Marleen Gründel

Der Tag im Überblick Ein skrupelloser Lieferant und ein flüchtender Milch-Vorstand

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Angriff auf Amazon, einem Mangel bei Müller-Milch und Wut bei Vonovia.

Haben Sie sich heute Ihr Mittagessen von Lieferando an die Haustür bringen lassen? Wer wegen Corona zu Hause arbeiten und nebenher womöglich noch Kinder betreuen muss, sieht in Lieferdiensten nicht selten eine willkommene Unterstützung.

Bisher dominiert Lieferando den Markt in Deutschland. Doch das könnte sich bald ändern – zumindest wenn es nach dem US-Liefergiganten Doordash geht. Das Unternehmen von Gründer Tony Xu plant dabei nicht nur einen Angriff auf Lieferando, sondern zielt gleich auch auf Amazon: Doordash soll zur "Allesbringer"-App mutieren, inklusive Ibuprofen aus der Apotheke und Wandfarbe aus dem Baumarkt.

Das sind nicht nur kühne Träume eines ehrgeizigen Jungunternehmers. Xu hat in den USA Marktführer Grubhub praktisch aus dem Nichts heraus in die Schranken verwiesen. Dabei ging der Doordash-Gründer ziemlich skrupellos vor. Sein Unternehmen ist in der Lieferbranche inzwischen gefürchtet wie kaum ein anderes, sogar Konkurrent Delivery Hero zog sich entgegen anderslautender Ankündigungen Ende vergangenen Jahres überraschend vom deutschen Markt zurück.

Wie Xu vorgeht und warum die Eroberung des deutschen Marktes für Doordash nicht so einfach werden wird wie in den USA, hat unser Kollege Jonas Rest recherchiert: Die fiesen Tricks des US-Liefergiganten Doordash .

Geschickt und gefürchtet: Doordash-Chef Tony Xu greift Amazon an

Geschickt und gefürchtet: Doordash-Chef Tony Xu greift Amazon an

Foto: Jim McAuley / The NewYorkTimes/Redux/laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Das Ende der Minuszinsen: Erstmals seit mehr als zwei Jahren stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen über die Schwelle von 0 Prozent. Anleger bekommen also wieder Geld für ihre Kredite an den deutschen Staat – zumindest ein wenig. Hintergrund ist die weltweit anziehende Inflation: Um die Preissteigerung zu bekämpfen, erwarten Anleger Zinserhöhungen der Zentralbanken und trennen sich von ihren Staatsanleihen. Der Druck auf die Währungshüter steigt.

  • Antrag auf Gläubigerschutz: Nach den MV Werften hat nun auch der Hongkonger Mutterkonzern Genting Insolvenz beantragt. Der asiatische Konzern bietet unter anderem Kreuzfahrten und Glücksspiele an, er ist infolge der Pandemie in Schwierigkeiten geraten. Der Insolvenzverwalter von MV Werften ist dennoch zuversichtlich, eine Finanzierung für den Fertigbau der "Global Dream One" zu erhalten, dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt.

Die Personalien des Tages:

  • Schon wieder schmeißt ein Vorstand beim Molkereikonzern Müller seinen Job hin: Der Niederländer John Broekmans wird das Unternehmen unseren Informationen zufolge Ende März verlassen. Der Manager hatte mit der Milch-Sparte die Verantwortung für die wichtigste Geschäftseinheit des Unternehmens inne. Nach seinem Abgang besteht der Vorstand nur noch aus zwei statt fünf Mitgliedern. Womöglich könnte Müller-Milch heute deutlich internationaler sein und mehr als die sieben Milliarden Euro umsetzen, wenn sich die Vorstände nicht ständig die Klinke in die Hand geben würden.

  • Der Umbau des MAN-Vorstands geht weiter: Die Betriebswirtin Inka Koljonen wird neue Finanzchefin des Münchner Lastwagenbauers. Die Managerin war bisher Finanzvorstand des Nutzfahrzeug-Zulieferers SAF-Holland und tritt ihren Posten zum 1. Februar an.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Erinnern Sie sich noch an den überraschenden Abgang von Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn Mitte Dezember vergangenen Jahres? Der Manager sollte eigentlich bei der Fusion seines Unternehmens mit Konkurrent Vonovia Vize-Chef des neuen Immobiliengiganten werden. Doch er lehnte ab. Ein Kennenlerngespräch mit den alten und neuen Vorständen geriet außer Kontrolle. Was hinter den Kulissen passierte und wie Vonovias Finanzchefin Helene von Roeder von dem Rücktritt profitierte, haben unsere Kollegen Mark Böschen und Sven Clausen aufgeschrieben: So lief der Machtkampf an der Vonovia-Spitze .

Meine Empfehlung für den Abend:

Sorgte mit seinen Berechnungen für Aufsehen: IMK-Direktor Sebastian Dullien

Sorgte mit seinen Berechnungen für Aufsehen: IMK-Direktor Sebastian Dullien

Foto: Peter Himsel / Hans-Böckler-Stiftung
  • Nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat der Impfstoffhersteller Biontech im vergangenen Jahr ein Fünftel des deutschen Wirtschaftswachstums verursacht. Diese Nachricht aus der vergangenen Woche stieß bei unseren Leserinnen und Lesern auf große Resonanz. IMK-Chef Sebastian Dullien überrascht die Aufregung nicht. Deutschland habe noch keinen Wachstumsschub mit einer solchen Dynamik innerhalb eines Jahres erlebt hat. Wie er auf die Zahl kommt und was sie aussagt, hat Dullien unserem Kollegen Helmut Reich im Interview erzählt.

Und noch einmal der Hinweis: Diesen Newsletter können Sie jetzt auch hören. Unseren "Der Tag"-Podcast finden Sie täglich ab 18 Uhr auf manager-magazin.de und überall, wo es Podcasts gibt, zum Beispiel bei Spotify  und Apple . Hören Sie gerne rein.

Herzliche Grüße und einen entspannten Feierabend, Ihre Marleen Gründel