Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Harvard des Fußballs

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem DFB-Investment von 150 Millionen Euro, einer Inflationsrate von 17 Prozent und einer Milliardenspritze von Investoren für Celonis.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir ist der Fußball während der Pandemiezeit weitgehend aus dem Blick geraten. Ein großer Fan war ich nie, aber bei Tabellenstand und anderen Basics zumindest immer auf Ballhöhe. Kürzlich wurde ich dann überrascht, als ich mit zwei Tagen Verspätung mitbekam, dass Borussia Dortmund den DFB-Pokal gewonnen hat. Wäre mir früher nie entgangen, so was.

Ich gehöre vermutlich exakt zu jenem Publikum, das DFB-Direktor und Ex-Nationalspieler Oliver Bierhoff mit seinem neuesten Megaprojekt zurückgewinnen will. 150 Millionen Euro hat der Fußballbund in einen riesigen Neubau gesteckt, der zurzeit in Frankfurt entsteht. Dessen Herz: Die DFB-Akademie, die mit wissenschaftlichen Methoden und viel Hightech helfen soll, die Nationalelf zurück an die Spitze zu bringen – und die Bundesligaklubs auf internationales Niveau. Es ist das Comeback-Projekt des deutschen Fußballs.

Spieler, Trainer, Manager, Taktik, Ernährung, Erholung – kein Detail, an dem die Akademiemacher nicht drehen wollten. Sie experimentieren mit Virtual-Reality-Brillen aus Norwegen ebenso wie mit gekühlten Work-out-Liegen, die auch die Nasa für ihre Astronauten einsetzt. Und natürlich mit jeder Menge IT, etwa in Form eines Fingerrings der finnischen Firma Oura, über den Schlafdaten für Sportler gesammelt werden.

Mein Kollege Christoph Neßhöver hat über die DFB-Pläne unter anderem auf der Baustelle in Frankfurt recherchiert, und sein Report enthält auch einen Trost für die alten Hasen des Fußballsports: Die legendäre Eistonne wird es auch im künftigen "Harvard des Fußballs", wie es Bierhoff nennt, noch geben .

Nationalelf beim Training: Der DFB hofft auf Hightech in der DFB-Akademie

Nationalelf beim Training: Der DFB hofft auf Hightech in der DFB-Akademie

Foto: Matthias Hangst / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Die spektakulärste Nachricht des Tages kommt aus der deutschen Tech-Szene. Der Geldregen für vielversprechende deutsche Start-ups hält nämlich an: Nach dem Onlinebroker Trade Republic und dem Versicherungs-Fintech Wefox statten Investoren nun auch Celonis mit frischem Kapital für weiteres Wachstum aus. Und zwar nicht zu knapp: Eine Milliarde Dollar stecken die Geldgeber in den Münchner Entwickler von Prozessanalysesoftware, wodurch dieser nun 11 Milliarden Dollar wert ist – so viel wie kein anderes Start-up hierzulande. Celonis ist damit nicht nur ein "Unicorn", wie man Start-ups mit Bewertung jenseits der Milliardengrenze nennt, sondern Deutschlands erstes "Decacorn". Was genau die drei Gründer mit dem Geld anstellen wollen, erzählt Ihnen meine Kollegin Christina Kyriasoglou hier .

  • Tesla-Chef Elon Musk twittert gern, wie man weiß. Das brachte ihm schon manchen Ärger ein. Zum Beispiel 2018, als er fälschlicherweise behauptete, ein Börsenrückzug des Elektroautobauers sei praktisch unter Dach und Fach. Seinerzeit erreichte die US-Börsenaufsicht SEC, dass Musks Tweets bei sensiblen Themen fortan vor der Veröffentlichung von Anwälten gelesen werden müssten. Aber Musk wäre nicht Musk, wenn er sich daran so einfach halten würde – jetzt hat er wieder Stress mit der SEC.

  • Das Urteil kam gestern Abend spät, ist aber wirklich bemerkenswert: Am Landgericht Bonn wurde erstmals ein deutscher Banker wegen sogenannter Cum-Ex-Geschäfte zu einer Haftstrafe verurteilt. Gleich für fünfeinhalb Jahre soll der ehemalige Generalbevollmächtigte der Privatbank M.M. Warburg hinter Gitter.

  • Dass die Grünen inzwischen über hervorragende Drähte in die Führungskreise der deutschen Wirtschaft verfügen, haben wir Ihnen unlängst ausführlich anlayisert . Aktueller Beleg: Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser – so eine Art personifizierte deutsche Wirtschaft – wirbt für Annalena Baerbock als Kanzlerin.

Was heute sonst noch wichtig war:

Urlaubsreif? Buchen Sie schnell - und auf die richtige Weise

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Foto:

Chad Ehlers/ picture-alliance/ dpa

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Die international renommierte Journalistin und Buchautorin Jennifer Moss beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Burn-out. Doch mit dem Beginn der Corona-Krise, das schreibt sie in einem Beitrag für den "Harvard Business manager", habe sich ihr Blick auf das Thema noch einmal deutlich verändert. Die schlagartige Umstellung der Arbeitssituation für viele Millionen Menschen, die von heute auf morgen von zu Hause arbeiten mussten, habe offenbart, wie dünnhäutig, erschöpft und mürbe wir alle sind, so Moss. Als Heilmittel werde vor allem die Selbstfürsorge gepriesen – dabei lägen die Ursachen für einen Burn-out anerkanntermaßen in den Organisationen, in denen Betroffene tätig sind. Wie es besser geht, beschreibt Moss hier: Burn-out - Stoppt den Stress! 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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