Oliver Hollenstein

Der Freitag im Überblick Immobilien für Profifußballer und ein Feuer auf dem Atlantik

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute geht es um eine Immobilie für Jérôme Boateng, ein Feuer auf dem Atlantik, Ölmultis im Klimawandel und die Probleme von Adidas in China.

Simon Brunke galt einmal als Finanzwunderkind. Schon während des Studiums baute der brillante Verkäufer einen Versicherungsvertrieb mit 600 Mitarbeitern auf. 2014 nahm er sich mit zwei Schulfreunden das Immobiliengewerbe vor. Die hübsche PR-Story: Ihre Plattform Exporo werde die von Großanlegern beherrschte Branche "demokratisieren". Das Modell: Mit nur 500 Euro könne jeder und jede in selbst ausgewählte Millionenprojekte investieren anstatt in die großen Immobilienfonds.

Doch inzwischen ist Exporo kräftig ins Schlingern geraten. Viele Bauprojekte laufen nicht – und das gefährdet das Geld der Kleinanleger. Prominentes Beispiel: In Hamburg finanzierte die Exporo-Crowd eine Immobilie für Fußballstar Jérôme Boateng mit. Doch das Bauprojekt geriet zum Fiasko: Das Hinterhaus weist erhebliche Mängel auf, es droht der Abriss. Mit dem Bau des Mittel- und des Vorderhauses ist noch gar nicht begonnen worden. Im Januar erfuhren die Privatanleger von Exporo, dass sie wohl den größten Teil ihrer knapp 2,5 Millionen Euro nicht zurückbekommen werden. Nun gibt es Streit, ob die Kleinanleger über die Risiken angemessen aufgeklärt wurden.

Künftig wollen die Exporo-Investoren solchen Ärger unbedingt vermeiden. Sie haben die Gründer weitgehend entmachtet und versuchen, ihren Einsatz zu retten, indem sie das Geschäft neu ausrichten. Die Recherche unserer Kollegen Mark Böschen und Jonas Rest lesen Sie hier. 

Das Blaue vom Himmel: Exporo-Gründer Simon Brunke auf der Büroterrasse

Das Blaue vom Himmel: Exporo-Gründer Simon Brunke auf der Büroterrasse

Foto: Jörg Müller / Agentur Focus

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Der Sportartikelhersteller Adidas ist gefährlich abhängig von China. Absolute Gewinne, Margen, Cashflow – die Bilanz in Herzogenaurach hängt an China, dem am stärksten wachsenden Sportartikelmarkt der Welt. Acht bis neun Milliarden Euro gelobte Vorstandschef Kasper Rorsted in den nächsten Jahren an die Aktionäre auszuzahlen, dafür ist er auf das Wachstum aus Fernost angewiesen. Doch der Plan ist gefährdet. Rorstedts Finanzer rechnen damit, dass der Konzern in China in diesem Jahr 400 Millionen Euro weniger Umsatz erzielen könnte als ursprünglich geplant. Was der Konzern nun unternimmt, um ein China-Debakel abzuwenden, lesen Sie im Text unserer Kollegen Sven Clausen und Christoph Neßhöver. 

Wasserstoff statt Rohöl: Shell-Werk Wesseling

Wasserstoff statt Rohöl: Shell-Werk Wesseling

Foto: Christoph Hardt / imago images/Future Image
  • Die beiden Ölmultis BP und Shell verdienen derzeit kräftig. Doch die wieder sprudelnden Gewinne müssen sie einsetzen, um vom Öl wegzukommen. Der Druck zum Umbau mit Blick auf den Klimawandel ist gewachsen. Aktivisten, Regierungen, Gerichte und Investoren zwingen die Ölkonzerne dazu, nachhaltiger zu werden. Wie machen sie das? Das hat sich unsere Kollegin Anna Driftschröer angeschaut – und sie analysiert, welche unterschiedlichen Akzente die Konzerne dabei setzen.

Das Beste aus dem "Economist":

  • Investoren stecken Milliarden Dollar in Firmen, die das Online-Lernen auf eine neue Stufe heben. Corona hat für einen Kickstart der Technologie gesorgt. Doch ist Software wirklich der Schlüssel für das Lernen der Zukunft? Das haben unsere Kollegen vom britischen "Economist" recherchiert – den Text lesen Abonnentinnen und Abonnenten wie immer auch bei uns. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Der Kampf um die Spitzenjobs in deutschen Unternehmen war schon immer hart und dramenreich. Seit Kurzem ist eine neue Kampfzone hinzugekommen: Frau gegen Mann. Wer als Unternehmen Frauen nicht freiwillig befördert, den zwingt ein neues Gesetz dazu, das FüPoG II. Für Männer, die bislang die Regeln in der männerdominierten Karrierewelt zu kennen glaubten, ändert sich dadurch die Gefechtslage. Nicht wenige fühlen sich und ihre Karrieren zu Unrecht ausgebremst. Über das Thema unserer aktuellen Titelgeschichte haben unsere Kollegen Eva Buchhorn und Sven Clausen auch in unserem wöchentlichen Podcast gesprochen: Wo verlaufen die Konfliktlinien? Was können Frauen, Männer und Unternehmen tun, um den Frieden wieder herzustellen? Und von welchen eigenen Erfahrungen berichten unsere Leserinnen und Leser? Hören Sie doch mal rein!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzlich, Ihr Oliver Hollenstein