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Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Multi-Risiko Musk und ein Beben bei VW

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Elon Musk, der sich zum Multi-Risiko nicht nur für Tesla entwickelt, mit VW-Chef Oliver Blume, dessen Pläne für ein Beben in Wolfsburg sorgen, und mit Theodor Weimer, der bei Knorr-Bremse womöglich ausgebremst wird.

Multi-Unternehmer und Tech-Ikone Elon Musk ist so mächtig – und so gefährlich wie nie zuvor. Er formte mit Tesla den wertvollsten Autobauer der Welt, schickt mit SpaceX Raketen ins All, unterstützt mit seinem Starlink-Satellitensystem die ukrainischen Soldaten im Krieg gegen Russland und herrscht nach seinem Twitter-Impulskauf nun auch über den wichtigsten öffentlichen Kommunikationskanal der Welt.

Der reichste Mann der Welt handelt dabei so erratisch wie immer schon. Doch die auch für ihn persönlich desaströse Übernahme von Twitter führt selbst eingefleischten Musk-Fans vor, wie widersprüchlich Musk inzwischen handelt – und wie er auch politisch weiter abdriftet. Elon Musk ist zum Bad Man geworden: Mein Kollege Jonas Rest beschreibt in der Titelstory des neuen manager magazins, wie neben Investoren sogar Musks Inner Circle inzwischen von ihm abrückt.

Der Börsenwert von Tesla hat sich seit Jahresbeginn fast halbiert. Die Twitter-Übernahme sei "das Schlechteste, was Elon jemals gemacht hat", hat uns etwa Vermögensverwalter Ross Gerber erzählt, bislang einer von Musks treuesten Anhängern. Zudem fehlt den rund 100.000 Tesla-Mitarbeitern eine erfahrene Management-Riege, denn das Top-Personal wird regelmäßig ausgetauscht. Mit Jérôme Guillen etwa verlor Musk im vergangenen Jahr einen Schlüsselmanager: Wer nicht gefeuert wird, gibt irgendwann entnervt auf. Gehör finden bei Musk nun vor allem Personen, die ihn auf groteske Weise vergöttern.

Für Tesla wäre ein weiteres Abdriften von Musk eine Katastrophe. Um den Vertrauensverlust zu stoppen, muss der Jahrhundertunternehmer Musk seine bisher schwierigste Mission meistern: Er muss sein Ego unter Kontrolle bringen.

Elon Musk: Bislang war der Musk-Faktor Teslas größte Stärke. Doch was passiert, wenn er sich ins Gegenteil verkehrt?

Elon Musk: Bislang war der Musk-Faktor Teslas größte Stärke. Doch was passiert, wenn er sich ins Gegenteil verkehrt?

Fotos [M]: Mark Mahaney / Redux / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • VW-Chef Oliver Blume will neue Fabrik in Wolfsburg kippen: Elf Wochen nach Amtsantritt des neuen VW-Chefs Oliver Blume rumort es gewaltig im zweitgrößten Autokonzern der Welt. Blume räumt radikal auf – und zugleich das Erbe seines Vorgängers Herbert Diess ab. Erst gab Blume die auf autonomes Fahren spezialisierte US-Beteiligung Argo auf. Jetzt verschiebt er nach Informationen meines Kollegen Michael Freitag VW-Modelle und auch Plattformen um Jahre. Den Super-VW Trinity rückt Blume um eine halbe Autogeneration nach hinten, wahrscheinlich von 2026 auf 2030. Und selbst das geplante neue Werk in Wolfsburg – eines der Lieblingsprojekte seines Vorgängers – will er nicht mehr bauen. Blume riskiert damit Ärger mit der mächtigen Betriebsratschefin Daniela Cavallo sowie mit den Vorständen der Marken VW und Audi. "Hier bleibt kein Stein auf dem anderen", hat uns einer von Blumes engen Begleitern gesagt. Sie können die ganze Geschichte in all ihren Details hier lesen: Powerplay – wie die Inventur bei VW aussieht und welche weiteren Börsenpläne der neue Chef verfolgt. In Wolfsburg, das können Sie sich vorstellen, hat sie heute mächtig für Wirbel gesorgt.

