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Jetzt fragt Topmanagerin Tina Müller "Drama ist schon extrem interessant"

Ein Jubiläum ist der perfekte Zeitpunkt, sich selbst infrage zu stellen. Erstmals in seiner Geschichte hat das manager magazin daher die Rollen umgekehrt: Tina Müller, CEO der Douglas Group, interviewt Sven Clausen, einen der beiden Chefredakteure. Auch Titelzeile, Bildauswahl, Interviewanlauf sowie Kleintexte geben Müllers Sicht der Dinge wieder.
aus manager magazin 11/2021
Kritische Distanz: Sven Clausen, einer der beiden Chefredakteure des manager magazins, ließ sich von Douglas-Chefin Tina Müller interviewen

Kritische Distanz: Sven Clausen, einer der beiden Chefredakteure des manager magazins, ließ sich von Douglas-Chefin Tina Müller interviewen

Foto:

Marina Weigl für manager magazin

Sven Clausen – dichtes Haar, figurbetonter Anzug, knallrote Socken, Hoka-Sneaker – erscheint zum Interview in der Düsseldorfer Douglas-Zentrale. Das manager magazin gilt als besonders schonungslos, wenn es mit Unternehmen und Managern(*)innen ins Gericht geht. Kaum ein anderes deutsches Medium beherzigt das Motto "Good news are no news" so sehr wie das Hamburger Wirtschaftsblatt: im Schnitt mehr als die Hälfte der Artikel sind in der Tonalität negativ, bissig oder bisweilen gar hämisch. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Heftes stellt sich Clausen nun Müllers Fragen zur Lust am Scheitern, den digitalen Defiziten des manager magazins, dem Purpose seiner Redaktion und zum Umgang mit Frauen im Blatt.

Tina Müller: Willkommen, Herr Clausen, und zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 50-Jährigen! Das manager magazin ist ja schon fast so etwas wie ein Dinosaurier unter den deutschen Wirtschaftsmedien.

Sven Clausen: Was für ein freundlicher Empfang, vielen Dank. Ein Dinosaurier sind wir natürlich nicht, die sind ja bekanntlich ausgestorben – das haben wir nicht vor.

Ihre Auflage inklusive der Digitalabos hat sich – die Bordexemplare für die Businessclass herausgerechnet – allenfalls stabil entwickelt. Sind Sie mit dem Absatz zufrieden?

Mit der Printauflage sind wir zufrieden – besonders angesichts der sinkenden Auflagen vieler Konkurrenten und der Probleme im Einzelverkauf während der Pandemie. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, digital zu wachsen. Und da geht es uns um qualitatives Wachstum, also um wiederkehrende Nutzerinnen und Nutzer, die zu Fans und dann zu Abonnentinnen und Abonnenten werden. Und auch da sind wir mit der Entwicklung wirklich sehr zufrieden. Insgesamt haben wir die Zahl unserer Abos in den vergangenen drei Jahren um mehr als ein Fünftel gesteigert.

Tina Müller

Tina Müller ist seit Ende 2017 CEO der DouglasGroup, Düsseldorf. Unter ihrer Führung wurde die Parfümeriekette transformiert und zu Europas größter Beauty-Plattform ausgebaut. Zuvor war Müller Marketingvorständin bei Opel und in verschiedenen leitenden Positionen bei Henkel beschäftigt.

"Die Idee eines ,umgekehrten Interviews' hat mich gereizt", sagt sie über das Gespräch mit Sven Clausen. "Es war ein offener, ehrlicher Austausch auch zu kritischen Themen: Negativdenken im Journalismus, Digitalisierung der Medien, Vernachlässigung und unterschwellige Diskriminierung von Frauen in der Wirtschaftswelt. Es war ein gutes Gespräch, Sven Clausen hat sich nicht weggeduckt. Vielleicht kann ich mit dem Interview ein wenig zur Modernisierung des manager magazins beitragen."

Wie schätzen Sie denn die Reichweitenerfolge Ihrer Konkurrenz im Onlinebereich ein? Im Vergleich zum Beispiel zum Business Insider, zur "Wirtschaftswoche" und zum "Handelsblatt" sind die Nutzerzahlen bei Ihnen ja noch ausbaufähig.

Ja, mehr ist in diesem Falle immer gut, dafür müssen wir uns sicherlich auch inhaltlich noch ein bisschen mehr öffnen und einer breiteren Zielgruppe zeigen, was unser Angebot so einzigartig macht. Wir wollen hier dauerhaft, auf Jahressicht wachsen – im Print sind die Marktanteile weitgehend verteilt, da freuen wir uns auch über Wachstum, aber da wird der entscheidende Kampf nicht mehr gewonnen.

Wie onlinefeindlich ist Ihre Redaktion noch? Es ist ja bekannt, dass sich Printjournalisten mithin schwertun, für das Internet zu schreiben. Hat das manager magazin diesen Kulturwandel schon vollzogen?

Wir waren nie onlinefeindlich, aber richtig ist auch: Wir sind mittendrin im Umbau, und da wird es auch nie einen Schlusspunkt geben. Wir sind einerseits ein Monatsmagazin, sind aber als digitales Medium andererseits der tägliche Begleiter der Leserinnen und Leser. Das ist zum Teil eine ganz andere Arbeits- und Herangehensweise, beispielsweise geht es dann auch um den Umgang mit neuen digitalen Tools, etwa um einen Podcast in Topqualität anzubieten.

Von außen betrachtet steckt der Journalismus in einer Phase der Neudefinition. Nur ein Beispiel: Es gibt mittlerweile ein Redaktionsschiff, das fährt durch die Republik und verbindet exklusive Get-togethers, politische Salonkultur und kritischen Journalismus. Was ist Ihre Antwort darauf, wo ist der Platz für den Tanker manager magazin in diesem neuen Medienmarkt?

Wir verstehen unseren Journalismus als Aufklärungsarbeit, wir entschlüsseln Wirtschaft. Diese Tiefenbohrungen kommen gut an, das sind unsere größten Erfolge bei unseren Leserinnen und Lesern, egal ob digital oder Print. Das heißt, im Großen und Ganzen müssen wir am Kern unseres Journalismus nicht so viel ändern. Wir sind weiterhin die Heimat und der Impulsgeber für die Menschen, die sich tief informieren wollen, auf unterhaltsame Art und Weise. Es gibt viele Journalisten, die ganz entschieden eine Meinung haben; aber wenn Sie wissen wollen, was wirklich passiert in der Wirtschaft, müssen Sie zu uns kommen, das bietet sonst niemand. Was sich extrem ändert, ist die Darreichungsform. Es werden zwar nach wie vor gern lange Geschichten gelesen, aber natürlich verstärkt auf dem Smartphone. Wir müssen uns fragen, in welchen Formaten bringen wir die Kompetenz, die wir uns "er-recherchiert" haben, an unsere Kundinnen und Kunden? Das ist der große Wandel. Da müssen wir an vorderster Front dabei sein.

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