Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Karrierefrauen und Schattenmänner

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Geschlechterkampf in Führungsetagen, dem Gewinnrausch der Containerreeder und dem Verbindungsmann der Topmanager.

Mehr Diversität in die Führungsetagen – so lautet ein Megatrend unserer Zeit. Unterrepräsentierte Gruppen sollen gleichberechtigten Zugang zu Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft erhalten. In Deutschland bedeutet das derzeit vor allem: Mehr Frauen rücken in Aufsichtsräte und Vorstände ein, ihr Anteil an allen Führungspositionen in den Unternehmen nimmt zu. Das ist seit August 2021 sogar gesetzlich vorgegeben: Nach dem sogenannten "Zweiten Führungspositionen-Gesetz – FüPoG II" müssen etliche börsennotierte Unternehmen Frauen in die Vorstände berufen, wenn dort bereits drei Männer sitzen.

Das manager magazin hat den Diversity-Trend oft beschrieben. In unserer aktuellen Titelgeschichte schauen wir uns einen besonderen Aspekt näher an: Was halten eigentlich die Männer davon, dass ihnen neue, weibliche Konkurrenz erwächst? Die Recherchen unseres Teams – zwei Kolleginnen, ein Kollege – ergaben: Längst nicht jeder Mann kommt mit der neuen Realität zurecht. Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Ein Kulturkampf bahnt sich an: Frau gegen Mann.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre verunsicherten Leistungsträger zu halten. Und Männer müssen sich der Tatsache stellen, dass Karriere nicht mehr automatisch Karriere für Männer bedeutet.

Den Report über die Ausweitung der Kampfzone finden Sie hier . Außerdem interessiert uns sehr, welche Erfahrungen Sie – ob Frau oder Mann – in Ihrem Unternehmen gerade machen: Was tut sich in Sachen Diversity bei Ihnen? An die Frauen: Bekommen Sie den wachsenden Geschlechterkonflikt zu spüren? Und an die Männer: Empfinden Sie sich als Diversitätsverlierer? Schreiben Sie uns gern an folgende Adresse: chefredaktion@manager-magazin.de . Wir sammeln Ihr Feedback bis morgen, Donnerstag, 12 Uhr. Es wird – natürlich anonymisiert – einfließen in unseren freitäglichen Podcast "Das Thema".

"Der Aufstieg der Frauen bedeutet nicht den Fall der Männer": Adidas-Personalchefin Amanda Rajkumar bemüht sich intern um Frieden

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Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Playmobil auf Schleich-Fahrt: Der Spielzeughersteller prüft nach Information unseres Kollegen Martin Mehringer eine Übernahme des wachstumsstarken Konkurrenten Schleich . Die Nürnberger stehen unter Handlungsdruck, schließlich mutiert die Kultfirma seit dem Tod von Inhaber Horst Brandstätter im Jahr 2015 langsam zum Krisenfall. Geld ist nicht das Problem: Der Patriarch hat fast sein gesamtes Privatvermögen von rund 1,4 Milliarden Euro in der Firma gelassen. Doch Brandstätters ehemalige Chefsekretärin Marianne Albert und Firmenchef Steffen Höpfner wissen wenig mit dem Geld anzufangen. Sollte die Übernahme von Schleich gelingen, bekäme Playmobil endlich Zugriff auf ein Management, das einen Spielzeughersteller bereits seit Jahren erfolgreich führt.

  • CommerzVentures auf Erfolgstour: Wenn Commerzbank-Chef Manfred Knof am Donnerstag die Zahlen für das abgelaufene Jahr vorlegt, wird besonders die Wagniskapitalsparte des Instituts im Blick stehen. Mit lediglich zehn Mitarbeitern hat die Tochter nach Informationen unserer Kollegin Katharina Slodczyk einen dreistelligen Millionenbetrag erwirtschaftet. Mit welchen Investitionen CommerzVentures so erfolgreich war, erfahren Sie hier: "Wie eine Mini-Abteilung der Commerzbank viele Millionen bescherte." 

Die Personalien des Tages:

  • Noch einmal Commerzbank: Personalvorständin Sabine Schmittroth verlässt die kriselnde Bank zum Jahresende. Die 56-Jährige arbeitete 38 Jahre für die Commerzbank und möchte nun eigenen Angaben zufolge "in eine neue Lebensphase" eintreten. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin steht noch nicht fest.

  • Neuer Aufsichtsratschef bei der Adler Group: Der ehemalige Thyssenkrupp- und Vonovia-Vorstand Stefan Kirsten ist zum Mitglied des Kontrollgremiums bestellt und dann zu seinem Chef gewählt worden. Der bisherige Vorsitzende Peter Maser wird sein Stellvertreter. Der Immobilieninvestor ist durch Vorwürfe des britischen Leerverkäufers Fraser Perring unter Druck geraten, der Zweifel an dessen Bilanzierungsmethoden angemeldet hatte. Derzeit prüft der Berater KPMG die Bilanzen der Adler Group, der Jahresabschluss für 2021 ist verschoben.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Containerreeder im Gewinnrausch: Kaum eine Branche verdient derzeit so gut die Containerreeder. Während der Corona-Pandemie haben sich die Frachtraten von China nach Europa mehr als versiebenfacht. Hohe Nachfrage und ein knappes Containerangebot treiben die Preise. Für den Missbrauch von Marktmacht durch die Reedereien sieht Vincent Stamer, Ökonom und Handelsexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft, allerdings keine belastbaren Beweise. Stamer geht davon aus, dass sich die Preise nicht so schnell normalisieren werden. Warum bereits in wenigen Jahren wieder Überkapazitäten drohen und was die Reedereien in Sachen Klimaschutz vorhaben, hat der Ökonom unserem Kollegen Lutz Reiche in einem ausführlichen Interview erläutert.

Meine Empfehlung für den Abend:

Geheimmacht: Beziehungen zum saudi-arabischen Königshaus und zur heimischen Finanzszene haben Daniel Wruck zur Hinterzimmergröße gemacht

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Foto: Illustration: Thomke Meyer für manager magazin
  • Daniel Wruck kennt eine Menge Topleute aus Politik und Wirtschaft. Auf seinem Schreibtisch stehen verschiedene Fotos, mal ist er dort mit Ex-Airbus-Chef Tom Enders zu sehen, mal mit dem saudi-arabischen König Salman. Der hessische Geschäftemacher löst für die heimischen Unternehmer knifflige Fälle aller Art – mit häufig unkonventionellen Methoden. Unser Kollege Thomas Werres hat den Schattenmann der deutschen Wirtschaft  getroffen. Er hat das Porträt eines Mannes gezeichnet, vor dem einige Wirtschaftsprofis inzwischen warnen.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel