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Kai Lange

Der Montag im Überblick Familie Otto kauft ein

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Familie Otto aus Hamburg, die nach der Deutschen Euroshop greift, einem Funkturm-Investor aus Spanien, der die Telekom umschmeichelt und mit einem Tech-Investor aus Japan, dem der Spaß vergeht.

Wohin nur mit dem Geld? Am Aktienmarkt sieht es derzeit düster aus: Notenbanken erhöhen die Zinsen, der russische Angriff auf die Ukraine dürfte Europa in eine Rezession stürzen, China ist in einer Lockdown-Dauerschleife gefangen. Die Börsen erleben nach mehr als zehn Jahren des billigen Geldes eine Trendwende. Auch nach dem jüngsten Kursrutsch bleiben die Bewertungen und Abwärtsrisiken hoch. Das Geld einfach auf dem Konto liegenzulassen, ist in Zeiten hoher Inflationsraten auch keine Lösung. Was also tun?

Was man mit seinem Geld anstellen kann, zeigt aktuell die Hamburger Milliardärsfamilie Otto. Der Clan, einst mit Versand- und Einzelhandel groß geworden, ist mit 20 Prozent an der Deutschen Euroshop beteiligt und will diese nun komplett übernehmen. Das im SDax notierte Unternehmen betreibt derzeit 21 Einkaufscenter in Europa, darunter die Altmarkt-Galerie in Dresden und das Main-Taunus-Zentrum in Frankfurt. Während der Corona-Pandemie liefen die Geschäfte schlecht, viele Mieter machten dichten oder mussten durch niedrigere Mieten unterstützt werden.

Doch statt die Beteiligung nach mageren Jahren nun eilig loszuschlagen, schaute sich Großaktionär Alexander Otto das Portfolio gemeinsam mit dem US-Investor Oaktree noch einmal genau an. Und kam zu dem Schluss: Die Chancen sind bei Euroshop inzwischen wieder größer als die Risiken. Allein der Buchwert der Shoppingcenter-Immobilien übersteigt die Bewertung des gesamten Unternehmens deutlich. Die meisten Mietverträge sind an den Verbraucherpreisindex gekoppelt, sodass die Deutsche Euroshop auch eine langjährige Inflation nicht fürchten muss. Alles gute Gründe also für Otto und Oaktree, um den übrigen Investoren im Zuge des Übernahmeangebots 22,50 Euro je Aktie zu bieten. Die Analyse, die Vermögensverwalter Georg von Wallwitz exklusiv für manager magazin erstellt hat, zeigt zwei Dinge. Erstens: In schwierigen Börsenzeiten wie diesen schlägt die Stunde der Value-Investoren. Und zweitens: Das Angebot, das Otto und Oaktree den Euroshop-Aktionären unterbreiten, scheint deutlich zu niedrig zu sein.

Deutsche-Euroshop-Projekt: Das Einkaufszentrum Forum in Wetzlar

Deutsche-Euroshop-Projekt: Das Einkaufszentrum Forum in Wetzlar

Foto: Deutsche Euroshop

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Daimler Truck steigt bei Maschinenbauer Manz ein: Daimler Truck, globaler Marktführer für Schwerlaster, beteiligt sich mit rund zehn Prozent am Reutlinger Maschinenbauer Manz. Gemeinsam wollen die Unternehmen Batterien für Elektro-Lastwagen fertigen. Mit dem Erlös der Kapitalerhöhung in Höhe von rund 30 Millionen Euro will der Maschinenbauer, der auch Produktionsanlagen für Lithium-Ionen-Batterien herstellt, das weitere Wachstum finanzieren.

  • Autozulieferer Leoni braucht frisches Geld: Der angeschlagene Autozulieferer Leoni sucht gemeinsam mit seinen Gläubigern nach Wegen, um frisches Geld in Höhe von rund 50 Millionen Euro zu beschaffen. Das Unternehmen prüft derzeit eine mögliche Kapitalerhöhung oder die Ausgabe einer Wandelschuldverschreibung, um die erhoffte Summe zu erlösen.

  • Weltwirtschaftsforum in Davos hat begonnen: Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist heute mit einer Auftaktrede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eröffnet worden. In seiner per Video aus Kiew übertragenen Ansprache forderte Selenskyj "maximal wirksame Sanktionen" gegen Russland. Er schlug außerdem vor, zum Wiederaufbau der Ukraine den eingefrorenen Besitz russischer Oligarchen zu verwenden. Bundeskanzler Olaf Scholz wird am Donnerstag in Davos erwartet.

Die Personalie des Tages

  • Thomas Sattelberger gibt Amt als Staatssekretär auf: Thomas Sattelberger ist als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung zurückgetreten. Er nannte private Gründe für diesen Schritt. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger bedauerte seinen Rückzug. Sattelberger saß seit 2017 für die FDP im Bundestag. Zuvor war er Personalvorstand bei Continental und bei der Deutschen Telekom, wo er das Thema Diversity-Management auf die Tagesordnung setzte. Zudem war Sattelberger jahrelang als Gastautor für manager magazin tätig.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Der Herr der Funktürme greift nach den Telekom-Masten: Der Spanier Tobías Martínez Gimeno hat den 30-Milliarden-Euro-Konzern Cellnex erschaffen. Er besitzt mehr Funkmasten in Europa als irgendwer sonst. Nun will der Spanier das Funkturmgeschäft der Deutschen Telekom kaufen. Wie groß seine Chancen sind, zum Zuge zu kommen, und wie er mit den Mobilfunkanbietern ins Geschäft kommen will, berichtet unsere Autorin Mirjam Hecking auf manager-magazin.de.

  • Was frische Führungskräfte wissen sollten: Wer neu in der Rolle als Führungskraft ist, muss in kurzer Zeit viel dazulernen. Offene Fragen helfen, das Vertrauen zu Mitarbeitern und der Unternehmensführung aufzubauen. Aber diese kommen nicht immer gut an. Wie man erfolgreich mit Team und Unternehmensführung kommuniziert, erläutern unsere Kollegen vom Harvard Business manager.

Meine Empfehlung für den Abend:

Under pressure: Tech-König und Softbank-Chef Masayoshi Son

Under pressure: Tech-König und Softbank-Chef Masayoshi Son

Foto: Kazuhiro NOGI / AFP
  • Das Drama des Tech-Königs Masayoshi Son: Kaum ein Unternehmen auf der Welt verkörpert den jüngsten Tech-Crash so sehr wie der japanische Investor Softbank. Dessen Chef Masayoshi Son hatte noch im Frühjahr 2021 einen Rekordgewinn von umgerechnet 36 Milliarden Euro ausgewiesen, weil die Bewertungen von Technologie-Unternehmen weltweit durch die Decke gingen. Auf die mit dem billigen Geld der Notenbanken aufgepumpte Tech-Blase folgte in diesem Frühjahr jedoch das böse Erwachen: Vor wenigen Tagen meldete Softbank-Vormann Son einen Rekordverlust von mehr als 12 Milliarden Euro.

    Um die Rückkehr in die schwarzen Zahlen zu schaffen, ist Son auf erfolgreiche Börsengänge seiner Hoffnungsträger angewiesen. Auch an dem schwedischen Bezahldienst Klarna und der chinesischen Tiktok-Mutter Bytedance ist Softbank beteiligt. Unsere Kollegen vom britischen Economist haben analysiert, ob Softbank ein rascher Turnaround gelingen kann: Die Story "Das Drama des Tech-Königs" lesen Sie auf manager magazin.de.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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