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Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Der Traum von Staatsgeld in Karlsruhe und Essen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den einem Neustart in der Formel 1, einem früheren Vizekanzler in stahlharter Mission und lustlosen Piloten.

Keine Lernkurve ist im Moment wohl so steil wie die von Robert Habeck. Der Bundeswirtschaftsminister plagt sich pausenlos damit, die Deutschen und ihre Unternehmen in Sachen Energieversorgung sicher durch den nächsten Winter zu bringen, und immer wieder stellt er fest: Jede gut gemeinte Idee hat auch ihre Schattenseiten.

Etwa die Gasumlage: Sie kostet die Verbraucher viel Geld – und soll Unternehmen retten, die in Not geraten sind. Doch prompt melden sich auch Antragsteller, die eigentlich stark genug sein sollten und keine Finanzspritze brauchen.

Ein Beispiel ist der süddeutsche Energieversorger EnBW. Dessen CEO Frank Mastiaux hat dem manager magazin gerade in seinen letzten Arbeitstagen noch mal ein großes Interview  gegeben. Mastiaux verabschiedet sich demnächst mit 58 Jahren in den Ruhestand und hinterlässt ein gesundes Unternehmen. Das Ergebnis liegt leicht unter Vorjahr, aber von Existenznot ist man in Karlsruhe weit entfernt. Zudem sind über 90 Prozent der EnBW-Anteile in öffentlicher Hand. Trotzdem: Auf die Gasumlage von vornherein verzichten, das möchte Mastiaux nicht – denn teureres Gas einkaufen müsse er ja schließlich auch. Zitat: "Das können wir uns nicht leisten."

Lässig lächeln: EnBW-CEO Frank Mastiaux muss die Energiewende selbst nicht mehr managen – er geht in den Ruhestand

Lässig lächeln: EnBW-CEO Frank Mastiaux muss die Energiewende selbst nicht mehr managen – er geht in den Ruhestand

Foto: Nico Kurth für manager magazin

Wie EnBW-Chef Mastiaux sein Unternehmen auf die Energiewende vorbereitet hat, warum er amerikanisches Fracking-Gas neuen Atomkraftwerken vorzieht und wie lange er morgens unter der Dusche steht, auch darum ging es im Interview. Sie finden es heute auf unserer Website.  

Wirtschaftsminister Habeck hat heute übrigens angekündigt, die Gasumlage werde noch einmal überarbeitet.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Audi startet ins Rennen: Der Ingolstädter Autohersteller tritt ab 2026 in der Formel-1-Weltmeisterschaft  an. Wie Unternehmenschef Markus Duesmann mitteilte, will man zunächst nur als Motorenhersteller an der Rennserie teilnehmen – ein passendes Team wird offiziell noch gesucht, auch wenn alles auf den Schweizer Sauber-Rennstall hinausläuft. Ob Audi damit jemals Geld verdient? Wäre schön, sagte Duesmann, "aber wir müssen nicht".

  • Piloten drohen mit Streiks: Nach dem Streik des Bodenpersonals fordern nun die Lufthansa-Piloten satte Aufschläge sowie einen automatischen Inflationsausgleich. Die Tarifkommission der Vereinigung Cockpit lehnte ein nachgebessertes Angebot des Unternehmens ab. Streiks sind ab sofort möglich. Die Lufthansa und ihre Flugzeugführer streiten seit sechs Runden über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Auch eine Sondierung brachte kein Ergebnis.

  • Verbraucher am Limit: Die Kauflaune der Deutschen ist so schlecht wie seit 30 Jahren nicht, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung mit. Der Konsumklima-Index der Nürnberger Marktforscher signalisiert für September den dritten Rückgang in Folge. Gleichzeitig ist die Sparneigung sprunghaft angestiegen. Immer mehr Menschen geben ihr Geld vor allem für Energie und Wohnen aus. Bei jedem zehnten Bundesbürger verschlingen die Wohnkosten inzwischen mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens.

  • Streit um Impfstoffe: Der US-Impfstoffhersteller Moderna verklagt den Pharmakonzern Pfizer und dessen deutschen Partner Biontech. Moderna wirft den Konkurrenten vor, die innovative mRNA-Technologie kopiert zu haben, die Moderna bereits Jahre vor der Pandemie entwickelt und durch Patente gesichert habe. Es geht, na klar, um viel Geld: Allein 2022 erwartet Biontech mit seinem Impfstoff Corminaty Erlöse zwischen 13 und 17 Milliarden Euro.

Die besten Originaltexte aus dem "Economist":

  • Wirtschaftskrieg gegen Russland: Mit nie dagewesener Wucht hat der Westen einen Wirtschaftskrieg gegen den Ukraine-Angreifer Russland losgetreten: Zugriff auf die Oligarchen-Vermögen genommen, Handelsbarrieren errichtet und Finanzsanktionen verhängt. Das britische Wirtschaftsmagazin Economist, dessen beste Stücke wir Ihnen jeden Freitag exklusiv anbieten, ist von der Wirkung der Sanktionen überzeugt. Vor allem derjenigen Maßnahmen, über die am wenigsten berichtet wird. 

  • Warren Buffetts nächster Coup: Seit dem Frühjahr hat Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway mehr als 20 Prozent an Occidental Petroleum aufgekauft. Der Investor steht nun mal auf niedrig bewertete Old-Economy-Aktien. Und hatte recht: Die Ölfirma, kurz Oxy, ist einer der größten Kursgewinner an der US-Börse in diesem Jahr. Was Buffett mit der Ölfirma vorhat? Der Economist weiß mehr.

Meine Empfehlung für den Abend:

Lichtgestalt: Auf SPD-Größe Sigmar Gabriel hoffen nicht nur die IG Metaller bei Thyssenkrupp. Er soll die Politik für staatliche Hilfen an die krisenhafte Stahlbranche gewinnen.

Lichtgestalt: Auf SPD-Größe Sigmar Gabriel hoffen nicht nur die IG Metaller bei Thyssenkrupp. Er soll die Politik für staatliche Hilfen an die krisenhafte Stahlbranche gewinnen.

Foto: Daniel Hofer für manager magazin
  • Stahl-Baron: Die Stahlindustrie steht vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Ohne öffentliche Hilfen kann kein deutscher Hersteller die grüne Transformation stemmen. Hinter den Kulissen werben Anteilseigner und Gewerkschaften intensiv um Staatsfinanzierung und, letztlich, um Verstaatlichung. Die Politisierung der Branche ist bereits in vollem Gange, mit einem mächtigen Förderer im Zentrum: Sigmar Gabriel. Der Mann scheint wie gemalt für die Aufgabe: Er war mal Vizekanzler, Minister für Wirtschaft, für Umwelt, Außenminister und SPD-Chef. Als Aufsichtsratschef der Stahlsparte von Thyssenkrupp steht er mitten im Zentrum des Geschehens. Und er hat das Projekt zu seiner Mission gemacht. Wie umtriebig Gabriel dabei agiert, welche Strippen er ziehen kann und wo seine Grenzen liegen, erläutert unsere Kollegin Kirsten Bialdiga in einer großen Recherche heute auf manager-magazin.de  

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn

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