Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit einem Wal aus Stahl

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Stau am Suezkanal, Enttäuschung am Gericht in Wiesbaden und Kritik am Plastikmännchenbauer Playmobil.

Ein Tag im Zeichen der Logistik. Topthema: Natürlich der Riesenfrachter "Ever Given", der seit Dienstag den Suezkanal blockiert. Der Bug am Ostufer, das Heck am Westufer, da ist kein Durchkommen mehr durch die wohl wichtigste Passage im maritimen Welthandel. An die 200 Schiffe stauen sich inzwischen zu beiden Seiten des Unfallortes, während Fachleute versuchen, mit Baggern, Schleppern und anderem Gerät die "Ever Given" wieder freizubekommen.

Doch so schnell lässt sich die festgefahrene Situation womöglich nicht auflösen. Es könne Wochen dauern, bis das Schiff wieder frei sei, warnte heute Peter Berdowski, Chef der niederländischen Bergungsfirma Boskalis, die vor Ort im Einsatz ist ("Das ist wie ein riesiger gestrandeter Wal").

Und wer den Worten des Chefbefreiers keinen Glauben schenken mag, der schaue sich zudem dieses Video an. Darin drückt eine Reihe niedlicher Schlepper gegen die Bordwand des 200.000-Tonnen-Kolosses – ohne ihn von der Stelle zu bewegen. Oder stellen Sie sich vor, ihr Job wäre es, diesen Bagger zu fahren...

Festgefahren: Ein Bagger hilft die "Ever Given" freizubekommen – Erfolgsaussicht: mittel

Festgefahren: Ein Bagger hilft die "Ever Given" freizubekommen – Erfolgsaussicht: mittel

Foto: - / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Schon gestern haben wir Ihnen den Steueranwalt Hanno Berger vorgestellt, den Meister der Gier, Liebling der Reichen, König der Cum-Ex-Geschäfte . Heute begann in Wiesbaden der Prozess gegen jenen Berger, dem Staatsanwälte vorwerfen, als Spiritus Rector die Cum-Ex-Masche groß gemacht und seiner wohlhabenden Klientel vermittelt zu haben. Der Beschuldigte freilich blieb lieber in der Schweiz und erschien nicht vor Gericht. Das Spektakel dürften auch die Verantwortlichen beim Bankhaus Warburg in Hamburg mit Interesse verfolgt haben. In einem verzweifelten Cum-Ex-Kampf wenden sich die Eigner des Instituts gegen viele Akteure des Skandals und zerren sie vor Gericht, wie meine Kollegin Katharina Slodczyk berichtet , von der Deutschen Bank über die Finanzaufsicht Bafin bis hin zu - genau - Cum-Ex-Mastermind Hanno Berger.

  • Thema Logistik, die Zweite: Die Deutsche Bahn bestätigte nach entsprechenden Berichten heute, welch ein katastrophales Jahr sie hinter sich hat. Und womöglich auch vor sich: Für 2021 plant man jedenfalls erneut Milliardenverluste ein. Das heißt: Der Steuerzahler muss schon wieder ran.

  • Bei der Commerzbank trat erst kürzlich Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter zurück – nun folgt mit Andreas Schmitz ein weiterer Aufseher. Hintergrund ist offenbar eine Debatte um die Rolle der Deutschland-Tochter der britischen Großbank HSBC im Cum-Ex-Skandal (siehe oben), deren Chef Schmitz einige Jahre lang war. Problem: Der 61-Jährige galt bei der CoBa als Anwärter auf den Aufsichtsratsvorsitz - jetzt muss die kommende Hauptversammlung der Commerzbank erst mal verschoben werden.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Unmut bei Playmobil: Den Verantwortlichen des Spielzeugherstellers passen zahlreiche negative Beurteilungen durch Mitarbeiter auf der Internetplattform Kununu nicht in den Kram. Wie mein Kollege Martin Mehringer berichtet, ließ Playmobil die Kritik durch Kununu löschen - und das in bislang nicht gekanntem Ausmaß .

  • Und noch mal Logistik, diesmal in der Luft: Über die Förderung von Flugtaxi-Start-ups in Höhe von wenigen Millionen Euro, die Bundesminister Andreas Scheuer jüngst angekündigt hat, konnte sich mein Kollege Wilfried Eckl-Dorna nur wundern. Das sei geradezu lächerlich wenig, meinte er, für eine Branche, in die Wagniskapitalgeber längst hunderte Millionen Dollar stecken. Hochriskant allerdings bleiben solche Engagements der Investoren, wie Sie hier in seinem Bericht lesen können.

Meine Empfehlung für den Abend:

Strategie statt Risiko: Logistik wird zum zentralen Erfolgsfaktor

Strategie statt Risiko: Logistik wird zum zentralen Erfolgsfaktor

Foto:

KDP / Getty Images

  • Zum Schluss - wie sollte es anders sein - noch einmal Logistik: In den Unternehmen nämlich wird das frühere Spezialistenthema in diesen Monaten zu einem strategisch höchst entscheidenden. Wer den Einkauf klug aufstellt, die interne Prozesse optimiert und Versorgungsengpässe vermeidet, kann durchaus entscheidende Vorteile erlangen. Einkauf und Logistik wird zum Erfolgsfaktoren, meint Spitzenjurist Christoph Seibt von der Kanzlei Freshfields: "Sechs goldenen Regeln für Einkauf und Logistik" .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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