Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit viel Rauch über Leverkusen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Teslas zehnfachem Gewinn, einer Explosion im Chemiepark und dem neuen Commerzbank-Chef im Interview.

Mehr als 200.000 Elektroautos hat Tesla in den vergangenen drei Monaten gebaut. Das waren so viele wie noch nie seit der Firmengründung 2003. Auch dank seines äußerst lukrativen Handels mit Abgaszertifikaten konnte der E-Autobauer am Montagabend einen weiteren Rekord präsentieren: Einen Gewinn von 1,1 Milliarden US-Dollar hat Tesla im abgelaufenen Quartal eingefahren – zehnmal so viel wie im zweiten Quartal des Vorjahres.

Trotz der starken Zahlen musste Chef Elon Musk auch einen Rückschlag bekannt geben: Die Auslieferungen des Sattelschleppers Semi könne erst 2022 beginnen statt wie geplant noch in diesem Jahr. Außerdem bremste Tesla Hoffnungen, das Tempo weiter so hoch halten zu können – die weiterhin schwierige Versorgung mit Bauteilen wie Mikrochips werde das Wachstum der Auslieferungen im Restjahr stark beeinflussen.

Supercharger: Tesla-Ladesäulen in China

Supercharger: Tesla-Ladesäulen in China

Foto: Thomas Peter / REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Bei einer schweren Explosion auf dem Gelände des Chemieparks Leverkusen ist ein Mitarbeiter getötet worden, einundreißig Menschen wurden verletzt. Die Ursache für den Unfall, in dessen Folge ein Tank mit Lösungsmitteln brannte, war zunächst unklar. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rief die höchste Warnstufe aus. Vier Mitarbeiter werden noch vermisst.

  • Nochmal das Thema E-Auto: Mit mehr Reichweite und besserer Beschleunigung toppt die Elektro-Limousine Air von Lucid Teslas Model S. Wobei es den Air bisher nur als Konzeptfahrzeug gibt, die ersten Serienfahrzeuge sollen erst in der zweiten Jahreshälfte ausgeliefert werden. Für den E-Angritt hat der Lucid nun 4,4 Milliarden Dollar an der New Yorker Börse Nasdaq eingesammelt. Der Spac-Börsengang wäre allerdings fast gescheitert.

Die Personalien des Tages:

  • E-Auto Teil drei: Der ehemalige Chef von Opel, Michael Lohscheller, hat einen neuen Job, und zwar in Vietnam. Im privaten Mischkonzern Vingroup soll er die Autosparte Vinfast Global (die erste vietnamesische Automarke) leiten. Dort soll Lohscheller, der beim alten Arbeitgeber in Sachen Elektromobilität nicht gerade als Schrittmacher galt, vor allem den E-Bereich vorantreiben.

  • Die skandalgeplagte Credit Suisse holt einen zweiten Spitzenmanager von Goldman Sachs. David Wildermuth soll spätestens im Februar Risikochef der Schweizer Bank werden.

  • Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Ralf Brandstätter mehr Macht erhalten. Schon im vergangenen Jahr wurde er zum Markenchef von VW befördert – ohne jedoch im Konzernvorstand mitreden zu dürfen. Das soll sich nun ändern, er soll die Wolfsburger Interessen gegen Audi und Porsche wahren. 

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Zahlenmensch: Manfred Knof stellt die Commerzbank auf den Kopf

Zahlenmensch: Manfred Knof stellt die Commerzbank auf den Kopf

Foto:

Thomas Pirot für manager magazin

  • Mit einem harten Sparkurs will der seit Anfang 2021 amtierende Konzernchef Manfred Knof die Commerzbank zurück in die Erfolgsspur bringen. Als "unerbittlichen Sanierer und als "letzte Chance der Commerzbank" hatte ihn meine Kollegin Katharina Slodczyk vor seinem Amtsantritt porträtiert . Nach einem Milliardenverlust im vergangenen Jahr fegt Knof jetzt also durch, für zwei Milliarden Euro will er 10.000 Stellen abbauen, dazu das Filialnetz halbieren, interne Prozesse verschlanken. "Dafür zu sorgen, dass die Commerzbank eine gute Zukunft haben wird" hält er für eine "schon fast nationale Aufgabe", erklärte Knof meinen Kollegen im Gespräch. Wie er sich mit der Arbeitnehmerseite versöhnen will, wie weit Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen sollen und welche Lehren der Wirecard-Skandal brachte,  haben wir im 47. Stock des Commerzbank-Turms besprochen.

Meine Empfehlungen für den Abend:

  • Sie können eine Bewerbung aus der Masse hervorheben – oder sie direkt in den Papierkorb verfrachten: Hobbys. Job-Coach Selma Kuyas weiß, welche Freizeitbeschäftigung den Lebenslauf aufwerten und welche Sie besser weglassen. Die Expertin gibt Tipps fürs Selbstmarketing und erklärt, wie Sie selbst ein Durchschnittsinteresse spannend verkaufen können.

  • Die mögliche Rückkehr ins Büro ruft bei Mitarbeitern ganz unterschiedliche Gefühle hervor, von Freude bis Frust. Führungskräfte können ihrem Team den Neustart ins neue Normal erleichtern. Leadership-Professorin Amy Edmondson gibt dazu im Interview Tipps wie diesen: "Wir müssen lernen, großzügiger miteinander umzugehen" .

Herzlich, Ihre Corinna Scheying