Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Das Drama bei der DWS

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem verspäteten Notarzt, einem erfolgreichen Klubsammler und einem elektrisierenden Investorenliebling.

Es musste wohl erst zu einer Razzia in den Zentralen der Deutschen Bank und deren Fondstochter DWS kommen. Nur wenige Stunden nach den Durchsuchungen in den Geschäftsräumen der beiden Unternehmen jedenfalls kündigte die DWS in der Nacht zu Mittwoch an, dass Asoka Wöhrmann sein Mandat als Vorstandsvorsitzender mit Wirkung zum 10. Juni niederlegen werde.

Wöhrmann steht seit Monaten in der Kritik. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres warf die ehemalige Nachhaltigkeitsbeauftragte der DWS, Desiree Fixler, dem Unternehmen intern vor, Anleger und Aktionäre mit "Greenwashing" getäuscht zu haben. Später ging sie damit auch an die Öffentlichkeit. Die DWS soll Etikettenschwindel betrieben haben und "grüne" Finanzprodukte als nachhaltiger verkauft haben, als sie tatsächlich waren. Das Unternehmen bestreitet jegliches Fehlverhalten. Doch seit Monaten ermitteln die Aufsichtsbehörden in den USA und Deutschland sowie die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die DWS hat intern eine US-Kanzlei mit der Aufklärung betraut.

Zudem soll Wöhrmann in der Vergangenheit bisweilen Geschäftliches auch über seinen privaten E-Mail-Account und über Whatsapp kommuniziert haben, wie Insider unserer Kollegin Katharina Slodczyk bereits Anfang dieses Jahres bestätigte. Auch hier hatte die DWS eigene Ermittlungen angestoßen.

Insgesamt war der strahlende Retter der Fondstochter, die der Deutschen Bank zuletzt wieder glänzende Zahlen geliefert hatte, zunehmend als Risikofaktor erschienen. Doch erst nach der Razzia am Dienstag zog Christian Sewing, der Vorstandschef des Haupteigners Deutsche Bank, die Notbremse. Er setzt seinen Jungstar Stefan Hoops, den bisherigen Leiter der DB-Unternehmenskundensparte, an die Spitze der DWS. Wie es überhaupt zu dem Skandal um grüne Geldanlagen kam, können Sie hier in allen Details lesen : Die grüne Affäre – Genese eines Skandals.

Chefwechsel: CEO Asoka Wöhrmann (li.) wird durch Stefan Hoops ersetzt

Chefwechsel: CEO Asoka Wöhrmann (li.) wird durch Stefan Hoops ersetzt

Foto: Hannibal Hanschke / picture alliance/dpa/Reuters Images Europe/Pool; Peter Kovalev / picture alliance/dpa/TASS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Finanzspritze für Rimac: Der kroatische Sportwagenhersteller hat bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde insgesamt 500 Millionen Euro eingesammelt. Investiert haben unter anderem der Technologiefonds des japanischen Investors Softbank, die US-Investmentbank Goldman Sachs und die VW-Tochter Porsche, die mit 45 Prozent an der Fahrzeugsparte Bugatti Rimac beteiligt ist. Bugatti Rimac entwickelt derzeit ein 2,5 Millionen US-Dollar teures und 1914 PS starkes Elektrofahrzeug.

  • Subvention für Autofahrer: Die seit Mitternacht geltende Senkung der Energiesteuer hat zu deutlich sinkenden Spritpreisen geführt, wie eine Auswertung der Preise an 400 Tankstellen in drei deutschen Großstädten zeigt. Für einen Liter Super E10 verlangten die Anbieter meist weniger als 1,90 Euro. Diesel kostete in der Regel knapp unter 2 Euro.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Ende des Corona-Lockdowns: Nach zwei langen Monaten endete an diesem Mittwoch der harte Lockdown in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai. Die strengen Maßnahmen haben weltweit für Störungen in den Lieferketten gesorgt, da Shanghai die größten Hafenanlagen der Welt betreibt. Noch immer staut sich rund 3 Prozent der weltweiten Containerfrachtkapazität vor den Hafenanlagen. Eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist allerdings unrealistisch. Mit welchen Problemen die Reedereien zu kämpfen haben und in welchen Häfen die Schiffe sogar länger warten als in Shanghai, hat unser Kollege Helmut Reich für Sie recherchiert: Warum der Dauerstress für die Lieferketten nicht vorbei ist.

  • Sammler der Fußballklubs: Der US-Amerikaner Gerry Cardinale ist bereits Eigentümer des französischen Erstligisten FC Toulouse und Mitinhaber des Champions-League-Finalisten FC Liverpool. Nun will der frühere Goldman-Sachs-Partner mit seiner Investmentfirma Redbird Capital für rund 1,3 Milliarden Euro auch die Mehrheit an dem italienischen Traditionsklub AC Mailand übernehmen, der gerade erst die italienische Meisterschaft gewonnen hat. Unser Kollege Lukas Heiny hat sich den Mann einmal näher angeschaut: Der neue Imperator in Europas Fußball.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Erinnern Sie sich noch an den Machtkampf zwischen VW-Chef Herbert Diess und Betriebsratschefin Daniela Cavallo? Im Herbst 2021 wollte Diess lieber zu einem Investorengespräch in die USA reisen, anstelle der heimischen Betriebsversammlung beizuwohnen. Am Ende knickte Diess ein. Der Streit ist ein Lehrbeispiel dafür, dass selbst Topmanager von Großkonzernen in Konflikten mit Betriebsrat und Gewerkschaften oft überfordert reagieren. Wie Führungskräfte richtig mit der Arbeitnehmervertretung verhandeln und wie wichtig der Zeitpunkt der Verhandlungen ist, beschreiben unsere Kollegen vom Harvard Business manager in einer ausführlichen Analyse .

Meine Empfehlung für den Abend:

Zu bunt: Gabriele Quandt verkauft Anteile

Zu bunt: Gabriele Quandt verkauft Anteile

Foto: BrauerPhotos / J.Reetz
  • Seit mehr als 40 Jahren wacht die Vermögensverwaltung HQ über das Vermögen der fünf Quandt-Schwestern, den Töchtern des verstorbenen Industriellen Harald Quandt. Mit dem von Gabriele Quandt angeführten Familiy Office setzten die Schwestern lange Zeit Maßstabe und boten die Dienste auch anderen reichen Familien an. Nun steht die Holding vor der Selbstauflösung: Die Mehrheit an dem Private-Equity-Vertrieb HQ Capital – ein Teil der Holding – ist für 50 Millionen Euro zu einem Großteil an den französischen Finanzdienstleister LFPI verkauft worden. Unser Kollege Mark Böschen hat analysiert, warum damit die erst 2020 ersonnenen Wachstumspläne der Schwestern krachend gescheitert sind .

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel