorfall erinnert an die Explosionen der Nord-Stream-Pipelines. Die Ölversorgung in Deutschland ist nach Aussage des Wirtschaftsministeriums aber noch gesichert.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Volkswagen investiert rund zwei Milliarden Euro in China: Der Wolfsburger Autobauer steckt in puncto Investitionsfreude hinter den Quandt-Erben nicht zurück. VW will rund zwei Milliarden Euro in ein Software-Joint-Venture in China investieren. Mit der Beteiligung an dem Software- und Elektronik-Spezialisten Horizon Robotics will Volkswagen seine Tochter Cariad stärken und wieder an die digital enteilte Konkurrenz herankommen. Gleichzeitig will sich der Vorstand auf dem für VW wichtigsten Markt möglichst autark aufstellen. Noch sind die Verträge nicht unterschrieben, aber der Vorstand habe Zustimmung signalisiert und könnte die Pläne bereits am morgigen Donnerstag durchwinken, wie unser Kollege Michael Freitag erfahren hat. Alles über VWs nahenden Milliarden-Deal in China lesen Sie hier.

Meine Empfehlung für den Abend:

Politischer Kopf: Wilo-Vorstandschef Oliver Hermes spricht von einer "Globalisierung 2.0"

Politischer Kopf: Wilo-Vorstandschef Oliver Hermes spricht von einer "Globalisierung 2.0"

Foto: Julia Sellmann
  • Deutschlands Chancen für den nächsten Boom: Die nahende Rezession in Deutschland und die sinkenden Unternehmensgewinne zeigen: Das Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft ist gefährdet. Viele Quellen des alten Reichtums versiegen. Doch einige familiengeführte Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand zeigen, wo das Potenzial für den nächsten langfristigen Boom zu finden ist. Viele setzen auf Greentech, auf Kreislauf- und Wasserwirtschaft, auf Technologien zur Verbesserung der Effizienz und auf intelligente Speicherung und Verteilung von Energie. Die deutsche Wirtschaft stehe vor dem radikalsten Umbau seit der Industrialisierung, wagt die Ökonomin Veronika Grimm. Doch diese Jahrhundertaufgabe ist lösbar. Unser Kollege Christian Schütte nennt zahlreiche Beispiele aus der deutschen Industrie, die in Krisenzeiten Mut machen: Wie eine mittelständische Elite Krisen meistert.

Herzlich, Ihr Kai Lange

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.