Corinna Scheying

Der Tag im Überblick Milchreis zum Mondpreis

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den dreisten Maschen der Erbschleicher, dem Führungsumbau von Swarovski und Viessmanns Transformation zum Techkonzern.

Wussten Sie, dass Erbschleicherei in Deutschland quasi legal ist? Wenn Menschen altern, sind Angehörige häufig für Hilfe dankbar – wie praktisch, wenn sich jemand anderes kümmert, einkauft, Gesellschaft leistet. Leider kann sich daraus auch hemmungsloses Abkassieren entwickeln, sagt Rechtsanwalt Volker Thieler. Und mithilfe von Vollmachten geht das durchaus gesetzeskonform. Rechtsanwalt Thieler kennt das Phänomen des geldgierigen Kümmerers gut, seit vielen Jahren befasst er sich mit den Rechtsproblemen älterer Menschen und kämpft gegen den Missbrauch von Vorsorgevollmachten. Im Interview erklärt er, wie unfassbar dreist die Täter vorgehen und warum sie oft leichtes Spiel haben – wie beispielsweise die Frau, die für ihre Bekannte Milchreis zum Preis von 20.000 Euro kochte.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Münchner Laserkommunikationsspezialist Mynaric hat bei seinem US-Börsengang mehrere prominente Investoren von sich überzeugen können. Mit von der Partie sind unter anderem Paypal-Mitgründer Peter Thiel, Tinder-Gründer Justin Mateen und Ark Invest, die Investmentgesellschaft von Cathie Wood. Erneut investiert hat auch Christian Angermayer. Mit dem Kapital zieht es Mynaric in den Weltraum.

  • Unangenehme Überraschung für die Niederlande: Der Energiemulti Shell will den Streit mit den niederländischen Steuerbehörden beenden und künftig kräftig Steuern sparen – mithilfe eines Umzugs nach Großbritannien. Zudem will Shell seine komplexe Aktienstruktur aufgeben, um Investoren an Bord zu halten und einen Konflikt mit dem aktivistischen Anteilseigner Third Point zu entschärfen. Brexit-Fan Boris Johnson kann sich freuen: Seine Steuerdumping-Strategie zeigt mit dem Umzug von Shell erste Erfolge.

  • In Glasgow sind zwei Wochen harter Verhandlungen zu Ende gegangen. Der Weltklimagipfel endete mit der Einigung von 200 Staaten auf einen Klimapakt, der vorsieht, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Nicht wenige Teilnehmer zeigten sich von dem Deal jedoch enttäuscht: Die Formulierung zum Kohleausstieg wurde nämlich in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt.

  • Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen hat mit 303 einen weiteren Höchststand erreicht. Obwohl die neue Regierungskoalition die "epidemische Lage" auslaufen lassen will, könnten Einschränkungen für Ungeimpfte kommen: Sie sollen ohne negativen Test keine Busse und Bahnen mehr benutzen dürfen.

Die Personalien des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Ampel-Parteien, allen voran die FDP, wollen die gesetzliche Rente mit einem Kapitalstock aus Steuermitteln stützen. Ihren Vorschlag eines Fonds von zehn Milliarden Euro halten Forscher allerdings für viel zu klein. Ifo-Forscher Joachim Ragnitz kritisiert die Idee als zusätzliche Belastung für die erwerbstätige Bevölkerung, die "keinem Rentner wirklich etwas nützt".

  • Schlupfloch: Wenn Autohersteller besonders schwere Fahrzeuge wie SUV oder Plug-in-Hybride verkaufen, gilt für sie ein weniger strenger CO2-Grenzwert. Für Daimler und BMW scheint das ein willkommenes Schlupfloch zu sein, das sie nutzen, um ihre Emissionsziele zu erreichen – wie die Organisation Transport & Environment in ihrer neuen Studie kritisiert.

Meine Empfehlung für den Abend:

Gutes Binnenklima: Vater Martin (r.) und Sohn Maximilian Viessmann wollen "Klimaschutz aktiv gestalten"

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Foto: Gene Glover
  • Wie transformiert man eine Traditionsfirma? Martin Viessmann und Sohn Max haben ihren Weg dafür offenbar gefunden. Gemeinsam wollen sie ihr nordhessisches Heizungsunternehmen mit seinen 13.000 Beschäftigten in eine klimafreundliche Zukunft führen. Digitale Lösungen sollen für das Gelingen der Energiewende im Wärmesektor sorgen – dafür haben sie den Maschinenbauer zu einem Techunternehmen umprogrammiert. Ein paar Aufgaben warten aber noch auf Vater und Sohn, wovon sie uns in einem ausführlichen Interview berichtet haben. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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