Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Herr Schwarz macht sich Heilbronn, wie es ihm gefällt

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Milliardär auf seiner Großbaustelle, Evergrande auf Crash-Kurs und Führungskräften auf der Theaterbühne.

Der Unternehmer Dieter Schwarz (82), de facto immer noch Chef des Lidl-Imperiums, tritt so gut wie nie öffentlich auf und lässt sich kaum fotografieren. Lieber macht er mit Taten von sich reden. Ein Spielplatz Schwarzscher Gestaltungskraft ist seine Heimatstadt Heilbronn, 50 Kilometer nördlich von Stuttgart, um die 126.000 Einwohner. Mit seinem Geld will der Multimilliardär die Kommune zu einem Modellort machen: mit modernstem Bildungs- und Forschungssystem, Avantgarde-Unternehmertum, hochgradig international.

Nicht jedem gefällt das. Schwarz mache Wirtschaftspolitik ohne Wirtschaftsministerium, monieren Kritiker. Doch immerhin - der Handelstycoon (Wahlspruch: "Bildung ist der Rohstoff der Zukunft") setzt um, wovon viele Politiker nur reden. Mit seinem Schöpferdrang steht Schwarz wie kaum ein anderer für den Trend, der inzwischen das Engagement vieler Mäzene in Deutschland prägt: Sie wollen keine Schecks mehr auf Spendengalas verteilen, sondern strategisch handeln wie Konzerne, mit allen Mitteln, um die größte Durchschlagskraft zu erzielen.

Meine Kollegin Sonja Banze hat sich auf die Spuren des Ausnahme-Unternehmers begeben. Sie hat sich in Heilbronn gründlich umgesehen und aufgeschrieben, warum man sich in der Stadt unter den Fittichen des Mäzens manchmal so fühlen kann wie im Wilden Westen: Lidl-Gründer Dieter Schwarz baut sich eine Stadt. 

Unternehmer mit Spielplatz: Lidl-Gründer Dieter Schwarz gestaltet sich Heilbronn, wie es ihm gefällt

Unternehmer mit Spielplatz: Lidl-Gründer Dieter Schwarz gestaltet sich Heilbronn, wie es ihm gefällt

Foto: Tim McDonagh für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die künftige Bundesregierung hat sich viel vorgenommen, auch wirtschaftspolitisch. Der Klimawandel muss bekämpft, die Digitalisierung gemeistert und die Infrastruktur größtenteils erneuert werden, um nur ein paar Leuchtturmprojekte zu nennen. Ob und wie das gelingen wird, wird entscheidend von den Personen abhängen, die künftig in Berlin an den Schaltstellen der Wirtschaftspolitik sitzen. Aber wer sind diese Leute? Welchen Hintergrund haben sie? Und was ist von Ihnen zu erwarten? Meine Kollegin Sina Osterholt stellt Ihnen die neuen Wirtschaftslenker der Ampel-Koalition vor.

  • Karl Lauterbach wird Gesundheitsminister – in einer Zeit, in der sich die Corona-Krise erneut dramatisch zugespitzt hat, ist das die wohl bemerkenswerteste Personalie des Tages aus Berlin. Aber es ist nicht die einzige: Als letzter der drei Ampel-Koalitionäre hat heute die SPD bekannt gegeben, wer ihre Ministerposten bekommt. Hier der Überblick über das damit komplette Kabinett des künftigen Kanzlers Olaf Scholz, dessen Wahl am kommenden Mittwoch spätestens damit nichts mehr im Wege stehen dürfte.

  • Das könnte eine wirklich spannende Unternehmensgründung werden: Der Stuttgarter Professor Michael Saliba entwickelt dank neuer Technologien Solarzellen mit höherem Wirkungsgrad. Weltweit gilt er als einer der Superstars auf diesem Gebiet, eine unabhängige Jury sprach ihm in diesem Jahr den Curious-Mind-Forscherpreis zu. Salibas nächsten Step beschreibt für Sie mein Kollege Michael Kröher: Der Physiker will mit seiner Technologie ein Start-up ins Leben rufen.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

Unter Beobachtung: Auch im Homeoffice behalten Arbeitgeber ihre Beschäftigten gern im Blick

Unter Beobachtung: Auch im Homeoffice behalten Arbeitgeber ihre Beschäftigten gern im Blick

Foto: damircudic / Getty Images
  • Haben Sie im Homeoffice schon wieder gebummelt? Moderne New-Work-Tools sammeln ständig Daten, Arbeitnehmer können nur noch wenig verbergen. Bewerten bald Algorithmen die Arbeitsleistung, sodass sich das Jahresgespräch mit dem Chef erübrigt? Mein Kollege Helmut Reich hat darauf eine Antwort gesucht.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Spielen Sie gern Theater? Ich meine nicht die Form von Theater, die leidgeprüfte Untergebene mitansehen dürfen, wenn Chefs ihre Prozesse nicht im Griff haben (was hie und da mal vorkommen soll). Nein: Hier geht um die Frage, ob Sie gern aus sich herausgehen und "performen". Diese Fähigkeit kann Ihnen und Ihrer Organisation nämlich nützliche Hilfe leisten - wenn es darum geht, agiler zu werden.Ein Autorenteam des Harvard Business managers beschreibt, wie auch deutsche Unternehmen Impro-Theater-Sessions einsetzen, um sich im Angesicht drohender Krisen locker zu machen und die Reaktionskräfte zu stärken. Die Deutsche Bahn zum Beispiel lässt Führungskräfte schon seit Jahren spielerisch Probleme bewältigen. Neugierig geworden? Hier finden Sie den Report 

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

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