  • Operativer Rekordgewinn bei Siemens: Der Siemens-Konzern hat im per Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr im industriellen Kerngeschäft erstmals in seiner Geschichte mehr als 10 Milliarden Euro verdient. Hohe Abschreibungen, zum Beispiel auf die ehemalige Energietechnik-Tochter Siemens Energy, drückten den Nettogewinn jedoch auf 4,4 Milliarden Euro. Siemens-Chef Roland Busch will dennoch die Dividende auf 4,25 Euro pro Aktie erhöhen. Die Aktie von Siemens war am Donnerstag einer der größten Gewinner im Dax.

  • Thyssenkrupp zahlt wieder Dividende: Auch der Industriekonzern Thyssenkrupp will nach einem Gewinnsprung erstmals seit vier Jahren eine Dividende ausschütten. Vorstandschefin Martina Merz warnt wegen der inzwischen wieder gesunkenen Stahlpreise jedoch weiterhin vor schwierigen Zeiten.

  • Das Drama um FTX setzt sich fort: Die Pleite der Kyptoböse FTX hat bekanntlich ein Beben in der Branche ausgelöst. Nun dringen immer weitere erschütternde Details nach außen. Der neue Chef, ein erfahrener Restrukturierer mit dem Spitznamen "Pitbull", greift den Unternehmensgründer und dessen Clique scharf an. Die Situation sei einzigartig, ein solches Ausmaß mangelnder Kontrolle habe er noch nie gesehen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Natur zieht im Board of Directors ein: Ja, richtig gehört – die Natur. Der schottische Kosmetik-Hersteller "Faith in Nature" hat mit einem ungewöhnlichen Schritt für Aufmerksamkeit gesorgt: Die 1974 gegründete Firma hat in diesem Jahr die Natur als stimmberechtigtes Mitglied in seinen Board of Directors aufgenommen. Als rechtliche Vertreterin agiert zunächst die Klimarechtsexpertin Brontie Ansell, Leiterin der NGO Lawyers for Nature. Sie wird bezahlt wie alle nicht exekutiven Boardmitglieder und hat das gleiche Stimmrecht wie die anderen zehn Directors. Ob es sich bei dem Schritt um mehr als nur einen Marketing-Gag handelt, berichten unsere Kollegen vom Harvard Business Manager.

Meine Empfehlung für den Abend:

Planänderung: Der Aufstieg von Theodor Weimer zum mächtigsten Mann bei Knorr-Bremse droht an den Aufsichtsbehörden zu scheitern.

Planänderung: Der Aufstieg von Theodor Weimer zum mächtigsten Mann bei Knorr-Bremse droht an den Aufsichtsbehörden zu scheitern.

Foto: Jann Höfer für manager magazin
  • Theodor Weimer, Vorstandschef der Deutschen Börse, war eigentlich als Verwalter eines der größten Vermögen der Republik vorgesehen. Nach dem Tod des Patriarchen des Industriekonzerns Knorr Bremse, Heinz Hermann Thiele, sollte Weimer den Vorstand der Familienstiftung übernehmen – und damit auch die Kontrolle über gut die Hälfte der Konzernanteile. Dies hätte wieder Ruhe in den zuletzt gebeutelten Konzern bringen können. Doch die Berufung Weimers wackelt. Die Finanzaufsicht Bafin hat nach unseren Recherchen ihr Veto eingelegt. Die Behörde hält Weimers bisherigen Job als Vorstandsvorsitzender der Börse und sein Aufsichtsratsmandat bei der Deutschen Bank für unvereinbar mit einer weiteren Leitungsposition. Welche Optionen Weimer und Knorr Bremse noch haben, erfahren Sie hier.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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